ManUnited-Zugang Di María Im Dienste der Superstars

Er kostet 75 Millionen Euro - und ist doch kein Irrsinns-Transfer. Mit Ángel Di María holt Manchester United einen der selbstlosesten und sportlich wertvollsten Stars Europas: schnell, technisch stark und ausdauernd wie ein Langläufer.


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Hamburg - Als Paris St. Germain Anfang August wegen der Ablösesumme abwinkte, horchte auch der Letzte auf. Zu teuer, und das für den von schwerreichen Scheichs unterstützten französischen Spitzenklub, der im Zuge des Financial Fair Play der Uefa nun allerdings buchhalterische Basics befolgen muss. Rund 60 Millionen Euro standen damals im Raum für diesen Ángel Di María.

Nun zahlt Manchester United nach eigenen Angaben sogar 75 Millionen Euro für den Argentinier von Real Madrid, englischer Transferrekord und in etwa die Größenordnung der prominentesten Errungenschaft des spanischen Rekordmeisters in diesem Sommer, James Rodríguez, sowie dessen Teamkollegen Gareth Bale und Cristiano Ronaldo. Eine Irrsinns-Summe, doch mit Di María sichert sich der United ein Juwel, und die haben nun mal ihren Preis.

Der 26-Jährige kommt nicht annähernd so schillernd daher wie das genannte Trio, fußballerisch jedoch zählt der Nationalspieler zu der Marke "Trainers Liebling". Da ist seine Lust am Laufen, 90 oder 120 Minuten lang, immer die Linie entlang, hinter die gegnerische Abwehr und dann sofort wieder zurück. So wurde er mit Real spanischer Meister, Pokal- und Champions-League-Sieger.

"Raum-Aufreißer" mit präzisen Flanken

Warum dort für Di María trotz eines Vertrags bis 2018 nun kein Platz mehr sein soll, erschließt sich aus sportlicher Sicht nicht. Di María, in der argentinischen Nationalmannschaft seit jeher Dienstleister für Superstar Lionel Messi (FC Barcelona), hat das Spiel für die Kollegen perfektioniert. Seine Flanken und Pässe kommen so zahlreich wie präzise (87 Torvorlagen in 190 Einsätzen für Real), seine Einsatzbereitschaft in der Defensive hat Seltenheitswert bei einem Flügelspieler. Einen zweiten Di María hat Real nicht.

"Er kann den Unterschied in einem Spiel ausmachen, und er versteht, worum es geht", sagt Argentiniens Ex-Nationaltrainer Alejandro Sabella, der bei der Weltmeisterschaft in Brasilien mit seinem Team erst im Finale an Deutschland scheiterte - Di María, der (Raum-)Aufreißer, fehlte verletzt.

In das noch arg lahmende Offensivspiel von Manchester United (erst zwei Tore) soll Di María nun endlich Tempo bringen. "Ich bin sehr glücklich über den Wechsel, United ist der einzige Klub, für den ich Real verlassen hätte", sagt er: "Louis van Gaal ist ein fantastischer Trainer und ich bin beeindruckt von dem Willen, diesen Klub wieder an die Spitze zu bringen." Für van Gaal ist Di Maria "ein Weltklasse-Spieler. Aber vor allem ist er ein Teamplayer. Er sorgt in den versiertesten Abwehrreihen für Schrecken. Es ist eine Freude, seine Dribblings zu verfolgen".

