Krise von Manchester United "Van Gaal ist ein Mann von gestern"

Manchester United steht nach dem Aus im FA-Cup vor der zweiten titellosen Saison hintereinander. Viele englische Medien geben Trainer Louis van Gaal die Schuld. Seine Taktik sei "stümperhaft und rückwärtsgewandt".

Van Gaal: "Haben das Spiel aus der Hand gegeben, das ist die größte Enttäuschung"
REUTERS

Van Gaal: "Haben das Spiel aus der Hand gegeben, das ist die größte Enttäuschung"


Hamburg - Er sollte Manchester United an die Spitze führen, doch nach dem Pokal-Aus gegen den FC Arsenal ist Trainer Louis van Gaal der Buhmann. "Taktisches Genie? Van Gaal ist ein Mann von gestern", schrieb die "Daily Mail" nach dem 1:2 (1:1) im Viertelfinale des FA-Cup. Die BBC sprach von einer "taktischen Bankrotterklärung", und der Mirror schrieb: "Van Gaal spricht immer von seiner Philosophie, aber United ist eine einzige Katastrophe."

Bei seiner Vorstellung als neuer Teammanager im Sommer hatte sich der ehemalige Bayern-Coach noch gerühmt, bisher bei jedem seiner Klubs gleich im ersten Jahr einen Pokal gewonnen zu haben. Jetzt hat van Gaal die zweite titellose Spielzeit bei United hintereinander zu verantworten - das gab es zuletzt vor 26 Jahren. "Das ist ein schwerer Schlag, von dem wir uns erst einmal erholen müssen", sagte der Niederländer kleinlaut. Um die Saison halbwegs zu retten, muss er in der Premier League Platz vier halten und sich für die Champions League qualifizieren. Doch nicht nur das anspruchsvolle Restprogramm lässt die Zweifel daran wachsen.

Der "Guardian" bezeichnete van Gaals Taktik gegen Arsenal als "stümperhaft und rückwärtsgewandt". United habe ausgesehen wie unter seinem gescheiterten Vorgänger David Moyes und befände sich unter van Gaal im "fortdauernden Hangover".

Van Gaal kritisiert Di María

Dabei durfte van Gaal seine Mannschaft vor der Saison für umgerechnet rund 220 Millionen Euro runderneuern. Doch ausgerechnet der mit 75 Millionen Euro teuerste Spieler, Ángel Di María, war das Gesicht der Niederlage. Der Argentinier handelte sich die Gelb-Rote Karte ein (79.), als er Schiedsrichter Michael Oliver von hinten am Trikot zerrte. "Das war nicht sehr schlau, dafür gibt es keine Entschuldigung", schimpfte van Gaal.

Zuvor hatte Wayne Rooney (29.) die Gäste-Führung durch Nacho Monreal (25.) ausgeglichen. Doch Danny Welbeck sicherte den Gunners den Halbfinal-Einzug (61.). Ausgerechnet Welbeck, das United-Eigengewächs, das van Gaal im Sommer aussortiert hatte mit den Worten, der Stürmer sei "ein Bankspieler, kein Stammspieler".

Er habe nicht erwartet, dass sein Kollege Arsène Wenger auf Welbeck setze, meinte van Gaal - nicht seine einzige Fehleinschätzung. Dass Di María "ein Schatten seiner selbst" sei, wie United-Legende Gary Neville meinte, hat er mitzuverantworten. Die Qualität des Angreifers komme in van Gaals Systemkorsett nicht zum Tragen.

Van Gaal sah die Schuld bei seinen Profis. "Wir haben das Spiel selbst aus der Hand gegeben, das ist die größte Enttäuschung", sagte er. Ob es nicht auch etwas Positives gab, wurde er gefragt. Van Gaal lachte nur sarkastisch.

cte/dpa



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petergrafstein 10.03.2015
1. Van Gaals
Van Gaals Taktik ist total veraltet und überbewertet. Besser er verlässt ganz schnell das sinkende Schiff bevor er entlassen wird.
Trainspotter 10.03.2015
2. van Gaal
Selbst beim FC Bayern hat er das Team, trotz der Titelgewinne, mit seiner Taktik fast zerstört. Als er endlich weg war, war ich erleichtert.
Chico73 10.03.2015
3. Angel
Wobei man auch sagen muss, dass die Gelb-Rote Karte für di Maria ein schlechter Witz war. Natürlich war es absolut dumm von ihm den Schiedsrichter von Hinten an den Rücken zu fassen. Aber bei dem, was vorausgegangen war, kann ich seine Verärgerung schon verstehen. Für mich ein klares Foul an der Strafraumgrenze bringt ihm für eine angebliche Schwalbe die 1. Gelbe Karte ein. Ein guter Schiri mit einem Hauch von Fingerspitzengefühl hätte für den Rückengrabbler im Anschluss nie und nimmer nochmal gelb geben müssen. Sei es drum - ansonsten verdient gewonnen von Arsenal...
CaptainSubtext 10.03.2015
4.
Zitat von Chico73Wobei man auch sagen muss, dass die Gelb-Rote Karte für di Maria ein schlechter Witz war. Natürlich war es absolut dumm von ihm den Schiedsrichter von Hinten an den Rücken zu fassen. Aber bei dem, was vorausgegangen war, kann ich seine Verärgerung schon verstehen. Für mich ein klares Foul an der Strafraumgrenze bringt ihm für eine angebliche Schwalbe die 1. Gelbe Karte ein. Ein guter Schiri mit einem Hauch von Fingerspitzengefühl hätte für den Rückengrabbler im Anschluss nie und nimmer nochmal gelb geben müssen. Sei es drum - ansonsten verdient gewonnen von Arsenal...
Ob es ein Foul war oder nicht, darüber lässt sich streiten. Es gab einen Kontakt und di Maria fällt. Ein anderer Schiri hätte evtl. anders entschieden. Ich fand die Entscheidung, so wie sie gefallen ist, völlig in Ordnung, da das meines Erachtens ein ganz normaler Zweikampf war. Das anschließende Verhalten ist aber so oder so nicht akzeptabel und der "Rückengrabbler" für sich allein genommen schon eine ROTE Karte. Mit gelb-rot ist er gut bedient.
hors-ansgar 10.03.2015
5. Sehr guter Trainer
LvG hat im Sommer eine desolate Mannschaft übernommen, sie komplett umgekrempelt und steht auf einem CL-Platz. Er hatte Erfolg in Bayern und hat m. E. den Grundstein für die aktuellen Bayern-Erfolge gelegt. Außerdem ist er WM-Dritter mit den NL geworden. Ein Umbruch braucht Zeit und eine Niederlage gegen Arsenal kann passieren. Aber die englische Revolverpresse hat ihn fast selbstredend zur Zielscheibe erklärt.
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