Ter Stegen gegen Dortmund Wer so spielt, kann auch Ansprüche stellen

Beim 0:0 des BVB gegen den FC Barcelona sammelte Barça-Torwart Marc-André ter Stegen im Zwist mit Manuel Neuer Argumente für sich. Aber auch ein anderer Spieler bringt Bundestrainer Joachim Löw in Bedrängnis.

Marius Becker/dpa

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Geschichte des Spiels: Marc-André ter Stegen befindet sich derzeit im verbalen Infight mit Manuel Neuer um die Vorherrschaft im deutschen Nationaltor. Richtig interessant ist dieses Duell ja bloß, weil der 27-Jährige kein putziger Herausforderer des Champions mehr ist, sondern längst in derselben Gewichtsklasse zur Weltspitze gehört. Bei Borussia Dortmunds Auftaktspiel in der Champions League gegen den FC Barcelona war ter Stegen der Spieler der Partie: Erst hielt er in Hälfte eins herausragend gegen Marco Reus (25. Minute), dann parierte er in Hälfte zwei auch noch einen Elfmeter von Reus (57.). Vier von sechs Strafstößen hat er nun in der Königsklasse gehalten. Wer so spielt, kann auch Ansprüche stellen.

Simon Stacpoole/ Offside/ Getty Images

Das Ergebnis: Obwohl Dortmund die weitaus besseren (und zahlreicheren) Chancen hatte, blieb es beim für Barcelona etwas glücklichen 0:0. Das lag an ter Stegen, den sie in Katalonien "Messi mit Handschuhen" nennen. Aber es lag vielleicht auch daran, dass der echte Lionel Messi nach einer zweimonatigen Verletzungspause erst spät eingewechselt wurde. Lesen Sie hier den Spielbericht.

Erste Hälfte: Barcelona hatte den Ball, der BVB hatte Mats Hummels. Der 30 Jahre alte, aus der Nationalelf ausquartierte Innenverteidiger gewann nahezu jeden Zweikampf in Durchgang eins. So hielt er seine Elf im Spiel, als sie nach einer forschen Anfangsphase in die Defensive gedrückt wurde. Der inoffizielle Hummels-Rechner zeigte bis zur Pause sechs wichtige Rettungsaktionen an. Dieser Auftritt wird wieder Fragen aufwerfen, wie Bundestrainer Joachim Löw eigentlich auf solch einen Spieler verzichten kann. Obwohl es sich hier nicht um ein Länderspiel handelte, machte diese Partie für Löw also zwei ohnehin schon vorhandene Baustellen noch einmal größer.

Zweite Hälfte: Dortmund hatte die Chancen, Barcelona hatte ter Stegen. Erst der Fehlversuch von Reus vom Elfmeterpunkt, dann drosch der Dortmunder Kapitän freistehend über das Tor, als sich ter Stegen vor ihm aufbaute (75.). Und als Reus dann wenig später auch noch zweimal am Fünfmeterraum zum Schuss kam und trotzdem nicht an ter Stegen vorbei, da war endgültig jedem klar, wer hier der Boss war. Selbst die Latte half ter Stegen an diesem Abend und ließ einen Schuss von Julian Brandt abprallen. Hummels übrigens fiel auch in Hälfte zwei kein bisschen ab und machte ein herausragendes Spiel.

Mats Hummels (r.) hatte Barcelonas Luis Suárez im Griff
Martin Rose/ Getty Images

Mats Hummels (r.) hatte Barcelonas Luis Suárez im Griff

Erkenntnis der Partie: Was für ter Stegen gilt, gilt ebenso für den BVB: Wer so spielt, kann auch Ansprüche stellen. Aber: Schon in der vergangenen Champions-League-Saison scheiterte der BVB an der fehlenden Effizienz vor dem Tor, als man gegen Tottenham im Achtelfinale durchaus Chancen hatte, aber nicht nutzte. Bekommt die Elf von Trainer Lucien Favre das schnell in den Griff und bleibt Hummels weiter so stabil, dann ist an einem sehr guten Tag auch ein Sieg gegen Barcelona drin.

Der Frühreife: Eine weitere Geschichte des Spiels war die von Ansu Fati (eigentlich Anssumane Fati). Am Dienstag war der Angreifer genau 16 Jahre und 321 Tage alt. Ein Kind eigentlich noch, wenn auch vielleicht ein Wunderkind. In Barcelona beflügelt der Jungspund jedenfalls gerade die Fantasien. Am Samstag gab er beim 5:2 gegen Valencia sein Startelfdebüt für die Katalanen und traf. "Von welchem Planeten kommst du?", fragte die Zeitung "Sport". Gegen Dortmund spielte Ansu Fati eher irdisch, bis er für Messi ausgewechselt wurde. Immerhin stellte er einen Rekord auf.

