Manipulation im Fußball Angeklagter im Wettskandal diente als eine Art Kronzeuge

Der im Fußball-Wettskandal des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs verdächtigte Nürettin Günay hat bei seinen 37 Vernehmungen "weit über seinen Tatbeitrag hinaus" ausgesagt. Nach Informationen des SPIEGEL soll er sich insgesamt zu 158 manipulationsverdächtigen Spielen geäußert haben.

Wettbüro: Komplette Ablaufbeschreibungen manipulierter Spiele
dapd

Wettbüro: Komplette Ablaufbeschreibungen manipulierter Spiele


Bei ihren Ermittlungen gegen Mitglieder einer Bande mutmaßlicher Fußball-Wettbetrüger diente einer der Hauptbeschuldigten der Bochumer Staatsanwaltschaft als eine Art Kronzeuge. Der 35-jährige Türke Nürettin Günay, der sich vom 6. Oktober an vor dem Bochumer Landgericht wegen des Vorwurfs des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in 16 Fällen verantworten muss, packte bei seinen 37 Vernehmungen zwischen Januar und Juli "weit über seinen Tatbeitrag hinaus" aus. "Ohne Günays Aussagen", hielt die Bochumer Kripo in einem "Auswertungsbericht" Mitte Juli fest, "wären die polizeilichen Ermittlungen in dieser Form nicht möglich gewesen".

Aus den Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft geht hervor, dass sich Günay insgesamt zu 158 manipulationsverdächtigen Spielen äußerte. Dabei habe er die Mittäter sehr umfangreich charakterisiert und identifiziert, komplette Ablaufbeschreibungen manipulierter Spiele geliefert, bei der Auswertung beschlagnahmter Unterlagen mitgeholfen, Geldflüsse aus gekauften Spielen erläutert - und Aussagen zu Straftaten gemacht, die nicht im Zusammenhang mit verschobenen Fußballbegegnungen stehen.

Vor allem zu Bestechungsfällen in der Türkei habe Günay "umfangreiche, sachdienliche Aussagen" gemacht. Dort stehen 67 Partien unter Korruptionsverdacht, mehr als in jedem anderen Land und bis hinauf in die höchste Profiliga, die Süper Lig.

Aufgrund dieser Aussagen Günays, die von den deutschen Behörden an die türkische Justiz weitergeleitet wurden, hatte die Staatsanwaltschaft Sariyer Istanbul bei einer landesweiten Razzia 70 Personen festgenommen. Günays Anwalt Jens Meggers wollte sich gegenüber dem SPIEGEL "vor Prozessbeginn nicht öffentlich zu den Vorwürfen gegen meinen Mandanten äußern".



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