ManCitys Last-Minute-Meisterschaft Zwei Minuten, zwei Tore, ein Titel

Es war das dramatischste Saisonfinale in der Geschichte der Premier League: Manchester City hat sich durch zwei Tore in der Nachspielzeit die Meisterschaft gesichert. Es ist der erste Titel seit 44 Jahren für den Club - und der lang ersehnte Triumph über den Lokalrivalen Manchester United.

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Hamburg/London - Eigentlich war es schon gelaufen, das Spiel, die Meisterschaft, alles. In der 90. Minute lag Manchester City 1:2 gegen die Queens Park Rangers zurück, der Titel schien weit entfernt. Die City-Fans warfen ihre Schals frustriert zu Boden, Coach Roberto Mancini versuchte sichtlich genervt mit letzten Anweisungen noch Einfluss auf sein Team zu nehmen. City war drauf und dran, den Titel gegen einen Abstiegskandidaten zu verspielen.

Doch dann brach der blaue Wahnsinn los.

Zunächst glich der frühere Bundesligaspieler Edin Dzeko zum 2:2 aus (90.+1 Minute). Doch der eine Punkt war immer noch nicht genug für den Titel, da Erzrivale Manchester United 1:0 gegen Sunderland gewonnen hatte. Erst Sergio Agüero sorgte für das Wunder: Mario Ballotelli passte im Liegen auf den argentinischen Nationalspieler, dieser schob in der 93. Minute zum 3:2 ein - das ganze Stadion lag sich jubelnd in den Armen.

Durch den Sieg in letzter Minute hat sich ManCity zum ersten Mal seit 44 Jahren wieder die englische Meisterschaft gesichert. 1968 war City zuletzt Titelträger, vor zwölf Jahren dümpelte der Club noch in der zweiten Liga herum. "Ich habe niemals aufgehört, an den Sieg zu glauben", sagte City-Kapitän Vincent Kompany nach dem Spiel: "Das Tor von Edin hat mich an so viele andere Momente in dieser Saison erinnert, in denen wir zurückgekommen sind. Es gab keinen Grund zu zweifeln."

Acht Tore bringen den Titel

Der mit den Millionen des Scheichs Mansour Bin Zayed al-Nahyan ausgestattete Club ist nun da angekommen, wo man nach dem Einstieg des Investors 2008 hinwollte: an der Spitze. Und, was fast ebenso wichtig für die Citizens ist: vor dem Lokalrivalen United. Denn der hatte nach der furiosen Aufholjagd das Nachsehen. Zwar haben beide Teams 89 Punkte, doch ManCity hat in der Abschlusstabelle die um acht Tore bessere Tordifferenz.

"Ich habe noch nie ein solches Finale gesehen. So zu gewinnen ist unglaublich", sagte Mancini, der seit 2009 bei City ist und aus den schwierigen Stars ein funktionierendes Team geformt hat. "Es ist phantastisch für den Club und die Fans. Es war eine verrückte Saison und eine verrückte letzte Minute."

Beide Manchester-Teams hatten sich über die Saison ein spannendes Meisterrennen geliefert. Lange Zeit hatte City die Tabelle angeführt, doch dann kam ein Einbruch. Am 32. Spieltag lag United acht Punkte in Führung, alles schien auf die Titelverteidigung hinauszulaufen. Doch die "Red Devils" leisteten sich ebenfalls eine Krise - und ließen City Punkt für Punkt wieder heranrücken.

City-Fans stürmen nach Abpfiff den Platz

Die beiden direkten Duelle hatte City in dieser Saison gewonnen. Im Hinspiel gab es einen historischen Sieg, eine Vorführung: 6:1 siegte der Mancini-Club gegen United. Ende April gewann City dann auch noch das zweite Saisonspiel 1:0. Nur im Pokal konnte das Team von Trainer Alex Ferguson triumphieren.

