City-Sieg gegen Liverpool Niedergekämpft

Manchester City hat durch den Sieg gegen Liverpool eine Vorentscheidung im Titelkampf verhindert - und gezeigt, dass das Team auch kämpferisch gewinnen kann. Klopp ärgerte sich über eine nicht gegebene Rote Karte.

Manchester Citys Fernandinho (l.), Liverpools Roberto Firmino
PETER POWELL/EPA-EFE/REX

Manchester Citys Fernandinho (l.), Liverpools Roberto Firmino

Von , Manchester


Pep Guardiola kannte das schon: Wieder hatte er ein Alles-oder-Nichts-Spiel, wieder zu Hause, wieder gegen den FC Liverpool. Alles erinnerte an das Viertelfinal-Rückspiel der Champions League im April des vergangenen Jahres, als City nach dem 0:3 im Hinspiel unbedingt gewinnen musste.

Damals ging City früh in Führung, doch die Gäste kamen zurück, glichen aus - und schossen sogar den Siegtreffer. Durch den 2:1-Erfolg hatte sich Jürgen Klopps Team das Weiterkommen gesichert und den Klub aus Manchester mit der Erkenntnis zurückgelassen, dass er Probleme hat, wenn er unter Zugzwang steht.

Dieses Mal schoss jedoch City den Siegtreffer und Guardiola kann nach dem 2:1-Heimsieg in der Liga gegen Liverpool am Donnerstagabend beruhigt sein: Sein Team kann in Alles-oder-Nichts-Spielen gegen Liverpool doch triumphieren.

Bei einer Niederlage am 21. Spieltag gegen den bis dahin ungeschlagenen Spitzenreiter wäre der Rückstand des aktuellen Meisters auf zehn Punkte gewachsen. Bei einem Remis wären es immer noch sieben Punkte gewesen. Beides hätte wohl ein frühes Ende von Citys Hoffnungen auf den erneuten Titel bedeutet. "Wenn wir Punkte liegen lassen, dann war es das, dann ist es vorbei", hatte Guardiola gesagt.

"Wir haben gezeigt, wie gut wir sind"

Durch den Erfolg in einem furiosen Duell auf Augenhöhe ist das Titelrennen wieder offen. City hat Liverpool die erste Niederlage der Saison zugefügt und den Rückstand auf den Tabellenführer auf vier Punkte verkürzt. Die Gründe dafür waren Kampfgeist, Ruhe unter Druck und der Glaube an sich auch in schwierigen Momenten. Gerade die letzte Eigenschaft ist eigentlich ein Markenzeichen von Liverpool.

Jürgen Klopp (l.), Pep Guardiola
REUTERS

Jürgen Klopp (l.), Pep Guardiola

Die Stimmung im Stadion war ungewohnt geladen. Bei jedem verunglückten Pass von Liverpool und bei jedem Ballgewinn von City gab es einen Aufschrei, die Zuschauer sprangen auf und schwangen die Fäuste. Das Publikum, normalerweise davon verwöhnt, wie Manchester City den Gegner sauber filetiert, wollte die Mannschaft kämpfen sehen. Und es sah sie kämpfen.

"Wir haben gezeigt, wie gut wir sind und mit wie viel Herz wir spielen", sagte Guardiola über die Partie, die "ein Finale für uns" gewesen sei. Klopp sprach von einem "ziemlich intensiven" Spiel, das seine "wilden Momente" gehabt habe. "Ich denke nicht, dass das Ergebnis mit mentaler Stärke auf der einen Seite oder Schwäche auf der anderen zu tun hatte", sagte er.

Tatsächlich: Liverpool war nicht eingebrochen. Die Mannschaft kam nach dem Rückstand durch Sergio Agüero kurz vor der Pause mit Roberto Firminos Ausgleich nach einer guten Stunde zurück. Doch City machte einfach weiter, fest entschlossen, das Titelrennen offen zu halten, und erzielte durch Leroy Sané den Siegtreffer.

Die wichtigsten Spieler waren allerdings zwei andere Profis. Keine Offensivkünstler, sondern unermüdliche Arbeiter im Maschinenraum. Der Brasilianer Fernandinho gab seinem Team in der Mitte Stabilität. Der Portugiese Bernardo Silva rannte so viel wie kein anderer Spieler in der Liga in dieser Saison (13,7 Kilometer), bereitete Agüeros Treffer vor und verdiente sich ein Extralob. "Er ist der Kleinste, aber er zeigt uns, dass man nicht größer oder körperlich stärker sein muss", sagte Guardiola.

Die Partie hat die Erkenntnis gebracht, dass es in dieser Saison einen echten Kampf um den Titel gibt. Anders als in der vergangenen Spielzeit, als Manchester City im Grunde schon zum Jahreswechsel als neuer Champion feststand. Und sie hat gezeigt, dass es im Rennen um die Meisterschaft auf Details wie zum Beispiel die schwache Leistung von Liverpools Innenverteidiger Dejan Lovren ankommt - und auch auf Glück.

