Abgang von Gladbach-Trainer Rose Der unbequeme Weg

Die Wut über den nach Dortmund wechselnden Coach Marco Rose ist bei vielen Gladbacher Fans groß. Der Verein stellt sich aber eindeutig hinter den Trainer – ein riskanter Kurs.
Max Eberl und das Projekt Champions League stehen derzeit im Regen

Max Eberl und das Projekt Champions League stehen derzeit im Regen

Foto: Marius Becker / dpa

An diesem Tag fällt es leicht, in einem Text über Borussia Mönchengladbach mit Aschermittwochs-Bildern zu arbeiten. Seit der Verein am Montag den vorzeitigen Abgang von Trainer Marco Rose und seinen Wechsel zum ungeliebten Rivalen Borussia Dortmund bekannt gegeben hat, herrscht Katerstimmung, es spült eine Welle von Frust, Enttäuschung, Wut bis hin zu Hass über den künftigen Ex-Trainer durchs Internet. Vorm Stadion hing am Morgen ein Transparent, das Rose der Söldnermentalität bezichtigt.

In der Pressekonferenz, die Rose und Manager Max Eberl am Mittwochmorgen gaben, war die Anspannung fast mit Händen zu greifen. Die Pressekonferenz wurde wie üblich auch bei YouTube übertragen. Während Rose und Eberl redeten, ratterten in kürzester Geschwindigkeit Hunderte »Rose raus«-Kommentare der YouTube-User in Echtzeit durchs Internetforum. Die heile Welt Mönchengladbach, die vor allem Eberl so gerne beschwört, ist seit Montag keine mehr.

Der Manager ist seit 21 Jahren im Klub, erst als Spieler, dann als Funktionär. Er hat den jähen Abgang von Lucien Favre moderieren müssen, den Abschied des damaligen Fan-Darlings Marco Reus, er hat dem Trainer Dieter Hecking vor zwei Jahren beibringen müssen, dass man ihn durch Rose zu ersetzen plant. Will sagen: Eberl hat bei der Borussia schon diverse unangenehme Situationen erlebt und gemanagt. Er weiß sehr genau um das Risiko, das die Entscheidung vom Montag für die restliche Gladbacher-Saison birgt.

Ehrenerklärung für den Trainer

Soll man mit Rose weitermachen, auf die Gefahr hin, dass die Missstimmung gegen den Trainer sich auch auf die Mannschaft und den Klub überträgt? Oder soll man dem Ganzen ein schnelles Ende bereiten, Rose vorzeitig freistellen, die Saison mit Assistent Heiko Vogel zu Ende bringen, einen Gutteil der Anhänger damit beruhigen, aber auf die anerkannte Expertise Roses in den wichtigen kommenden Wochen verzichten? Dies wäre angesichts der Stimmung wahrscheinlich der leichtere Reflex.

Eberl hat sich für den anderen Weg entschieden, darüber besteht nach dieser Pressekonferenz kein Zweifel. Sein Auftritt vor der Presse war eine einzige Ehrenerklärung für Marco Rose, Eberl stellte sich damit auch ganz klar gegen die Fanstimmung. »Zwischen Max Eberl und Marco Rose passt kein Blatt Papier«, machte er klar, lobte Rose als »überragenden Trainer«, der »bis zum letzten Tag alles geben wird«. Rose vorzeitig den Laufpass zu geben, darüber habe er »keine Sekunde nachgedacht«, sagte Eberl und bezeichnete auch Medienmeldungen, Spieler hätten sich hintergangen gefühlt, als »Lügen, von irgendwelchen Dumpfbacken in die Welt gesetzt«.

Rose selbst, vor allem zu Beginn der Pressekonferenz sichtlich nervös, mit verschränkten Armen, versicherte ebenfalls, die Spieler hätten seine Entscheidung ohne Aufregung zur Kenntnis genommen: »Danach gab es ein hervorragendes Training, es war eigentlich ein ganz normaler Montag.«

Ganz normal war dieser Montag für die Borussia mit Sicherheit nicht. Eberl hat vor zwei Jahren hoch gepokert, als er Hecking für Rose opferte – mit der Perspektive, den Trainer und sein Team auch langfristig an Mönchengladbach zu binden. Eberl hat mehrfach davon gesprochen, eine Ära im Klub zu begründen, das kann er nun vergessen. Auch wenn er es selbst pragmatisch nach außen verkauft: »Es werden uns Protagonisten verlassen, und wir werden mit neuen Protagonisten weitermachen.« Wobei die neuen Protagonisten Florian Kohfeldt, derzeit Werder Bremen, Gerardo Seoane, derzeit Young Boys Bern, oder Jesse Marsch, derzeit RB Salzburg, heißen könnten. Alles Trainer, die zurzeit noch anderswo unter Vertrag stehen und die man ohnehin erst ab Juli bekommen könnte.

Rose schließt Mitnahme von Spielern aus

Die Sorge, dass zu diesen Protagonisten, die die Borussia verlassen, auch sportliche Leistungsträger gehören, die mit Rose gemeinsam nach Dortmund gehen, ging in den vergangenen Tagen in den Fanforen ebenfalls herum: Florian Neuhaus und Marcus Thuram wurden dort als Namen genannt, das zumindest hat Rose ausgeschlossen: »Wenn ich sage, Marco Rose nimmt keine Spieler mit nach Dortmund, dann ist das so und aus.« Auch daran wird er sich messen lassen müssen.

Es ist eine heikle Situation. Gladbach und Dortmund stehen in der Tabelle derzeit punktgleich auf den Rängen sechs und sieben, für beide ist das zu wenig, beide kämpfen um die begehrten Champions-League-Plätze. Und als sei dies nicht genug, hat das Los beide Vereine für Anfang März auch noch im DFB-Pokal-Viertelfinale zueinander geführt. Man kann sich vorstellen, welche Emotionen dieses »brisante Pokalspiel« (Eberl) nun mit sich bringt. Das Verhältnis zwischen den beiden Borussias ist seit dem Wechsel von Reus nach Dortmund vor fast zehn Jahren ohnehin belastet, von einer Fanfreundschaft kann man beileibe nicht sprechen.

Rose werde »alles tun, um am Ende der Saison in der Tabelle vor Dortmund zu stehen«, stritt Eberl jede Art von Interessenkonflikt ab, aber es ist klar, dass vor allem das Pokalspiel von den Gladbacher Anhängern mit extremem Argwohn erwartet wird. Was auch Rose weiß: »Jedes Gegentor wird in Zukunft besonders gewichtet werden.«

Es ist ganz offensichtlich der unbequemere Weg, zu dem sich Eberl und die Vereinsführung da durchgerungen haben, wenn auch erleichtert von dem Umstand, dass derzeit Corona-bedingt keine Zuschauer im Stadion sind, die Rose das Leben schwer machen würden. Eberl sagt: »Wir bringen das Schiff in den Hafen, und dann haben wir allen Anlass, dem Trainer nach zwei Jahren Danke zu sagen.« Im Moment ist das Schiff allerdings noch in schwerer See.

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