Remis zwischen Manchester City und Liverpool Ihre Rivalität macht sie zu den Besten der Welt

Manchester City gegen Liverpool war so grandios wie seit Langem kein Spiel mehr in England. Ein Grund: Die Trainer Pep Guardiola und Jürgen Klopp treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen.
Von Hendrik Buchheister, Manchester
Zwei Trainer, die ihre Teams zu Höchstleistungen bringen: Jürgen Klopp (links) und Pep Guardiola

Zwei Trainer, die ihre Teams zu Höchstleistungen bringen: Jürgen Klopp (links) und Pep Guardiola

Foto: Phil Noble / REUTERS

Am Ende eines wilden Fußball-Nachmittags machte Pep Guardiola das, was er am liebsten macht: Er verteilte Komplimente in alle Richtungen. Er sei unglaublich stolz, seine Profis hätten eine unglaubliche Leistung gezeigt, sagte der Trainer von Manchester City. Auch Gegner FC Liverpool sei »a joy to watch« gewesen, eine Freude für das Auge. Die beiden Mannschaften hätten Werbung für die Premier League gemacht mit dem 2:2 im Spitzenspiel zwischen Tabellenführer (City) und Verfolger (Liverpool).

Guardiola ist dafür bekannt, dass er bisweilen übertreibt. Diesmal aber stimmte jedes Wort. Was sein Team und das von Jürgen Klopp am Sonntagabend gezeigt hatten, war das vielleicht beste Fußballspiel, das es in England in dieser Saison zu sehen gab.

Vor dem Spiel zwischen City (jetzt 74 Punkte) und Liverpool (73) war eine Debatte darüber entbrannt, ob dem Duell der beiden Topteams der Zunder fehle für eine echte, geschichtsträchtige Fehde. Von Guardiola ist über Klopp vor allem Anerkennendes zu hören, und umgekehrt ist es genauso, kein Gift, sondern vor allem Respekt. Doch das spektakuläre Topspiel zeigte, dass die Rivalität beider Klubs vor allem auf sportlicher Ebene funktioniert – und das für große Unterhaltung genügt. Wann sind zwei Teams in einem solchen Duell zuletzt ein so hohes Tempo gegangen?

»Ich habe das Gefühl, dass wir sie am Leben gelassen haben«

Auch wenn eigentlich Liverpool einen Sieg gebraucht hätte, schien vor allem Guardiola unzufrieden mit dem Remis: »Ich habe das Gefühl, dass wir sie am Leben gelassen haben.« Mit einem Sieg hätte Titelverteidiger City vier Punkte Vorsprung auf den Konkurrenten gehabt. Bei sieben verbleibenden Spielen wäre das die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen gewesen. Doch die Skyblues verschleuderten zu viele Chancen.

Sinnbildlich stand dafür die letzte Aktion der Partie: In der vierten Minute der Nachspielzeit versuchte Riyad Mahrez, Liverpools Torwart Alisson zu überlupfen, und verfehlte das Ziel. So kam Liverpool glücklich mit einem Punkt davon und kann sich weiter Hoffnungen auf die Meisterschaft machen.

Am schönsten aus dem »Reds«-Lager formulierte Kapitän Jordan Henderson, was das 2:2 für seine Mannschaft bedeutet: »Am Ende des Tages ist es nicht das Ende der Welt«, sagte er. Und: »Wir sind immer noch im Rennen.« Wenngleich die Poleposition auch weiter City innehat.

Pep Guardiola haderte in Manchester mit den vergebenen Chancen

Pep Guardiola haderte in Manchester mit den vergebenen Chancen

Foto: PHIL NOBLE / REUTERS

»Wir müssen so nah an der Perfektion wie möglich sein, um alle sieben Spiele zu gewinnen. Es ist Wahnsinn, aber das ist der einzige Weg, um Manchester City zu schlagen«, sagte Klopp.

Nah an der Perfektion sein – das gelingt beiden Teams ziemlich gut. Klopp wie auch Guardiola sprachen rund um diese Begegnung nicht zum ersten Mal darüber, wie positiv sich die Konkurrenz durch den anderen auf die eigene Leistung auswirke. Man jagt sich, man treibt sich an. »Er macht mich zu einem besseren Trainer«, sagte Guardiola nach dem Spiel über Klopp.

Im FA Cup treffen nun beide erneut aufeinander

Mit einem Sieg hätte Guardiolas Mannschaft die Jagd entschleunigen können. Die Frage ist, ob das hilfreich gewesen wäre. Etwas weniger Druck in der Liga hätte womöglich für manch Atempause in den letzten Saisonwochen gesorgt. Zugleich scheint gerade die Konkurrenz beide Klubs zu Höchstleistungen zu treiben. Von den Champions-League-Viertelfinalisten sind es allein diese beiden Klubs, die noch in einem echten Titelkampf stecken. Auch im FA Cup treffen Liverpool und City aufeinander, schon am Samstag im Halbfinale.

Und auch in der Champions League wäre ein Duell keine Überraschung. Möglich wäre das erst im Finale.

Jener Wettbewerb dürfte für City noch bedeutender sein als die Liga. Meister war Manchester unter Guardiola schon drei Mal (2018, 2019, 2021). Worauf der Verein sehnsüchtig wartet, ist der Gewinn der Champions League.

Hatz nach Anerkennung

Mehrfach scheiterte das Guardiola-Team in Duellen, in die es als klarer Favorit gegangen war: 2017 gegen Monaco, 2019 gegen Tottenham, 2020 gegen Lyon. Vergangene Saison schaffte es City erstmals in seiner Vereinsgeschichte ins Endspiel des Wettbewerbs – und unterlag dort Chelsea.

Die Hatz nach dem Titel in der Königsklasse ist auch eine Hatz nach Anerkennung für die Mannschaft, die von der Fachwelt immer wieder zum besten Team der Welt erklärt wird. »Um die Anerkennung der ganzen Außenwelt zu bekommen, müssen wir Europa erobern«, sagte Guardiola. Und das wird trotz des vielen Geldes, mit dem Abu Dhabi den Klub finanziert , schwer.

Schon das Viertelfinal-Rückspiel bei Atlético Madrid am Mittwoch (21 Uhr, Stream: DAZN; Liveticker SPIEGEL.de) hat Stolperpotenzial, obwohl City das Hinspiel 1:0 gewann. Im Halbfinale der Champions League würden Real Madrid oder der FC Chelsea warten, gegen den das Endspiel in der Vorsaison verloren gegangen war.

Die »Reds« haben die Champions League schon sechsmal gewonnen, zuletzt 2019. »We’ve conquered all of Europe, we’re never gonna stop...«, singen die Liverpool-Fans. Es ist auch eine Stichelei gegen das im einstigen Landesmeisterpokal erfolglose Manchester City.

Wie in jeder der vergangenen Saisons bleibt es auch in dieser Spielzeit das übergeordnete Ziel von City, den Silberpokal mit den Riesenhenkeln nach Manchester zu überführen, und die Zeit wird knapp für Guardiola – sein Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Die Meisterschaft ist im Vergleich zu internationalem Ruhm eine Art Pflichtübung, zumal die erfolgreiche Titelverteidigung in dieser Saison schon als ausgemacht galt.

Anfang des Jahres hatte Guardiolas Mannschaft 14 Punkte Vorsprung auf Liverpool. Nun geht das Rennen weiter.

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