Österreichs Angreifer Arnautovic Neustart dank Emilia

Marko Arnautovic gilt als Skandal-Kicker und Fehleinkauf. Bei Werder Bremen und in der österreichischen Nationalmannschaft eckte er immer wieder an, flog aus dem Kader. Doch in dieser Saison zeigt der Stürmer starke Leistungen. Auch sein Privatleben hat sich verändert - ein Töchterchen ist da.

Getty Images

Von


Klaus Allofs ist gelernter Versicherungskaufmann, Geschäftsführer bei Werder Bremen, zuvor war er Fußball-Profi und Nationalspieler. Vor zwei Monaten übte sich der 55-Jährige in einer weiteren Disziplin - als Prophet.

"Marko hat geheiratet, wird Vater. Meistens hilft das", hatte Allofs Anfang Juli über den Bremer Offensivspieler Marko Arnautovic gesagt. Der Österreicher, zur Saison 2010/2011 vom Bundesligisten als verheißungsvolles Talent gekauft, war bis dahin sportlich eine Enttäuschung, vor allem aber abseits des Platzes ein Problem.

Zuverlässig lieferte der 23-Jährige mal mehr, mal weniger freiwillig Stoff für Negativschlagzeilen. Bei Werder flog er mehrmals aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader, ebenso bei der österreichischen Nationalmannschaft. Es schien, als wolle Arnautovic seinem guten Freund aus Mailänder Zeiten, Mario Balotelli, nacheifern. Der Italiener, laut Arnautovic "privat ein Engel", sorgt für Manchester City regelmäßig für Skandale - aber auch für Tore.

Fotostrecke

10  Bilder
Marko Arnautovic: Problem-Kicker und Hoffnungsträger
Da hat der Bremer Angreifer hingegen noch Nachholbedarf. Erst neun Treffer gelangen ihm für Werder, zu wenig für sein Talent und rund sieben Millionen Euro Ablöse. In Bremen sei "ein Teufel im Ball", begründete Arnautovic mal seine magere Ausbeute in der österreichischen Zeitung "Krone".

Arnautovic spielt plötzlich mannschaftsdienlich

Doch seit dem 16. Juli scheint die Zeit solcher Ausreden vorbei, Tochter Emilia kam zur Welt. Insgesamt hat Arnautovic sein Leben neu geordnet: Dachgeschosswohnung statt Villa, Ehefrau Sarah (blond) statt Freundinnen ("Sie muss tätowiert sein, schwarze Haare und Silikonbrüste haben"). "Langsam wird mir bewusst, dass ich auf dem Platz zeigen muss, was ich kann - und nicht draußen", hatte Arnautovic bereits eine Woche vor der Geburt gesagt. Bisher hält er sich daran.

In der jungen Saison gehört Arnautovic zu den auffälligsten Bremern - im positiven Sinne. Als Werder-Torhüter Sebastian Mielitz vor kurzem in einem Interview auf der Vereinshomepage auf den neuen Teamgeist angesprochen wurde, scherzte er: "Marko steigt jetzt auch zum Kopfball hoch."

Tatsächlich konnte man in den Bundesliga-Spielen gegen Borussia Dortmund und den Hamburger SV einen anderen Arnautovic sehen, als in den meisten seiner bisherigen Werder-Auftritte. Kaum noch Abwinken oder halbstarkes Herumgetrabe. Stattdessen arbeitet Arnautovic viel in der Defensive mit, scheut - anders als früher - auch lange Sprints nicht.

Gegen Dortmund (1:2) traf er den Pfosten und bereitete den zwischenzeitlichen Ausgleich vor. Auch beim Nord-Derby (2:0) setzte er seine Mitspieler gut ein und erarbeitete sich selbst zahlreiche Chancen, scheiterte aber jeweils am starken HSV-Keeper René Adler. Das neue Werder-System scheint dem Rechtsaußen Arnautovic zu liegen.

"Wir spielen das gleiche System wie in Bremen - das liegt mir"

Gute Voraussetzungen auch für seine Perspektiven in der Nationalmannschaft. "Wir spielen dort das gleiche System wie in Bremen. Ich kann meine Eins-gegen-eins-Situationen ausspielen", sagt er vor dem Duell gegen Deutschland am Abend in Wien (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Wir wollen zur WM nach Brasilien."

Mit Österreichs Trainer Marcel Koller kommt er deutlich besser klar als mit dessen Vorgänger Didi Constantini. Koller akzeptiere ihn so wie er sei, sagt Arnautovic, vergangene Eskapaden spielten keine Rolle mehr.

Dass nun gar keine neuen hinzukommen, ist allerdings auch nicht anzunehmen: Arnautovic bleibt ein eigenwilliger Typ, sein ohnehin schon großes Selbstbewusstsein wird unter den guten Bewertungen der vergangenen Wochen nicht gelitten haben. Das merkt man auch an seinem Vorhaben für das WM-Qualifikationsspiel in Wien: "Ich mache ein Tor, und unser Keeper hält alles."

Man kann für das deutsche Team nur hoffen, dass Arnautovic in Sachen Vorhersagen noch nicht ganz so treffsicher ist wie Klaus Allofs.

Österreich - Deutschland 20.30 Uhr (in Wien)
(voraussichtliche Aufstellungen)
Österreich: Almer - Garics, Pogatetz, Prödl, Fuchs - Baumgartlinger, Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz - Harnik
Deutschland: Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Badstuber - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus - Klose
Schiedsrichter: Kuipers (Niederlande)

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.