Als Goalgetter taugte er schon während seiner drei Jahre von 2007 bis 2010 bei Benfica Lissabon nicht (117 Spiele, 15 Tore). Di María macht lieber seine Mitspieler besser, entlastet sie und ist selbst nach vier Jahren beim Hysterie-Klub Real vollkommen normal geblieben. United-Coach Louis van Gaal, der eher wenig mit renitent-verdrehten Fußballern anfangen kann, darf sich zu Recht freuen.

chp



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
JKStiller 26.08.2014
1. Geld schießt auf verschiedene Wege Tore
Warum dort (bei Real) für Di María trotz eines Vertrags bis 2018 nun kein Platz mehr sein soll, erschließt sich aus sportlicher Sicht nicht, das mag ja sein. Der Trainer heißt aber Carlo Ancelotti, und jeder Trainer erarbeitet nun mal sein eigenes Spielsystem. In diesem Zusammenhang erinnere ich gerne an unsere Nationalmannschaft und Jogi Löw. Vor der WM nur Kopfschütteln, nach dem WM-Titel die große Stille der Kritiker. Fußball ist heute mehr als nur die Summe von teuren Weltklasse-Spielern, die gewinnen sollen. Es ist die Suche nach dem perfekten System, die nie aufhören wird. Warten wir ab, wo Ancelotti nächsten Sommer steht.
senta1958 26.08.2014
2.
Zitat von JKStillerWarum dort (bei Real) für Di María trotz eines Vertrags bis 2018 nun kein Platz mehr sein soll, erschließt sich aus sportlicher Sicht nicht, das mag ja sein. Der Trainer heißt aber Carlo Ancelotti, und jeder Trainer erarbeitet nun mal sein eigenes Spielsystem. In diesem Zusammenhang erinnere ich gerne an unsere Nationalmannschaft und Jogi Löw. Vor der WM nur Kopfschütteln, nach dem WM-Titel die große Stille der Kritiker. Fußball ist heute mehr als nur die Summe von teuren Weltklasse-Spielern, die gewinnen sollen. Es ist die Suche nach dem perfekten System, die nie aufhören wird. Warten wir ab, wo Ancelotti nächsten Sommer steht.
Sehr guter Beitrag. Ich vermute, dass Real in der nun angelaufenen Saison Probleme bekommen könnte. Eben, weil man dort nicht die Mannschft sich entwickeln lässt, sondern glaubt, dem Publikum ständig neue Stars anbieten zu müssen.
pewibe 26.08.2014
3. Deutschland Weltmeister
weil er fehlte... Für Manchester brechen Zeiten an, die die gewohnte Gewichtsverteilung nach der Ära Ferguson. im Europäischen Spitzenfussball wieder herstellt. Manchester hat neben dem Milliardendeal, ob Hoeness im Knast kotzt oder nicht, mit Adidas Vereine wie Bayern und natürlich Dortmund, Leverkusen oder Schalke auf B Niveau zurückgestutzt. Mittelfristig heißt es für Deutsche Vereine hinter Manchester, Barcelona, Real, City oder Liverpool platz nehmen und ausscheiden im 1/8 Finale oder 1/4 Finale wenn es gut läuft. Eben alle 15 Jahre ein Titlel in der Königsklasse. Was mich persönlich kitzelt, ist das die Bayern international das sind, was viele Vereine national im Vergleich mit selbigen sind. Vorbei, der Traum auf weitere Finale aber es ist ja mit Red Bull ein Global Player in den Startlöchern der würdig die BL in den nächsten Jahren vertreten will und wird :-D
m.r.m. 26.08.2014
4.
Real lässt regelmäßig top Spieler fallen. Als letzte gute Beispiele Robben und Sneijder. Beide haben während ihrer Zeit bei Real und besonders danach nochmal richtig aufgedreht. Sie versprühten eben nicht den erwarteten Glamour wie 80 - 100 Mio. Euro Stars. Für einige dieser Verkäufe beißen die sich regelmäßig in den Hintern, da bin ich sicher.
chavezding 26.08.2014
5.
Di Maria ist gut, keine Frage. Er hatte eine gutes Jahr mit Real und gute Leistungen mit der Nationalmannschaft. Aber davor, auch in der Saison, zeigte er selten konstante Leistungen. Er ist gut, keine Frage, aber niemals 75 Millionen wert. Der Transfer zeigt nur, wie es bei United brennen muss, wenn man so viel Asche für einen abgeschobenen Spieler zu zahlen bereit ist.
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