Neonazi-Kontakte und Verbindungen zur »Identitären Bewegung« Frankfurt-Profi Hinteregger distanziert sich von Event-Geschäftspartner

Aufregung um ein geplantes Event von Martin Hinteregger: Sein Geschäftspartner soll Kontakte zur »Identitären Bewegung« gehabt haben. Der Verteidiger will sich nun von dem ehemaligen FPÖ-Gemeinderat trennen.
Martin Hinteregger

Martin Hinteregger

Foto:

KAI PFAFFENBACH/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Eintracht Frankfurts Abwehrspieler Martin Hinteregger hatte sich eigentlich auf ein Fußballfest gefreut, doch das steht nun in der Kritik. Vom 16. bis zum 19. Juni 2022 sollte der sogenannte Hinti Cup und Festi:Ball  im Dorf Sirnitz in der österreichischen Region Kärnten stattfinden. Ein Fußball- und Festivalevent, bei dem »das sonst so beschauliche und ruhige Dörfchen in Kärnten aus den Angeln gehoben« wird und bei dem »gerockt«, »gekickt« und »hart gefeiert« werden soll.

Die Programmpunkte: Fußballgolf-Platz, Naturschwimmbad, ein Themenwanderweg »Martin Hinteregger – Mein Heimatdorf«, eine bunte Fußball-Ausstellung im Schloss Albeck. Unter anderem der österreichische Musiker DJ Ötzi sowie der Frankfurter Rapper Vega sollten für den musikalischen Rahmen sorgen, wie auf der Seite zu lesen ist.

Doch nach einer Veröffentlichung der Seite Standpunkt.press  gab es Aufregung: Dort wurde berichtet, dass der Geschäftspartner Hintereggers für dieses Event der ehemalige Gemeinderat der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) Heinrich Sickl sei, der bis 2021 ein Mandat innehatte.

Kontakte zur »Identitären Bewegung«

Als Jugendlicher hatte Sickl Neonazi-Kontakte , das hatte er der »Kleinen Zeitung« bestätigt, allerdings gesagt: »Aber wir reden da von einem 17-jährigen Burschen.« Auch zur »Identitären Bewegung« soll er Kontakte gehabt haben. So soll er der Bewegung Räumlichkeiten vermietet haben und als Ordner auf einer ihrer Demos tätig gewesen sein, wie der STANDARD berichtet . Sickl leugnet die Verbindungen.

Das österreichische Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung schreibt über die »Identitäre Bewegung «: »Für den Bereich des sogenannten modernisierten Rechtsextremismus kann die ›Identitäre Bewegung‹ exemplarisch genannt werden.« Auch ein Verbot in Österreich stand im Raum .

Hinteregger spielt seit 2019 für Eintracht Frankfurt

Hinteregger spielt seit 2019 für Eintracht Frankfurt

Foto:

David Ramos / Getty Images

Dem Magazin »11Freunde« sagte Sickl nun : »Fußball ist Fußball, Politik ist Politik. Ich bin Grundbesitzer, ich stelle mein Grundstück zur Verfügung«, sagt der ehemalige Politiker. Er sei nicht mehr politisch aktiv, es sei keine politische Veranstaltung. »Das ist ein tolles Event, zu dem jeder kommen mag. Warum wird alles politisch instrumentalisiert? Meine Aktivitäten liegen doch schon lange zurück.«

Hinteregger will Geschäftsbeziehung abbrechen

Die politischen Hintergründe seines Geschäftspartners seien Hinteregger nicht bekannt gewesen, schrieb der Fußballer: »Ich habe keine Kenntnisse über vergangene oder zukünftige Aktivitäten seitens der Familie Sickl, ich möchte lediglich ein Fußballturnier stattfinden lassen, und mehr nicht«, schrieb er auf Instagram.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wie es nun mit dem Event weitergeht, ist unklar. Hinteregger gab an, er werde »jegliche Geschäftsbeziehung zur Familie Sickl aufgrund des aktuellen Wissensstandes mit sofortiger Wirkung« abbrechen und auch die »Veranstaltung Hinti-Cup wird alternativ geprüft«.

Sickl teilte am Donnerstag laut der Deutschen Presseagentur zudem mit, er ziehe sich aus der Organisation des Hinti-Cups zurück. Die medialen Anschuldigungen seien ein demokratiepolitischer Skandal und machten ihn betroffen. Sickl sprach von Hetze gegen seine Person, die er als Mensch wie auch als politisch aktiver Bürger auf das Schärfste zurückweise.

Frankfurt hatte in der Vergangenheit stets den Kampf gegen Rechtspopulisten und -extreme beschworen. Der Verein unterstützt die Kampagne »Kein Platz für Rassismus «, die »aufgrund immer wieder auftretender fremdenfeindlicher Zwischenfälle auf deutschen Fußballplätzen ins Leben gerufen wurde«.

»Setze mich weiter gegen Diskriminierung ein«

Präsident Peter Fischer betonte einst, dass Mitglieder der Partei Alternative für Deutschland keinen Platz bei der Eintracht hätten. Bei einer Rede 2020  sagte er: »90.000 Mitglieder in meinem Verein sind gegen diese scheiß Rassisten, gegen diese scheiß AfD, sie zeigen klare Kante: Wir wollen keine Nazis. Wir brauchen euch braunen Sumpf nicht«.

Hinteregger schrieb nun auf Instagram: »Ich habe durch meine Zeit im Profifußball und auch privat Freunde auf der ganzen Welt, und weise Anschuldigungen, dass ich rechts orientiert bin, klar ab und setze mich weiter gegen jegliche Art der Diskriminierung ein.«

bka
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.