Gündogan-Leistung in Manchester-Derby Der Rebell findet die Lücke

Ilkay Gündogan zögert bei der Vertragsverlängerung. Beim Derbysieg über Manchester United zeigte er, wie wichtig er für Manchester City sein kann.

City-Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan (l.), Uniteds Luke Shaw
Jon Super / DPA

City-Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan (l.), Uniteds Luke Shaw

Aus Manchester berichtet


Ilkay Gündogan bekam den Ball in der Mitte der gegnerischen Hälfte. Auf der Suche nach Anspielstationen schaute er nach links, doch dort waren alle Passwege versperrt. Also bremste er ab, drehte sich nach rechts und erspähte eine Lücke, die sich zwischen Fred und Paul Pogba auftat. Er spielte den Ball steil durch den freien Raum, auf seinen Kollegen Bernardo Silva. Dieser drang ins Zentrum ein, zog ab und traf zum 1:0 ins kurze Eck für Manchester City in dieser 54. Minute.

2:0 sollte es am Ende im Stadtduell bei Manchester United für den amtierenden Meister stehen, der mit dem Sieg einen entscheidenden Schritt zur erfolgreichen Titelverteidigung machte. Die Partie im Old Trafford war als letzte Prüfung für die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola im Kampf um die Meisterschaft mit dem FC Liverpool gedeutet worden. Bei noch drei verbleibenden Spielen setzte sich der Klub wieder an die Tabellenspitze, mit einem Punkt Vorsprung, und hat gute Aussichten, dort bis zum Ende der Saison zu bleiben. In den finalen Partien trifft Manchester City auf den FC Burnley, Leicester City und Brighton & Hove Albion.

Der Erfolg bei Manchester United war am Ende hochverdient, aber es hatte eine Weile gedauert, bis Guardiolas Mannschaft das Spiel in ihre Richtung lenken konnte. Die erste Hälfte war eng und umkämpft. Auch Gündogan bekam das kurz vor der Pause zu spüren, als er nach einem Foul von Jesse Lingard länger auf dem Rasen des Old Trafford lag. Er konnte weitermachen - und leistete einen wichtigen Beitrag zu einem der wichtigsten Siege der Saison. Nicht nur wegen seiner Vorarbeit zum 1:0.

Meinungsverschiedenheiten mit Guardiola

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Manchester-Derby: City ist dort, wo United gern wäre

Der Deutsche machte ein starkes Spiel, fast jeder seiner Pässe kam an. Er begann ein Stück weiter vorne in Manchester Citys Mittelfeld und rutschte kurz nach der Pause ein paar Meter zurück nach der Auswechselung von Fernandinho. Auf der Position in der Zentrale dirigierte er die Partie so geschickt, dass ihm Guardiola ein Sonderlob ausstellte. "Gute Spieler verstehen das Spiel. Sie können überall spielen, auf jeder Postion. Gündogan kann auf jeder Position auf einem hohen Niveau spielen", sagte der Trainer.

Diese Harmonie zwischen Guardiola und dem ehemaligen Dortmunder ist keine Selbstverständlichkeit im Moment. Es ist noch keine zwei Wochen her, dass sich die beiden in aller Öffentlichkeit widersprachen. Nach der 0:1-Niederlage im Viertelfinalhinspiel der Champions League bei Tottenham Hotspur, das die Basis für das spätere Aus gelegt hatte, hatte Gündogan seiner Mannschaft fehlende Reife unterstellt. Sie spiele "nervös in wichtigen Spielen in der Champions League" und würde "immer die falschen Entscheidungen" treffen. Guardiola war mit dieser Diagnose nicht einverstanden. "Ich stimme ihm nicht zu, absolut nicht", sagte er.

Eine solche Meinungsverschiedenheit ist kein Skandal, aber sie passt ins Bild. Gündogan und Manchester City haben im Moment ein unklares Verhältnis, das hat auch etwas mit den stockenden Gespräche über einen neuen Vertrag für den Deutschen zu tun. Sein aktuelles Arbeitspapier ist bis Sommer 2020 gültig. Guardiola würde den Vertrag mit Gündogan gerne vorzeitig verlängern, das hat er auch öffentlich bekundet. Doch bislang ist das nicht passiert. Offenbar zögert Gündogan. Das genügt, um von der britischen Presse zum "Vertrags-Rebellen" ernannt zu werden. Dabei ließ er sich auch in Dortmund zweimal Zeit mit der Vertragsverlängerung.

Bei dem Sieg bei Manchester United zeigte er, warum ihn der Klub halten möchte. Gündogan kommt in dieser Saison regelmäßig zum Einsatz. In 20 von 35 Spielen in der Premier League wirkte er von Beginn an in dem wegen Verletzungsausfällen ausgedünnten Mittelfeld mit. Auch in den verbleibenden drei Partien dürfte Guardiola auf ihn setzen als Verbindungsmann zwischen Abwehr und Angriff. Und als jemand, der im entscheidenden Moment die Lücke findet.

Manchester United - Manchester City 0:2 (0:0)
0:1 Bernardo Silva (54.)
0:2 Sané (66.)
Manchester United: de Gea - Young, Darmian (83. A. Sanchez), Smalling, Lindelöf, Shaw - Pereira (72. Lukaku), Fred, Pogba - Lingard (83. Martial), Rashford
Manchester City: Ederson - Walker, Kompany, Laporte, Zinchenko - Gündogan (89. Danilo), Fernandinho (51. Sané), Silva - Bernardo Silva, Aguero (89. Gabriel Jesus), Sterling
Gelbe Karten: Pereira / Kompany, Zinchenko
Schiedsrichter: Marriner
Zuschauer: 74.431



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