Manipulationsverdacht Wettbetrüger verschoben offenbar auch Tennis- und Basketballspiele

Die Betrugsversuche im internationalen Wettskandal betreffen offenbar auch andere Sportarten. Nach Informationen des SPIEGEL untersuchen die Ermittler Tennis- und Basketballspiele, darunter eine Playoff-Partie der deutschen Bundesliga. Im Fußball steigt die Zahl der betroffenen Ligen.
Wettannahmestelle: Offenbar deutlich mehr Ligen unter Verdacht

Wettannahmestelle: Offenbar deutlich mehr Ligen unter Verdacht

Foto: Thomas Kienzle/ AP

Hamburg - Der Wettskandal, der den europäischen Profifußball seit anderthalb Wochen erschüttert, nimmt immer größere Dimensionen an. Nach Informationen des SPIEGEL hat sich die Zahl der betroffenen Länder inzwischen von neun auf 17 erhöht.

Unterdessen sind offenbar die ersten beschuldigten Profis zu Geständnissen bereit. Ein früherer Zweitliga-Spieler will dieser Tage gegenüber der Bochumer Staatsanwaltschaft aussagen, wie Mitglieder der Wettmafia ihm ein Darlehen in sechsstelliger Höhe gewährten und ihn später zur Manipulation von Spielen gedrängt haben sollen.

Allem Anschein nach hatten der inhaftierte Wettpate Ante Sapina und seine mutmaßlichen Mittäter nicht nur den Fußball im Visier. In den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft finden sich Verdachtsmomente, wonach auch ein Frauen-Doppel im Tennis im vergangenen April im marokkanischen Fes verschoben worden sein soll. Unter Manipulationsverdacht steht dazu ein Playoff-Spiel der Basketball-Bundesliga (BBL) im Juni.

"Schon vor einigen Tagen haben wir bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragt. Denn der gesunde Menschenverstand hat uns gesagt, dass neben dem Fußball auch andere Sportarten betroffen sein könnten", sagte BBL-Boss Jan Pommer dem sid. "Die Akteneinsicht wurde jedoch auch uns noch nicht gewährt. Folglich fehlen uns zum Handeln jegliche Anhaltspunkte. Und wir müssen handeln, es wird dringend. Insgesamt ist die Situation bedrückend", so Pommer weiter.

Lukratives Geschäft mit Manipulationen

Offenbar war das Geschäft mit den manipulierten Sportwetten äußerst lukrativ. So sollen nach Erkenntnissen der Ermittler allein auf fünf Konten Ante Sapinas in Asien in einem Zeitraum von wenigen Wochen bis Januar 2009 Guthaben in Höhe von rund 3,5 Millionen Euro entdeckt worden sein. Die Wettgewinne sollen dabei von einem in Malaysia ansässigen Mann namens Marc gewaschen worden sein.

Dieser Mittelsmann soll nach Erkenntnissen der Fahnder einen Teil von Sapinas Wettgewinnen bei asiatischen Anbietern auf Konten der Bank of China in Hongkong und Malaysia und von dort weiter nach England transferiert haben. Sapinas Anwalt wollte sich zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten im SPIEGEL nicht äußern.

Als möglicher Mittelsmann zum asiatischen Wettmarkt taucht in den Unterlagen der Bochumer Staatsanwaltschaft der Malaysier William Bee Wah Lim auf. Lim gilt als schillernde Figur in der illegalen Wett-Szene. Im Juni 2007 verurteilte ihn das Frankfurter Landgericht wegen Verabredung zum gewerbs- und bandenmäßigen Betrug zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Er hatte seine Versuche gestanden, sechs Spiele in der deutschen Zweiten Liga und in den Regionalligen sowie zwei Partien der ersten österreichischen Liga zu manipulieren.

Inzwischen ist er wieder auf freiem Fuß und untergetaucht, seit Januar 2008 besteht gegen ihn ein Haftbefehl. Führende Köpfe der jetzt inhaftierten mutmaßlichen Wettbetrüger, darunter auch Ante Sapina, sollen bis zuletzt Kontakt zu Lim gehabt haben.

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