Auch am letzten Spieltag waren alle Augen auf das Duell der beiden Top-Clubs gerichtet. Zunächst hatte United-Angreifer Wayne Rooney in der 20. Minute per Kopf in Sunderland getroffen und die Citizens unter Druck gesetzt. Als dann Citys argentinischer Abwehrspieler Pablo Zabaleta zum 1:0 (39.) traf, schien dann doch noch alles zu Citys Gunsten zu laufen.

Aber dann traf Djibril Cissé nach der Pause zum Ausgleich (48.). City konnte auch aus einer Überzahl nach einer Roten Karte gegen Joey Barton, der wegen einer Tätlichkeit gehen musste (55.), keinen Profit schlagen. Stattdessen kassierte der Club sogar noch das 1:2 durch Jamie Mackie (66.). Der Titel schien verspielt, ehe Dzeko und Agüero noch für den Sieg sorgten.

Viele United-Fans hatten zu diesem Zeitpunkt schon die Meisterschaft gefeiert, umso stiller wurde es, als sich das Endergebnis des Lokalrivalen verbreitete: "Das war brutal. Aber Gratulation an unsere Nachbarn. Das ist ein phantastischer Erfolg für sie. Und jeder, der diesen Titel gewinnt, hat ihn verdient", sagte United-Trainer Ferguson.

Nach dem Abpfiff hielt es viele der City-Zuschauer nicht mehr auf ihren Sitzen. Sie stürmten auf dem Platz, jubelten, fielen weinend zu Boden oder versuchten, einem der begehrten Helden um den Hals zu fallen. Das Sicherheitspersonal musste die City-Profis aus der Menschenmenge befreien.

Als der Platz dann wieder geräumt war, konnte die Übergabe der Premier-League-Trophäe vonstatten gehen. Kapitän Kompany reckte sie in die Luft. "Es war wichtig, dass wir die Meisterschaft endlich einmal gewonnen haben", sagte Mancini nach dem Spiel: "Manchester City steht nun vor einer großen Zukunft."

