Chelsea gewinnt Champions-League-Finale De Bruynes Tränen, Tuchels Jubel

Ein Zusammenprall beendete das Champions-League-Finale für Kevin De Bruyne und die Hoffnungen von Manchester City. Die Freude bei Chelseas Coach Thomas Tuchel kannte hingegen keine Grenzen, wieder triumphierte ein deutscher Trainer.
Kevin De Bruyne musste von Citys Co-Trainer Juan Manuel Lillo getröstet und gestützt werden

Kevin De Bruyne musste von Citys Co-Trainer Juan Manuel Lillo getröstet und gestützt werden

Foto: CARL RECINE / AFP

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Die Vorentscheidung: In der zweiten Hälfte des Champions-League-Finals blockte Antonio Rüdiger im Mittelfeld Kevin De Bruyne, um einen Konter zu verhindern. Eigentlich ein harmloses taktisches Foul. Aber De Bruyne stieß bei der Aktion unglücklich mit der Schulter des deutschen Nationalspielers zusammen und blieb minutenlang – offenbar benommen – auf dem Boden liegen. De Bruyne, der zentrale Spieler unter Guardiola, vielleicht der beste Mittelfeldspieler der Welt, musste unter Tränen vom Platz, ein dickes Veilchen breitete sich unter seinem linken Auge aus. Die Vorentscheidung in diesem Champions-League-Finale fiel nicht durch ein Tor, sondern fiel in diesem Zweikampf in der 56. Minute.

Das Ergebnis: 1:0 (1:0) gewann der FC Chelsea das Finale der Champions League gegen Manchester City. Der deutsche Nationalspieler Kai Havertz erzielte das entscheidende Tor (42. Minute). Nach 2012 ist es der zweite Champions-League-Sieg in der Klubgeschichte der Blues. Hier geht's zum Spielbericht.

Schon wieder ein Deutscher: Mit Chelsea-Coach Thomas Tuchel gewann zum dritten Mal in Folge ein deutscher Trainer die Champions League. Im vergangenen Jahr war es Hansi Flick mit Bayern München, im Jahr zuvor Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool. An Weltklassetrainern mangelt es in Deutschland derzeit gewiss nicht.

Die erste Hälfte: Sieben City-Spieler standen beim Anstoß an der Mittellinie. Trainer Pep Guardiola wollte offenbar keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sein Team nach Porto gereist ist, um anzugreifen. Überlegen war im ersten Durchgang aber das andere Team: Chelsea verteidigte gewohnt stark und überspielte das berüchtigte Angriffspressing von Guardiola-Teams mit zielgenauen Flugbällen. Wie beim Führungstreffer, als Keeper Édouard Mendy einen Flugball auf Linksverteidiger Ben Chilwell spielte, der direkt auf Mason Mount weiterleitete. Sein Pass in den Lauf von Havertz war so gut, dass der 21-Jährige den Ball mit zwei Kontakten im Tor unterbrachte.

Kai mit der Kiste: Havertz wird von seinen Mitspielern für seinen Führungstreffer geherzt

Kai mit der Kiste: Havertz wird von seinen Mitspielern für seinen Führungstreffer geherzt

Foto: JOSE COELHO / AFP

Der Lauf des Spiels: Was neben dem starken Pass von Mount und dem starken Abschluss von Havertz etwas unterzugehen drohte: Als Mount den Ball annahm, setzte Timo Werner im Sturmzentrum zum Sprint an. Jedoch nicht tief, um selbst ein Tor zu erzielen, sondern diagonal auf den linken Flügel. Das Passfenster war dadurch für ihn geschlossen, er zog aber mit John Stones den entscheidenden City-Verteidiger mit sich, wodurch Havertz den Platz hatte, den er brauchte. Ja, Werner hatte auch im Finale wieder Chancen vergeben, aber Stürmer sollten nicht nur darauf reduziert werden.

Die zweite Hälfte: City wurde in der zweiten Hälfte spielbestimmender, wirklich gefährlich aber nicht. Immer wenn es einmal brenzlig zu werden drohte, hatte ein Chelsea-Spieler seine Beine dazwischen. Die größte Chance hatte hingegen erneut Chelsea, als Havertz am Strafraum für den eingewechselten Christian Pulisic auflegte, der vor Ederson aber knapp links vorbeischob (73.). An der Seitenlinie ging Tuchel in die Knie, legte den Kopf auf das Grün des Estádio do Dragão in Porto und schien zu verzweifeln.

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Tuchels Meisterstück

Foto: DAVID RAMOS / AFP

Die letzten Minuten: Spätestens in der Schlussphase schien Tuchel zu begreifen, dass ein solches Finale nicht nur durch eine herausragende Taktik gewonnen werden kann. Also brüllte er in der Schlussphase in Richtung der Fans, wirbelte mit den Armen und forderte noch mehr Unterstützung. Die Ordnung seiner Haare hatte sich ebenso wie die Spielordnung beider Teams verabschiedet, egal, nur noch diese wenigen Minuten zur besten Klubmannschaft Europas. Mit dem Schlusspfiff des starken und äußerst kommunikativen spanischen Schiedsrichters Antonio Mateu Lahoz brachen alle Dämme.

Die bitteren Tränen: Im Sommer 2016 übernahm Pep Guardiola Manchester City mit dem Ziel, dem durch das Emirat Abu Dhabi alimentierten Klub den Titel in der Königsklasse zu verschaffen. Einer von Guardiolas Lieblingsschülern ist Sergio »Kun« Agüero geworden, für den mit dem Champions-League-Finale seine sagenhafte Zeit bei City endete. Als der 32 Jahre alte Mittelstürmer gewissermaßen als letzte Hoffnung in der 77. Minute eingewechselt wurde, schien sich eine dieser Geschichten anzubahnen, die man oft zu gern mit dem Wort »ausgerechnet« umschreibt. Gegen 23 Uhr stand Agüero aber nur noch mit Tränen in den Augen am Strafraum von Chelsea. Kein Happy End.

Sergio Agüero absolvierte sein letztes Spiel für Manchester City, es endete mit Tränen

Sergio Agüero absolvierte sein letztes Spiel für Manchester City, es endete mit Tränen

Foto: CARL RECINE / AFP

Die Show vor der Show: Real Madrids Präsident Florentino Pérez hatte die viel gescholtenen Pläne zur Super League unter anderem damit begründet, dass die sogenannte Generation Z das Interesse am Fußball verliere. Europas Dachverband antwortete darauf mit einem Wink in Richtung der TikTok-Teenies: Die US-Superstars Marshmello, Selena Gomez und Khalid gaben vor der Partie ihre Musik zum Besten, aufgemacht in einer aufwendigen technischen Projektion, die einer Parallelwelt ähnelte und an europäischen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte. Nimm das, Florentino Pérez; nimm das, Super League!

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