Die unerzählte Geschichte des Spiels: Während derzeit alles über Torhüter spricht, wurde an diesem Abend eine andere tolle Torhüter-Geschichte leider gar nicht geschrieben: Weil dem BVB die gesunden Keeper ausgingen, saß ein gewisser Jonas Hupe als Ersatzmann von Roman Bürki auf der Bank. Hupe ist 19, zwei Meter groß, aber alles andere als ein Mann, den man unbedingt gegen Barcelona in sein erstes Profispiel schicken muss. Auch beim BVB II in der Regionalliga West ist Hupe nur Ersatz. Bürki blieb am Ende gesund und Hupe somit draußen. Aber wer weiß: Vielleicht wird er ja irgendwann mal ein Herausforderer mit Ansprüchen.

Borussia Dortmund - FC Barcelona 0:0
Dortmund: Bürki - Hakimi, Akanji, Hummels, Guerreiro - Witsel, Delaney, Sancho, Reus, T. Hazard (73. Brandt) - Alcácer (87. Bruun Larsen)
Barcelona: ter Stegen - Semedo, Piqué, Lenglet, Jordi Alba (40. Sergi Roberto) - Busquets (60. Rakitic), de Jong, Arthur, Ansu Fati (59.Messi), Griezmann - Suárez
Schiedsrichter: Hategan (Rumänien)
Gelbe Karten: Delaney, Hazard / Piqué, Semedo
Zuschauer: 66.099 (ausverkauft)



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payblack 18.09.2019
1. Hummels super, ter Stegen Weltklasse - und Reus?
Credo des Artikels: ter Stegen klar die Nummer 1. In einem noch unbedeutenden Vorrundenspiel in Dortmund hat er toll gehalten, das MUSS ja der beste Beweis sein. Hummels - super, klasse Stellungsspiel, alle Zweikämpfe gewonnen - Messi sieht gegen ihn kein Land. Großartig. Kann man ja alles so sehen, kein Problem. ABER: Wo bleiben die Artikel und Anmerkungen, das ein Marco Reus unbedingt aus der N11 aussortiert werden muss oder er zumindest auf der Kippe steht. Das wäre nämlich nach der ter Stegen/Hummels Logik die nächste Frage. Ist Reus nicht ständig verletzt (eher tragisch), taucht er nicht in wichtigen Spielen ab und versagt gar auf großer Bühne wie gestern? Warum hat er auf dem Feld stehend noch nie einen Titel gewonnen? Und er ist schon 30, bei der EM 31, bei der WM 33 Jahre alt - und das auf seiner Position, wo Schnellig- und Spritzigkeit zählt. Sollte er da nicht jüngeren Platz machen? Bitte unbedingt recherchieren und mehrere Artikel dazu veröffentlichen - danke.
OhMyGosh 18.09.2019
2.
"Wer so spielt, kann auch Ansprüche stellen." Dieser Feststellung ist nichts hinzuzufügen. Und gilt für ter Stegen wie auch für Hummels. Allein der BT sieht halt ein ganz großes Manko bei den beiden: Sie spielen in den falschen Vereinen. JL bevorzugt im Zweifelsfall stets den FC Bayern. Da spielt auch ein Thomas Müller noch, wenn er bereits Arthrose hat und zudem nur noch ganz schlecht sieht.
gnarze 18.09.2019
3.
Es steht ja auch eher zu befürchten, dass Neuer nicht nachziehen kann, weil heute nix Adäquates auf seinen Kasten kommt. Ansonsten stimme ich dem Vorschreiber zu, wenn Hummels nun Löw in Bedrängnis bringt(was für mich nach der letzten Rückrunde und den Auftritten seiner Nachfolger in de NM sowieso schon länger der Fall ist), muss auch Reus den Nationaltrainer mit seiner bisherigen Performance in den Länderspielen und in der Liga in Bedrängnis bringen, weil seine Aufstellung noch rechtfertigt.
post_fuer_tutu 18.09.2019
4. Aufwiegeln ala Zeitung mit 4 Buchstaben
Was soll das, frage ich mich. Jeder weis um die Stärke von ter Stegen. Er ist natürlich in der Gewichtsklasse von Manu. Das zu erkennen, dafür bedarf es kein Spiel gegen den BVB. Auch Löw und der DfB sind bestimmt sich so doof, dass sie nun dieses eine Spiel als Argument brauchen. ter Stegen ist überragend, ja und wo ist das neu? Will Spon nun mit aller Macht Krieg und Zwist sähen? frage mich echt was diese reißerische Aufmache soll?
c00 18.09.2019
5. Starke Leistung von ter Stegen ...
... aber bei allem Lob muss man ehrlich sagen, dass der Elfmeter natürlich wiederholt werden muss. Ohne diesen Hinweis wirkt der Artikel ein wenig wie Propaganda im Fernduell mit Neuer.
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