Gladbach-Profi Doucouré Wie viel Verletzungspech kann man haben?

Mamadou Doucouré galt als eines der größten Abwehrtalente der Bundesliga, dann kamen die Verletzungen. Seit fünf Jahren steht er bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag, gespielt hat er bisher zwei Minuten.
Mamadou Doucouré im Gladbach-Trikot. Ein seltenes Bild

Mamadou Doucouré im Gladbach-Trikot. Ein seltenes Bild

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Moritz Mueller / imago images

Statistiken gehören zum Fußball dazu: wie viele Torvorbereitungen, wie viele Ballkontakte, welche Passquote. Die Statistik von Mamadou Doucouré ist eine andere, da steht nichts von Passquote und Ballkontakten. Bei ihm steht als Überschrift über seinen Daten: Verletzungshistorie. Die Geschichte des 22-jährigen Profis von Borussia Mönchengladbach ist eine unglaublich klingende Aneinanderreihung von Verletzungen.

Am 6. Juni 2016 zog sich Doucouré einen Muskelbündelriss zu, eine für Sportler sehr ärgerliche Verletzung, da die Heilung zeitaufwendig ist, Monate braucht, schwerer als ein Muskelfaserriss. Doucouré war da gerade von Borussia Mönchengladbach verpflichtet worden. In der Presse wurde Gladbachs Manager Max Eberl für den Transfer gefeiert, das Sport-Portal SPOX sprach von »einem der größten Abwehrtalente der Welt« . Doucouré war bei Paris Saint-Germain ausgebildet worden, angeblich waren der FC Arsenal und der FC Liverpool interessiert an dem damals 18-Jährigen. SPOX kommentierte die Neuverpflichtung: »Max Eberl wird wohl ein paar Tage gebraucht haben, um das Grinsen aus dem Gesicht zu bekommen.«

Tatsächlich hatte Doucouré als Jugendlicher schon international auf sich aufmerksam gemacht. Mit PSG war er bis ins Endspiel der Uefa Youth League vorgedrungen, mit der U17 Frankreichs wurde er Europameister. Die Zukunft stand weit offen.

Eine Verletzung folgt der nächsten

Nach seinem ersten Muskelbündelriss folgte am 9. Januar 2017 der zweite Muskelbündelriss, der ihn das gesamte Jahr 2017 ausfallen ließ. Doucouré kämpfte sich wieder heran, aber dann am 7. Dezember 2017 wieder die gleiche Diagnose: Muskelbündelriss. Zwei Monate später, am 26. Februar 2018, kam ein Muskelteilabriss hinzu. Das nächste halbe Jahr konnte er abhaken.

Dann Neustart in der Saison 2018/2019, ein Neuanfang, der am 26. November 2018 sein jähes Ende fand: Muskelbündelriss Nummer vier. Nachdem dieser auskuriert war, warf ihn eine hartnäckige Muskelverhärtung ab dem 23.10.2019 für zwei Monate zurück.

Aber dann: Am 31. Mai 2020 kam für ihn der große Moment. In der Partie gegen Union Berlin wurde er in der letzten Minute für Florian Neuhaus eingewechselt, sein erster Einsatz für die Gladbacher nach vier Jahren. Im Borussia-Park waren keine Zuschauer, um diesen Augenblick zu feiern. Die Coronapandemie machte das unmöglich. Die Spieler auf der Auswechselbank applaudierten, als er eingewechselt wurde. Trainer Marco Rose sagte: »Ich hoffe, dass ihm das richtig Schwung und Kraft gibt für die nächsten Aufgaben. Wichtig ist, dass er gesund bleibt.« Borussia verlängerte den Vertrag mit ihm bis ins Jahr 2024. Die ganze Geschichte schien doch noch ein gutes Ende zu nehmen.

Auszeit über Weihnachten

Doucouré war tatsächlich zum ersten Mal in Deutschland so etwas wie gesund, aber all das hatte Spuren hinterlassen. Im Dezember des Vorjahres verordnete Trainer Marco Rose ihm eine Auszeit, Doucouré durfte über Weihnachten in seine Heimat nach Frankreich, Rose riet ihm: »Geh mal nach Hause! Komm mal weg von der ganzen Nummer!« Den Kopf freibekommen, der nächste Neustart. Im März kehrte er ins Mannschaftstraining zurück.

Teamkollege Breel Embolo mit dem Doucouré-Trikot am Sonntag

Teamkollege Breel Embolo mit dem Doucouré-Trikot am Sonntag

Foto: Bernd Thissen / dpa

Am Wochenende beim Training machte Doucouré eine falsche Bewegung, die niederschmetternde Diagnose: Achillessehnenriss. Eine Verletzung, die schon Karrieren beendet hat. »Wir waren alle sehr geschockt, inklusive ihm. Ihm geht es im Moment auch nicht so gut«, sagt Rose. Die Gladbacher Spieler posierten am Sonntag vor ihrer Partie gegen Arminia Bielefeld mit Doucouré-Trikots, Stürmer Breel Embolo hielt nach seinem Treffer ein Trikot mit der Nummer vier hoch. Doucourés Rückennummer. Manager Eberl sagte: »Man kann nicht in Worte fassen, was dieser Junge verkraften muss.«

In dem SPOX-Text zu der Verpflichtung des jungen Franzosen stand damals: »Am Ende darf man ohnehin nicht vergessen, wer Mamadou Doucouré eigentlich ist. Ein 18-jähriger Jungspund, der noch nie eine Sekunde Profifußball erleben durfte. Dies wird sich in Gladbach aber sehr bald ändern.« Seitdem hat Doucouré zwei Kurzeinsätze in der Bundesliga gemacht, eine Minute gegen Union, eine Minute gegen Wolfsburg. Die Website transfermarkt.de hat ausgerechnet, dass Mamadou Doucouré bisher 154 Gladbach-Spiele in der Bundesliga wegen Verletzungen verpasst hat. 154 von möglichen 167.