Neuer und Buffon Duell der Zu-null-Keeper

Das EM-Viertelfinale wird auch zum Aufeinandertreffen von Manuel Neuer und Gianluigi Buffon. Beide Keeper haben großen Respekt voreinander - und bei diesem Turnier noch keinen Treffer kassiert.

DPA

Aus Bordeaux berichten und


1995 herrschte in Jugoslawien Krieg, Österreich trat der EU bei, der erste Castor erreichte Gorleben, Jürgen Klinsmann wurde Fußballer des Jahres in England, die erste Folge der "Harald-Schmidt-Show" ging auf Sendung, Joshua Kimmich wurde geboren, Wim Thoelke starb, Arantxa Sánchez Vicario stand an der Spitze der Tennis-Weltrangliste und Christo verhüllte den Reichstag. Der neunjährige Manuel Neuer ging Tag für Tag zur Schule.

1995 war das Jahr, in dem Gianluigi Buffon sein erstes Spiel in der italienischen Profiliga Serie A absolvierte.

21 Jahre später spielt Buffon immer noch, seit 1997 steht er im Tor der italienischen Nationalmannschaft, er ist mittlerweile 38 Jahre alt. Und Buffon denkt nicht ans Aufhören, sondern daran, wie seine Azzurri am Samstag im EM-Viertelfinale Deutschland und ihren Torwart Manuel Neuer bezwingen können (21 Uhr, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: ARD).

Buffon war Neuers Vorbild in der Jugend

Wenige Wochen, nachdem Buffon 2006 mit Italien Weltmeister wurde, machte Neuer sein erstes Bundesligaspiel. Neuer sagt: "Er gehörte zu meinen Vorbildern". Heute sagt Buffon: "Neuer ist besser als ich."

Beide werden am Samstag ihr Team als Kapitän auf den Platz führen, Neuer zu seinem 70. Länderspiel, für Buffon ist es der 161. Einsatz, er ist Rekordnationalspieler. Er hat bisher dreimal gespielt, dreimal zu null. Als Italien gegen Irland 0:1 verlor, stand sein Stellvertreter Salvatore Sirigu im Tor.

Auch Neuer hat in vier Partien bei dieser EM bisher kein einziges Gegentor kassiert. Gegen die Ukraine und gegen die Slowakei zeigte er beeindruckende Reflexe, im Achtelfinale bewies er zudem, dass er das Herauslaufen nach wie vor beherrscht, als Jonas Hector ihm einen zu kurz gespielten Rückpass vorlegte.

Beide können sich auf ihre Verteidiger verlassen

Buffon kann auf ein herausragendes Verteidigergespann vor ihm zählen: Seine beiden Juve-Kumpels Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci lassen bislang kaum Chancen zu. "Er kennt seine Jungs natürlich schon ewig", sagt Neuer. Chiellini räumt bei Juventus seit 2005 auf, Bonucci seit 2010. Buffon ist seit 2001 Juve-Torwart.

Bald kann auch Neuer viel Trainingsarbeit mit seinen beiden Vordermännern im DFB-Team verrichten: In der kommenden Saison spielt neben Jérôme Boateng auch Mats Hummels beim FC Bayern. Schon jetzt harmonieren die zwei und ließen bisher - wie Chiellini und Bonucci - nur wenig zu. Das stört Neuer allerdings nicht: "Ich bin zwar gerne im Spiel, aber es ist immer gut, wenn unsere Defensive die Stürmer vom Tor weghalten kann". Das gelang, das Auftaktspiel gegen die Ukraine ausgenommen, bisher ausgesprochen gut. Neuer hatte selbst gegen die starken Polen fast nichts zu tun.

Vor vier Jahren war das anders. Im EM-Halbfinale von Warschau konterten die Italiener die deutsche Elf nach allen Regeln der Kunst aus, Neuer hat jenen Sommer nicht vergessen. Die Bayern waren in der Meisterschaft und im Pokalfinale von Borussia Dortmund distanziert worden, das Champions-League-Finale gegen Chelsea ging verloren, und dann folgte das Aus bei der EM. "Der Urlaub danach war nicht mein schönster", sagt er.

Der eine viermal Welttorhüter, der andere dreimal

Aber Neuer ist ein Kopfmensch und als solcher hat er dieses Turnier analysiert, eingeordnet und verarbeitet. Er sagt, er habe mit Italien keine Rechnung mehr offen, und wenn man das einem Menschen in der Nationalmannschaft abnehmen kann, dann dem DFB-Torwart.

Neuer gegen Buffon - das ist das Duell zweier viel geehrter Torleute, Buffon ist viermal zum Welttorhüter gewählt worden, Neuer dreimal. Die Auszeichnung als solche ist zwar umstritten, in diesen Fällen hat es jedoch die Richtigen getroffen.

Beide sind Weltmeister, beide als Nummer eins in ihrem Land unumstritten. Beide internationale Karrieren begannen mit dem Gewinn der U21-Europameisterschaft. Buffon war damit allerdings 13 Jahre früher dran. Der neun Jahre jüngere Neuer kann sich nur schwer vorstellen, in zehn Jahren noch zwischen den Pfosten zu stehen: "Man muss auf seinen Körper achten, Jahr für Jahr, keine Ahnung, wie lange ich das noch machen kann."

Und dann ist da noch etwas, das die beiden unterscheidet: Den Siegessprung an die Torlatte, den Buffon nach jedem Erfolg bei dieser EM zelebriert hat, den lässt Neuer dann doch besser sein. "So etwas habe ich das letzte Mal in der E-Jugend gemacht."

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
torflut 01.07.2016
1. nett geschrieben...
Allerdings sind Torhüter nun wirklich nur indirekte Kontrahenten. Sollte es ein 11er-Spektakel geben, könnte Neuer als Schütze antreten. Das wäre dann eine Extrazeile wert. Aber wehe Neuer patzt und D scheidet aus... ;-)
Attila2009 01.07.2016
2.
Zitat von torflutAllerdings sind Torhüter nun wirklich nur indirekte Kontrahenten. Sollte es ein 11er-Spektakel geben, könnte Neuer als Schütze antreten. Das wäre dann eine Extrazeile wert. Aber wehe Neuer patzt und D scheidet aus... ;-)
Warum dann "wehe " ? was passiert dann mit Neuer ? Wird er den Löwen zum Fraß vorgeworfen, mit Schimpf und Schande bedacht ? Beide ,er und Buffon dürfen durchaus auch Fehler machen und wenn einer meint er wäre fehlerfrei , der kann sich ja gerne bei der NM bewerben....
AndreHa 01.07.2016
3.
Gianluigi Buffon ist die coolste Sau auf dem Planeten. Neuer kann das auch werden - aber bis dahin hat er noch ein Stück..... ;-)
il_phenomeno 01.07.2016
4. Klasse
der beste gegen den ehemals besten. und das größte daran ist dass beide das erkennen und sich in diesem Zuge mit dem entsprechenden Respekt begegnen. Ich hoffe auch Deutschland. Ich glaube nicht dass einer der beiden das Duell entscheidet. es wird chancenarm werden und irgendwann wird eine Mannschaft unhaltbar treffen (aber ich lasse mich auch gerne eines besseren belehren)
superluger 01.07.2016
5.
Wer der bessere ist, keine Ahnung und Neuer hat ja noch einige Jahre vor sich. Aber die Ausstrahlung die Gianluigi Buffon hat, da wird er wohl niemals rankommen.
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