Manipulationsverdacht Uefa-Boss Platini bittet Politik um Hilfe

Uefa-Präsident Michel Platini hat die Europäische Union aufgefordert, gegen den Wettbetrug im Fußball vorzugehen. Der Franzose reagierte damit auf einen Bericht des SPIEGEL. Platini bestätigte, dass zahlreiche Spiele wegen Manipulationsverdachts überprüft werden.


Hamburg - Sieben Monate vor der Europameisterschaft belastet ein möglicher Manipulationsskandal die Europäische Fußball-Union (Uefa). 15 Partien aus unterschiedlichen Wettbewerben werden derzeit wegen des Verdachts auf Wettbetrug untersucht. Das wurde im Vorfeld der EM-Auslosung in Luzern bekannt. Wie lange die Untersuchungen andauern, sei nicht absehbar. "Es ist ein kompliziertes Verfahren und ein sensibles Thema", hieß es aus Uefa-Kreisen. Der SPIEGEL hatte zuvor berichtet, dass die Uefa eine Liste mit insgesamt 26 angeblich manipulierten Partien an die Europol-Zentrale in Den Haag übergeben hat.

Uefa-Boss Platini: "Wir müssen den Fußball mit aller Kraft schützen"
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Uefa-Boss Platini: "Wir müssen den Fußball mit aller Kraft schützen"

Michel Platini bestätigte die Ermittlungen und bittet die Politik um Hilfe. "Die Uefa untersucht 15 Spiele in Kooperation mit Europol. Wir haben dieses Problem mit der EU während der Konferenz über Gewalt im Sport in Brüssel diskutiert und werden 2008 zusammen mit der EU eine Konferenz über das Thema Korruption und Geldwäsche im Sport in Brüssel durchführen", sagte der Uefa-Präsident der "Welt am Sonntag".

Er würde eine Europäische Sportpolizei, deren Gründung er der Politik empfohlen hat und die auch bei der Bekämpfung der Gewalt in Stadion eingesetzt werden soll, finanzielle Unterstützung zusichern. "Ich bin bereit für den Schutz des europäischen Fußballs zu zahlen. Ich liebe den Fußball, und wir müssen ihn mit aller Kraft schützen."

Die Uefa war durch ihren Kooperationspartner für die Überwachung von Fußball-Wetten (Betradar) auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht worden. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, kann die Uefa durch ihre Disziplinarkommission Strafen gegen beteiligte Vereine aussprechen. Nach Informationen des SPIEGEL soll es sich überwiegend um Teams aus Ost- und Südeuropa handeln.

Die europäische Polizeibehörde soll inzwischen eigene Ermittlungen eingeleitet haben. Anfang November reisten demnach fünf Funktionäre in die Europol-Zentrale nach Den Haag und übergaben ein 96 Seiten umfassendes Dossier. Am Beispiel von vier Europacup-Spielen dieses Sommers werde darin detailliert beschrieben, mit welchen Methoden Wettbetrüger die Ergebnisse manipuliert haben sollen.

Ein Paradies für Betrüger

Das Zentrum der Wettmafia sieht die Uefa in Asien. Anders als in Europa, wo Zocker sich häufig ausweisen müssen, die Einsätze vielerorts auf dreistellige Euro-Summen begrenzt sind und Hightech-Betriebe wie Betradar innerhalb weniger Sekunden verdächtige Quotenbewegungen feststellen und Alarm schlagen können, kennt die Wettszene in Fernost praktisch keine Beschränkungen. Ein Paradies für Betrüger.

"Leute, die ein Spiel verschoben haben, können leicht ein bis zwei Millionen Euro pro Spiel setzen und einen Gewinn in etwa gleicher Höhe damit erzielen", heißt es in dem Dossier. "Bei bedeutenderen Turnieren kann die Summe ungleich höher sein."

Die Uefa hofft, dass Europol den Komplex Wettmanipulation im Profisport in die Octa aufnimmt, eine Bedrohungs- und Gefährdungsanalyse zur Organisierten Kriminalität. Sie wird jährlich erstellt und legt langfristig Prioritäten bei der internationalen Verbrechensbekämpfung fest. Bereits Anfang Oktober hatten Uefa-Vertreter beim Wiesbadener Bundeskriminalamt in der Abteilung Organisierte Kriminalität vorgesprochen.

20 Skandale in den vergangenen Jahren

Damals ging es um einen engeren Austausch mit den Ermittlern. Die Europol-Beamten interessieren sich besonders für das Thema Geldwäsche. Es besteht kein Zweifel daran, dass Wettmanipulation der geradezu perfekte Weg ist, Einnahmen aus dem Drogenhandel, der Prostitution oder aus Waffengeschäften mühelos zu vervielfachen und ungehindert in Umlauf zu bringen.

Europas Fußball war in den vergangenen Jahren immer wieder mit Wettbetrug konfrontiert worden. Im Sommer 2004 wurden drei italienische Fußballclubs mit Punktabzug und Geldstrafen belegt. In Deutschland mussten der Schiedsrichter Robert Hoyzer und der kroatische Wettpate Ante Sapina Ende 2005 ins Gefängnis, weil sie gemeinsam Spiele verschoben hatten. Im tschechischen Fußball wurden im Oktober dieses Jahres sieben Schiedsrichter und drei ehemalige Funktionäre verurteilt, weil sie ebenfalls Spiele manipuliert hatten. Insgesamt sind seit der Jahrtausendwende 20 Skandale offen gelegt worden.

fpf/dpa



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