Bader-Abgang in Nürnberg Schwächen im Kerngeschäft

Martin Baders Rücktritt als Nürnberger Sportvorstand war überfällig. Zum Verhängnis wurde ihm nicht das gute Verhältnis zu den Ultras, sondern seine Versäumnisse im sportlichen Bereich. Genau dort hat der Club noch immer viel zu tun.
Nürnbergs Sportvorstand Bader (Archiv): "Wir haben das über uns ergehen lassen"

Nürnbergs Sportvorstand Bader (Archiv): "Wir haben das über uns ergehen lassen"

Foto: David Ebener/ dpa

Elf Jahre lang war Sportvorstand Martin Bader sehr nah an der Profimannschaft des 1. FC Nürnberg. Dem Treffen zwischen Nürnberger Ultras und der Mannschaft an der Autobahn 5 am späten Montagabend hätte er also niemals zustimmen dürfen. Bader tat es dennoch.

Auf Geheiß Baders mussten Vertreter des Teams nach dem peinlichen 3:6 in Freiburg noch eine halbe Stunde auf einem Rastplatz mit aufgebrachten Fans diskutieren. Wie zielführend er diese Aktion fand, wegen der er das Dienstagstraining verschieben musste, hat Trainer René Weiler am Donnerstag angedeutet: "Wir haben das über uns ergehen lassen." Martin Bader muss beim 1.FC Nürnberg bald nichts mehr über sich ergehen lassen, am Donnerstag kündigte der Zweitligist die Trennung vom 47-Jährigen an. Ende September ist für ihn Schluss.

Die Szene vom Montagabend sagt viel aus über einen Mann, dessen strategische Allianz mit den Ultras ihm lange nützte. Es gibt Nürnberger Ultras, die vehement bestreiten, dass es vor der vergangenen Aufsichtsratswahl Absprachen gab, welche Kandidaten im Sinne Baders zu wählen seien.

Fankultur hat zuletzt mehr für den Verein getan als die Profis

Und es stimmt tatsächlich, dass auch die Gruppierung "Ultras Nürnberg" längst nicht so geschlossen auf Bader-Kurs ist, wie das meist dargestellt wird. Dass bei der letzten Mitgliederversammlung aus dem Bereich, in dem die Ultras saßen, massiv Stimmung gemacht wurde, wenn Kritik am Sportvorstand geäußert wurde, ist allerdings nicht zu bestreiten.

Dass mitten in der Nacht Fans eine Fußballmannschaft zur Rede stellen, hat bundesweit für Empörung gesorgt. Ausgeblendet wird dabei gern, dass das Zusammentreffen offenbar völlig friedlich ablief. Tatsächlich kann man allerdings das Geltungsbewusstsein der Ultras kritisieren, das anmaßende Denken, dass es der Mannschaft nützen könnte, wenn sie mitten in der Nacht noch einmal auf ihre Arbeit eingeschworen wird. Diese Selbstüberschätzung ist die Schattenseite einer Fankultur, deren positive Seiten selten gewürdigt werden und die - gerade in Nürnberg - in den vergangenen Jahren mehr Positives für den Verein geleistet hat als die Profis.

Bader wusste in den vergangenen Jahren immer sehr genau, welche Fangruppen und welche Funktionäre er hofieren musste. Es gab in den vergangenen Monaten Aufsichtsratssitzungen, die abgesagt werden mussten, weil das Gremium nicht beschlussfähig gewesen wäre. Und wie zufällig waren es allesamt Bader-nahe Aufsichtsräte, die wegen Krankheit oder dringender anderweitiger Termine fehlten.

So zeitgemäß wie ein Faxgerät

Wenn Bader nun geht, dann also nicht primär, weil er zu eng mit der Ultraszene verbandelt gewesen wäre, sondern weil das Maß schlicht voll war. Dass die vergangene Saison, in der Bader den sofortigen Wiederaufstieg als Ziel ausgegeben hatte, auch deshalb so katastrophal lief, weil der Kader falsch zusammengestellt war, ist unbestritten.

Doch anstatt daraus zu lernen, ging der Klub diesen Sommer erneut in einen Wettbewerb, ohne auf zentralen Positionen konkurrenzfähig zu sein. Seit Monaten wird nach einem rechten Außenverteidiger und einem treffsicheren Stürmer gesucht, doch zu Saisonbeginn läuft vorne ein Mittelfeldspieler und hinten rechts ebenfalls. Die Zahl der Klub-Freunde, die daran zweifeln, dass der Mann sein Kerngeschäft ordentlich versieht, war in der völlig verkorksten Sommervorbereitung noch einmal deutlich gestiegen - auch in den Vereinsgremien.

Trainer Weiler kann einem da nur leidtun. Nach der Blamage in Freiburg umschiffte aber tapfer die Frage nach der Verantwortung für diesen Kader. Wer seinen gequälten Gesichtsausdruck sah, ahnt, dass es nicht ganz falsch sein kann, was in Nürnberg schon lange erzählt wird: Dem Trainer wurden auch in dieser Saison einige Spieler vor die Nase gesetzt, nur bei einer Minderheit der Zugänge hatte er das letzte Wort. Einen Verein so zu führen, ist in etwa so zeitgemäß wie ein Faxgerät.

Der Bader-Rücktritt bietet für den FCN eine Chance auf einen echten Neuanfang. Zu wünschen wäre dem Klub, dass er genau damit jetzt anfängt. Und zwar konsequent und auf allen Ebenen. Ausgerechnet bei einem Verein, dessen einzige Chance eine hervorragende Ausbildung und eine kompetente Einkaufspolitik sind, liegt genau in diesem Bereich weit mehr im Argen als mit einem einzigen Rücktritt zu bereinigen wäre.

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