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Fußballstar: Die Karriere von Marco Reus

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Marco Reus und die Nationalmannschaft Eine unglückliche Beziehung

Marco Reus ist nach all seinen Verletzungen zwar wieder fit, aber erstmals seit Jahren steckt der Dortmunder in einem Leistungsloch. Ausgerechnet die Nationalmannschaft könnte ihm helfen - mit der er bislang eher fremdelte.

Mats Hummels musste erst einmal einen Moment stutzen, so als ob er sich vergewissern musste, ob diese Frage überhaupt ernst gemeint sei. Ob er sich denn freue, dass sein Dortmunder Teamkollege Marco Reus bei der Nationalmannschaft wieder dabei sei, wurde der BVB-Kapitän von einem irischen Journalisten vor der EM-Qualifikationspartie der DFB-Elf in Dublin (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV:RTL) gefragt.

Nachdem Hummels sich überzeugt hatte, dass der Reporter tatsächlich eine seriöse Antwort auf die Frage wollte, sagte er: "Jeder in der Mannschaft freut sich darüber. Über die Qualitäten von Marco Reus müssen wir schließlich nicht reden, Marco Reus ist ein sehr wesentlicher Bestandteil dieser Mannschaft."

Vor einer gewissen Zeit hätte tatsächlich jeder diese Aussage sofort unterschrieben. Marco Reus galt noch vor der WM in Brasilien für so wertvoll, dass viele ernsthaft geglaubt hatten, mit seiner Verletzung kurz vor dem Turnier sei auch der mögliche WM-Titel vorzeitig verloren. Am Ende musste Reus zu Hause zugucken, wie seine Mannschaftskollegen den WM-Pokal in den Himmel von Rio gereckt haben.

Erst 25 Länderspiele

Reus und die Nationalmannschaft - das war bislang keine segensreiche Beziehung. Obwohl er schon im Mai 2010 erstmals in den Kader der DFB-Elf berufen worden ist, hat er es bisher erst auf 25 Länderspiele und neun Tore gebracht, eine lächerliche Zahl angesichts der Begabung des Dortmunders. Zum Vergleich: Auch seine Offensivkollegen Thomas Müller, André Schürrle und Mario Götze stießen 2010 erstmals zur Nationalmannschaft. Schürrle und Götze haben mittlerweile 47 Länderspieleinsätze mit 20 beziehungsweise 16 Treffern, Müller, der Unverzichtbare und nie Verletzte, gar 65 Einsätze und 30 Tore.

Da könnte Reus auch stehen, wenn er nicht immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen worden wäre. In dieser Saison hat er immerhin erst einen angebrochenen Zeh aus der Partie gegen Hertha BSC vom dritten Spieltag zu beklagen, für Reus' Verhältnisse ist er also quasi ungewöhnlich fit - und dennoch: Erstmals seit Jahren läuft Reus seiner Leistung hinterher, ohne dass er dies mit aktuellen Blessuren begründen könnte. Als der BVB in der ersten Saisonphase so richtig aufs Tempo drückte, war er nur Nebendarsteller. Sehr deutlich im Schatten des Torjägers Pierre-Emerick Aubameyang stehend.

Reus hatte viel wegzustecken

Sein Vereinstrainer Thomas Tuchel hat Reus zuletzt mehrfach früh ausgewechselt, ohne dass der Spieler groß Anlass gehabt hätte, sich darüber zu beschweren. Und im Spitzenspiel gegen den FC Bayern am vergangenen Sonntag saß er sogar zunächst nur auf der Bank, kam erst in die Partie, als sie im Grunde schon verloren war. Die "Bild"-Zeitung attestierte ihm daraufhin, Reus sei in "wichtigen Spielen regelmäßig abgetaucht", auch sein Auftritt in München nach seiner Einwechslung sei "ein Rohrkrepierer" gewesen.

Vorwürfe, die gerade für Reus komplett neu sind und in früheren Jahren auch ebenso absurd gewesen wären. Reus hat in Mönchengladbach und danach in Dortmund so oft Spiele durch seine überragenden Einzelaktionen entschieden. Wenn es einen Spieler gab, dem man im Verein das abgenudelte Etikett, er "mache den Unterschied", anhängen konnte, dann war er es.

Die Nationalmannschaft dagegen war nie die große Liebe, die Nationalelf verbindet man eher mit Müller, mit Götze, mit Mesut Özil. Reus' große Spielwiese war der Verein. Jetzt ist er erstmals in einer Phase angekommen, wo ihm die Nationalmannschaft weiterhelfen könnte, auch in der Liga zu alter Form zu kommen. Starke Auftritte gegen die Iren und die Georgier am Sonntag als Starthilfe für die Liga. Die Nationalmannschaft als Wellnessort, wenn es im Verein nicht so läuft. Das ist sonst Lukas Podolskis Rolle.

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Marco Reus musste vieles wegstecken, gerade in den vergangenen zwei Jahren. Die immer wieder neuen Anläufe nach Verletzungen, der WM-Verzicht, die peinliche Führerschein-Affäre in der Vorsaison - der 26-Jährige hat in der Öffentlichkeit selten den Eindruck gemacht, übermäßig viel über seine Rückschläge nachzugrübeln. Sondern stattdessen einfach weiterzumachen und wieder möglichst gut zu spielen, wenn er denn wieder gesundheitlich dazu in der Lage war. Aber dass er nach alldem auch mal in ein Leistungsloch gerät, ist eigentlich wenig überraschend. Eher, dass es so lange gedauert hat.