insgesamt 6 Beiträge
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mikune 13.05.2012
1. Pest oder Colera
Zitat von sysopREUTERSEs war das dramatischste Saisonfinale in der Geschichte der Premier League: Manchester City hat sich durch zwei Tore in der Nachspielzeit die Meisterschaft gesichert. Es ist der ersten Titel seit 44 Jahren für den Club - und der lang ersehnte Triumph über den Lokalrivalen Manchester United. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,832934,00.html
Zwei Herzen schlagen ach in meiner Brust, ManC ist eine vom Scheich zusammengekaufte Söldnertruppe (Manchester City: Gnadenfrist für Dzeko und ein Eklat von Tevez - Nachrichten Sport - Fußball - Bundesliga - FC Bayern München - WELT ONLINE (http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article13629648/Gnadenfrist-fuer-Dzeko-und-ein-Eklat-von-Tevez.html)), eigentlich ist denen nichts zu gönnen. Andererseits aber auch nicht schlecht, wenn ManU mal erfährt, wie das so ist, durch 2 Treffer in der Nachspielzeit einen Titel zu verlieren... Nächstes Jahr ist hoffentlich Arsenal wieder dran.
oberfrange 14.05.2012
2. Egal.
Es ist völlig egal, was die Geldsäcke auf der Insel produzieren. Ich war vor nicht allzu langer Zeit dort, durfte die spielerische Qualität der Premier-League-Spiele live im TV bewundern und glauben Sie mir - selbst ein deutsches Mittelklasseteam wie Nürnberg oder Freiburg (das sieht man ja auch daran, wie Cissé bei den Magpies eingeschlagen hat) hätte mittlerweile eine echte Chance gegen Teams wie Arsenal oder Newcastle. Was in Deutschland in punkto Jugendarbeit geleistet wird, ist absolut vertrauenswürding und nachvollziehbar, außer bei den Bayern, die eher auf Geld setzen. Herzlichen Glückwunsch an Jürgen Klopp und sein Team und ich hoffe, dass unsere Nationalmannschaft TROTZ der ganzen Bayernspieler bei der EM was reißen wird. England wird hoffentlich ull Chance haben und Spanien spielt keinen begeisternden Fussball mehr, den spielt momentan Dortmund - nicht nur spielerischer Glanz und Tiki Taka, sondern auch Kampf machen das Spiel aus.
haltetdendieb 14.05.2012
3. Ja nächstes Jahr ist Arsenal wieder dran!
Zitat von mikuneZwei Herzen schlagen ach in meiner Brust, ManC ist eine vom Scheich zusammengekaufte Söldnertruppe (Manchester City: Gnadenfrist für Dzeko und ein Eklat von Tevez - Nachrichten Sport - Fußball - Bundesliga - FC Bayern München - WELT ONLINE (http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article13629648/Gnadenfrist-fuer-Dzeko-und-ein-Eklat-von-Tevez.html)), eigentlich ist denen nichts zu gönnen. Andererseits aber auch nicht schlecht, wenn ManU mal erfährt, wie das so ist, durch 2 Treffer in der Nachspielzeit einen Titel zu verlieren... Nächstes Jahr ist hoffentlich Arsenal wieder dran.
Arsenal cerliert im letzten Spiel in der Nachspielzeit den Titel gegen Chelsea. Chelsea gewinnt durch einen Treffer von Drogba in der 93. Minute gegen Wigan Athletic den Titel und die Gunners werden somit Zweiter! Wieder Spannung bis zur 94. Minute. Denn dann wird Wigan - Chelsea abgepfiffen. Die Schals werden wieder aufgehoben, das Spielfeld gestürmt. 2013 war endlich wieder mal Arsenal dran! Glückwunsch nach Manchester, und für Herrn Mancini.
WasserTrinker 14.05.2012
4.
Zitat von oberfrangeEs ist völlig egal, was die Geldsäcke auf der Insel produzieren. Ich war vor nicht allzu langer Zeit dort, durfte die spielerische Qualität der Premier-League-Spiele live im TV bewundern und glauben Sie mir - selbst ein deutsches Mittelklasseteam wie Nürnberg oder Freiburg (das sieht man ja auch daran, wie Cissé bei den Magpies eingeschlagen hat) hätte mittlerweile eine echte Chance gegen Teams wie Arsenal oder Newcastle. Was in Deutschland in punkto Jugendarbeit geleistet wird, ist absolut vertrauenswürding und nachvollziehbar, außer bei den Bayern, die eher auf Geld setzen. Herzlichen Glückwunsch an Jürgen Klopp und sein Team und ich hoffe, dass unsere Nationalmannschaft TROTZ der ganzen Bayernspieler bei der EM was reißen wird. England wird hoffentlich ull Chance haben und Spanien spielt keinen begeisternden Fussball mehr, den spielt momentan Dortmund - nicht nur spielerischer Glanz und Tiki Taka, sondern auch Kampf machen das Spiel aus.
hmhh Lahm, Schweinsteiger, Badstuber, Müller, Contento direkt aus dem eigenen Stall. Dazu Kroos und Alaba die auch bereits zu Jugendzeiten nach München wechselten. Letztes Jahr waren noch Ottl, Lell und Kraft im Kader, auch allesamt aus der eigenen Jugend. Und Sie wollen jetzt ernsthaft behaupten bei Bayern findet keine Jugendarbeit statt?
citizenkane_hl 14.05.2012
5. @oberfrange
Auch gewinnen muss man in Würde. Dass sowohl Dortmunder Mannschaft als auch Anhang das noch nicht können, haben sie leider mehrfach diese Saison bewiesen. Volksmund meint, dass Hochmut vor dem Fall käme, und so wird es auch kommen. Allein die Aussage, die Dortmunder würden von ihrer Jugendarbeit profitieren, ist einfach nur lachhaft und entlarvt die Fachkenntnis des Autoren. Außer Großkreutz kommt niemand aus der ersten Elf inkl. Ersatzbank aus Dortmund oder Umgebung.
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