Maradonas Siegplan Messi, mach mich zum Meister

Diego Maradona hat eine Strategie für die WM: Lionel Messi ist ihr Name. Im Auftaktspiel machte Argentiniens Trainer klar, dass er eine One-Man-Show um seinen Superstar plant. Dummerweise reichte es am Ende nur zu einem 1:0 gegen Nigeria - noch geht die Rechnung nicht auf.
Superstar Messi, Trainer Maradona: One-Man-Show geplant

Superstar Messi, Trainer Maradona: One-Man-Show geplant

Foto: Achim Scheidemann/ dpa

Lionel Messi

So viele Fragen hatte es gebeben. Würde Argentinien mit seinem Wundertäter wirklich ein Titelanwärter sein?

Würde der Superfußballer des FC Barcelona seine Fähigkeiten endlich einmal in der Albiceleste demonstrieren, bei den Weiß-Himmelblauen, der Nationalmannschaft?

Diego Armando Maradona

Und: Würde es , das Nationalheiligtum auf der Trainerbank, schaffen, seinen begnadeten Profis noch so etwas wie ein Konzept beizubringen?

Kann er das überhaupt?

Beim ersten WM-Auftritt von Messi und Maradona, im Spiel gegen Nigeria, das 1:0 endete, gab es dann mehrere Antworten. Messi bot seine beste Partie überhaupt im blau-weiß gestreiften Leibchen - da waren sich die argentinischen Beobachter einig. Der Auftritt lässt hoffen, auch wenn er einige Chancen ungenutzt ließ, besonders jene in der 81. Minute, als er nach Doppelpass mit Angel di Maria an Nigerias famosen Keeper Vincent Enyeama scheiterte. Ein Barcelona-Messi hätte diesen Ball gewiss lässig über den herausstürzenden Schlussmann gelupft, so wie es ihm in ähnlicher Situation im Viertelfinale der Champions League gegen Arsenal London gelungen war, als er gleich viermal traf. Der Argentinien-Messi aber versuchte es mit einem Flachschuss. Die falsche Option.

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Argentiniens Sieg gegen Nigeria: Starstürmer ohne Glück

Foto: EDDIE KEOGH/ REUTERS

Dennoch, Messi bot zwei Halbzeiten auf konstant hohem Niveau. Er war stets präsent, selbst wenn er phasenweise allein im Mittelkreis herumschlurfte. Man kann nicht sagen, dass sich die Nigerianer ähnlich aufopferungsvoll um ihn gekümmert hätten wie kürzlich Inter Mailand im Halbfinale der Champions League. Nein, die Grünen ließen Messi in einem extrem fairen Spiel weitgehend gewähren.

Es habe Spaß gemacht, sagte Messi. Das war in der Nationalmannschaft bisher eher selten der Fall. Messi ist kein Mann großer Worte. "Wichtig ist, dass wir gewonnen haben", sagte er in den Stadion-Katakomben, als sich eine Hundertschaft von Journalisten geradezu auf ihn stürzte und den Sicherheitszaun einstürzen ließ. Messi aber antwortete weiter tapfer auf alle Fragen.

Besser als in der Qualifikation, schlechter als 2006

Gegenüber der WM-Qualifikation, durch die ein planloses Argentinien müde und gräulich gerumpelt war, sah es an diesem Samstag mitunter schon wieder nach Fußball aus. Allerdings fast nur, wenn Messi Angriffe einleitete oder selbst den Abschluss suchte. Argentinien kombiniert kaum noch. Kein Vergleich zu jenem Team von der WM 2006 in Deutschland, das eben mal über 20 Stationen den Ball laufen ließ, die Kontrahenten serienweise narrte und dann so wunderbare Tore kreierte wie jenes von Esteban Cambiasso beim 6:0 gegen Serbien und Montenegro.

Das Argentinien des Jahres 2010 wird schon gelobt, wenn einige Doppelpässe klappen. Das Konzept des Diego Maradona, wenn man überhaupt von Konzept sprechen darf, heißt Lionel Messi.

Für Maradona war es die WM-Rückkehr nach 16 Jahren - und einem unrühmlichen Abgang gegen Nigeria: Bei der WM 1994 hatte Argentinien in der Vorrunde 2:1 gewonnen, danach musste Maradona zur Dopingprobe, wurde positiv getestet und musste die Heimreise antreten.

Zur Feier des Tages hatte Maradona auf die übliche Ballonseide verzichtet und trug einen Anzug. Ein seltener Anblick. Nach der Partie herzte er seinen Helden mächtig und tönte: "Fußball wäre nicht so schön, wenn Messi nicht so oft den Ball bekommen würde."

Enyeama gewinnt Duell gegen Messi

Der Arbeitsnachweis des 22-Jährigen: Elf erwähnenswerte Szenen in Hälfte eins, zehn Szenen in Hälfte zwei. Achtmal schoss er aufs Tor, viermal daneben, vier Versuche, davon drei Schlenzer, meisterte Nigeria-Keeper Enyeama in großem Stil. Verdientermaßen wurde diesyer zum "Man of the Match" bestimmt.

Er oder Messi - das war hier die Frage. "Er war unglaublich", sagte Messi. "Es ist verrückt", sagte Enyeama, der bei Hapoel Tel Aviv unter Vertrag steht. "Ich habe so viel gehalten, doch dieses eine verflixte Gegentor hat uns das Genick gebrochen."

Letztlich trug auch Messi zum Siegtreffer der Argentinier bei. Denn aus seinem ersten Torschuss in der fünften Minute resultierte ein Eckball: Juan Sebastian Veron flankte, Walter Samuel sperrte im Stile eines Handballers gegen Chinedu Obasi. Eigentlich hätte Schiedsrichter Wolfgang Stark Freistoß für Nigeria pfeifen müssen. Samuels regelwidrige Aktion war gut sichtbar. Doch der Pfiff blieb aus - und Gabriel Heinze durfte vom Elfmeterpunkt ungestört einköpfen. In einem WM-Spiel darf niemand so frei stehen.

Agierte Argentinien in der Offensive deutlich verbessert, so dilettierte doch die Defensivabteilung in etlichen Szenen. Ob nun Heinze, Samuel, Martin Demichelis oder Jonas Gutierrez - sie alle verschätzten sich regelmäßig, unterliefen Flanken, spielten einfache Bälle ins Aus, agierten erschreckend langsam, sodass Nigeria in der zweiten Hälfte einige Ausgleichschancen hatte.

Am Tag, als die Albiceleste und Lionel Messi endlich zusammenfanden, wurde deshalb eine neue Frage aufgeworfen.

Ist diese argentinische Defensive titeltauglich?

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