Manchester United Mit der Kloschüssel gegen die Bayern

Voller Selbstbewusstsein sind die Spieler von Manchester United zum CL-Viertelfinal-Rückspiel nach München gereist. Kein Wunder, am Wochenende holten sie sich vorzeitig die englische Meisterschaft.


Ryan Giggs: "Das wäre ein fairer Kommentar"
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Ryan Giggs: "Das wäre ein fairer Kommentar"

London - Als frisch gebackener englischen Meister hat Manchester United vor dem Champions-League-Schlager gegen Bayern München zumindest was die Sprüche angeht ordentlich vorgelegt. "Unsere letzten beiden Spiele waren Vorbereitung für die Bayern. Nun müssen wir zu ihnen gehen und alles auf sie werfen, was wir haben, sogar die Toilettenschüssel", verdeutlichte der englische Nationalspieler Gary Neville am Dienstag in "The Independent", was die Bayern am Mittwoch erwartet.

Erkundigungen bei Ebbe Sand


Die "Daily Mail" machte sich vor dem Spiel in München sogar die Mühe, mit dem Schalke-Goalgetter Ebbe Sand zu sprechen. "Wenn ich hier im Olympiastadion drei Tore erzielen kann, dann können das auch Uniteds Stürmer - sie brauchen meine Ratschläge nicht", meinte Sand. "Wir hätten ohne weiteres sechs Tore erzielen können. Ich war überrascht, wie viel Raum wir hatten und wie oft wir die Bayern-Verteidigung überwinden konnten", machte der Däne dem alten und neuen englischen Champion weiter Mut.

Für Manchesters Coach Alex Ferguson wird am Mittwoch gar "eine der schwersten Auseinandersetzungen, die wir je zu bewältigen hatten", abgeschlossen. "Wir wissen, dass wir eine Glanzvorstellung brauchen. Die Spieler müssen ihr wahres Ich zeigen", meinte Ferguson nach der Ankunft in München. Doch will der gewiefte United-Manager auf keinen Fall den Bayern in die Karten spielen. "Wir dürfen nicht blind nach vorn rennen. Wir sind in der Lage zu treffen, und es ist egal, wann wir treffen", gab der Meistermacher als Parole aus. Schließlich würden die Bayern "Probleme kriegen", sobald United das erste Mal getroffen habe.

Die eigene Meisterschaft auf der Insel, die am Wochenende unter Dach und Fach gebracht wurde, geriet fast zur Selbstverständlichkeit. "Freude scheint unangebracht, wenn man wenige Tage von einem möglicherweise bitteren Saisonende entfernt ist", umschrieb etwa die "Daily Mail" die relativ gedämpfte Stimmung im Old Trafford Stadion am Samstag.

"Nun sollen die Bayern büßen"


Ähnlich klangen auch die anderen Boulevard-Blätter. "Her mit den Bayern", schrieb zum Beispiel der "Daily Express", und der "Daily Star" forderte: "Nun sollen die Bayern büßen." Coach Alex Ferguson sieht sein Team jedenfalls auf dem richtigen Weg. "Ich wollte von meiner Mannschaft gute Leistungen, bevor wir nach München gehen, und die hat sie gegen Charlton und Coventry geboten", meinte er. "Der Titelgewinn wird uns Auftrieb für München geben. Es wird sicher sehr schwer in Deutschland, aber unsere Zuversicht ist groß, und wir können dort das Tor schießen, das wir brauchen", so Ferguson.

Siegen wie der Boss


Verantwortlich für die Leistungssteigerung in den letzten beiden Spielen war sicher auch Kapitän Roy Keane. Köpfe würden rollen, wenn United gegen die Bayern ausscheiden sollte, hatte der irische Nationalspieler letzte Woche angedeutet. Keanes Ansicht schloss sich Ryan Giggs an. "Wenn wir nicht den gleichen unbändigen Siegeswillen zeigen wie unser Boss Ferguson, dann ist es, wie er es höflich ausdrückt, Zeit zu packen und einen anderen Club zu finden", sagte der walisische Internationale, der am Samstag der herausragende Spieler war. Giggs weiß aber auch, wie schmal der Grat zwischen Triumph und Schmach ist: "Wenn wir am Mittwoch ausscheiden, wird man unsere Saison als Fehlschlag bezeichnen. Und das wäre ein fairer Kommentar."

Ähnliche Andeutungen machte auch Ferguson: "Der Mittwoch wird zeigen, ob wir immer noch in der Lage sind, gegen die besten Teams Europas zu gewinnen. Und von unserem Abschneiden werden einige Entscheidungen abhängen", betonte der Schotte, der noch aus einem anderen Grund große Zuversicht schöpft: "Meine Mannschaft spielt immer dann am besten, wenn sie am Abgrund steht."



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