"Wie in aller Welt ist das keine Rote Karte?"

Das hatte Manchester City gegen Liverpool mehrfach. Zuerst, als John Stones nach einem Pfostentreffer von Sadio Mané den eigenen Torwart Ederson anschoss und den Ball danach im letzten Augenblick von der Linie rettete (lediglich 1,12 Zentimeter des Balls hatten die Markierung nicht überquert). Und dann, als Kapitän Vincent Kompany nach einer heftigen Grätsche gegen Mohamed Salah nur Gelb sah. "Wie in aller Welt ist das keine Rote Karte? Wenn er Mo mehr erwischt, fällt er für den Rest der Saison aus", sagte Klopp hinterher.

Über die Gesamtsituation wollte der deutsche Trainer allerdings nicht klagen. "Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir nach den Spielen gegen City vier Punkte Vorsprung haben, hätte ich dafür Geld gezahlt", sagte er. Liverpools Chancen auf die erste Meisterschaft seit 1990 sind immer noch glänzend. Dennoch ist nun klar, dass der Titelverteidiger bereit ist, genau das zu tun: seinen Titel zu verteidigen.

Manchester City - FC Liverpool 2:1 (1:0)
1:0 Agüero (40.)
1:1 Firmino (64.)
2:1 Sané (72.)
Manchester: Ederson - Danilo, Stones, Kompany (88. Otamendi), Laporte (86. Walker) - Fernandinho - Bernardo Silva, Silva (65. Gündogan) - Sterling, Aguero, Sané
Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Lovren, van Dijk, Robertson - Henderson - Wijnaldum (86. Sturridge), Milner (57. Fabinho) - Salah, Firmino, Mané (77. Shaqiri) Schiedsrichter: Anthony Taylor
Gelbe Karten: Bernardo Silva, Ederson, Kompany, Laporte / Lovren, Wijnaldum



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
prince62 04.01.2019
1. Liverpool und Klopp vom Olymp des Unbesiegbaren gestürzt
Jetzt sind Liverpool und Klopp wieder unter den normal Sterblichen angekommen, nachdem SPON in den letzten Tagen/Wochen einen dermaßen übertriebenen Hype veranstaltet hat, daß man schon gar nicht mehr hinsehen konnte, übrigens wurde gerade Shaqiri in den Himmel gelobt, aber so gut ist der offenkundig doch nicht, wenn er in einem wichtigen Spiel erst kurz vor Ende eingewechselt wird, genauso wie Erdogans Fanboy bei City, der ebenfalls nur nach 65 Minuten eingewechselt wurde, beide von SPON hochgejazzten sind also lediglich Bankdrücker von Anfang an, jetzt noch die Bayern gegen Liverpool weiter und schon ist der Opel-Klopp endgültig wieder unter den Sterblichen angekommen und kann mit der Zimmermann weiterhin die deutschen Wälder unsicher machen und das Wild erschrecken, Kleinwagenfahrer bleibt eben Kleinwagenfahrer:-)
spadoni 04.01.2019
2. Jürgen Klopp
hat vollkommen recht, Kompany hätte wegen einer groben Tätlichkeit an Salah rot sehen müssen! Wieder mal ein Schiedsrichtergeschenk an City, wie schon so oft.
gnarze 04.01.2019
3.
Zitat von spadonihat vollkommen recht, Kompany hätte wegen einer groben Tätlichkeit an Salah rot sehen müssen! Wieder mal ein Schiedsrichtergeschenk an City, wie schon so oft.
Ich hätte eher gar nicht auf Foul gepfiffen, Salah lässt (wie so häufig, aber auch Mané macht das ständig) einfach das Bein stehen, Kompany geht klar zum Ball. Klopp sucht also wieder mal nur unterschwellig Ausreden, wie schon so oft.
gandalf446 04.01.2019
4.
Zitat von gnarzeIch hätte eher gar nicht auf Foul gepfiffen, Salah lässt (wie so häufig, aber auch Mané macht das ständig) einfach das Bein stehen, Kompany geht klar zum Ball. Klopp sucht also wieder mal nur unterschwellig Ausreden, wie schon so oft.
Er geht aber auch mit gestrecktem Bein und offener Sohle hin. Das als Foul zu pfeifen ist mMn zwingend, alleine um der potentiellen Gefährdung rechnung zu tragen, die von einem "Treffer" bei so einer Aktion ausgehen kann. Rot war es aber mMn eher nicht. Gelb war da ok. @prince62: Ich hoffe, dass es der "Kleinwagenfahrer" den Audi-Betrüger-Bonzen mal so richtig zeigt und sie in Ihrem Schlauchboot sowie zu Hause an der Anfield Road so richtig zerlegt. Go Reds
Freitagabend 04.01.2019
5. Zwei Welten
Während auf der Insel Intensiv-Fussball gespielt wird, lässt sich der Bayern Star Ribery in Dubai filmen, wie ihm ein vergoldetes Steak (sic) zubereitet wird. Mal sehen, was die bessere Vorbereitung für die CL ist!
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