Hummels-Transfer zum BVB Das gefährliche Spiel des FC Bayern

Erneut vergrault der Klub einen wichtigen Spieler. Der Abschied des Innenverteidigers wirft die Frage auf, welchen Plan die Vereinsbosse gerade bei der Kaderplanung verfolgen.

Mats Hummels spielte drei Saisons beim Rekordmeister Bayern München
Christof Stache / AFP

Mats Hummels spielte drei Saisons beim Rekordmeister Bayern München

Von Florian Kinast, München


Auf dem YouTube-Kanal des FC Bayern gab es in den vergangenen Jahren eine bei den Fans beliebte Serie. Unter dem Hashtag #thomats duellierten sich Thomas Müller und Mats Hummels bei Blödel-Zweikämpfen. Zielschießen auf eine überdimensionale Dartscheibe etwa. Oder Fußballgolf, mit den wenigsten Schüssen vom hintersten Trainingsplatz ins Klubheim, alles garniert mit albernen Kommentaren. Die nunmehr letzte Folge gab es vor einer Woche, eine Tennis-Challenge mit Gaststar Alexander Zverev.

Auf weitere Ausgaben müssen die Fans nun verzichten.

Mit dem Abschied des Innenverteidigers verlieren die Bayern mehr als nur einen Hobby-Humoristen - sondern eine wichtige Säule, eine Identifikations- und Integrationsfigur. Außerdem verlieren sie einen sehr guten Abwehrspieler. Umso mehr erstaunt es, dass die Bayern Hummels nach drei Jahren in München nun zurück nach Dortmund haben ziehen lassen.

Aufschwung in der Rückrunde

Mag Hummels mit seinen 30 Jahren etwas gealtert sein, und wurden gerade in der Hinrunde der vergangenen Saison Defizite im Tempo deutlich: In der Rückrunde steigerte er sich enorm. Beim Achtelfinal-Hinspiel in Liverpool war Hummels neben Javi Martínez der beste Münchner und brillierte auch in weiteren Spitzenspielen wie etwa beim 5:0 gegen Ex- und Neu-Klub Dortmund oder am vorletzten Spieltag in Leipzig. Nein, Hummels war nicht mehr in jedem Spiel großartig. Aber zu oft und gerade in zu wichtigen Begegnungen, als dass man jetzt auf ihn verzichten könnte.

Denn trotz der Ablösesumme von 38 Millionen Euro birgt der Transfer ein großes Risiko. Es ist völlig unklar, wie und ob die Abwehr um ein wohl bereits feststehendes zentrales Duo künftig funktionieren wird. Ob der verletzte 80-Millionen-Neuzugang Lucas Hernández zu Saisonbeginn fit wird und in Form kommt. Ob Niklas Süle, für den Hummels als Nebenmann ein wichtiger Halt war, mit Hernández harmoniert. Auch, wie sich der andere Neuling, der zuletzt beim Absteiger VfB Stuttgart sehr durchwachsen spielende und auch als Rechtsverteidiger einsetzbare Benjamin Pavard präsentieren wird. Und vor allem: Ob diese drei Innenverteidiger wirklich reichen.

Denn dass als vierter Mann Jérôme Boateng in München bleiben wird, ist kaum vorstellbar. So lustlos, wie er sich zuletzt rund um die Meisterfeierlichkeiten präsentierte, und so deutlich, wie ihn Bayern-Präsident Uli Hoeneß öffentlich anzählte und ihm einen Wechsel nahelegte.

Auffällig und bemerkenswert ist genau in diesem Zusammenhang, wie die Verantwortlichen gerade einen Spieler nach dem anderen vergraulen: James Rodríguez, der übrigens bei der Copa América gerade mit Kolumbien beim 2:0 gegen Argentinien brillierte, der unter Niko Kovac aber nie Vertrauen spürte und meist auf der Bank saß. Und Hummels, der gerne als interner wie auch externer Kritiker der Taktik und der Spielidee von Kovac auftrat. Und dem die Klub-Bosse nun, wie zu hören war, nach dem Pokalfinale in Berlin unverblümt mitgeteilt haben sollen, dass er in München keine Chance mehr habe gegen die in der Innenverteidigung gesetzten Süle und Hernández.

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Mats Hummels: Der doppelte Rückkehrer

"Wenn Sie wüssten"

So konsequent und zielsicher der Verein gerade wichtige Spieler auf verblüffende Weise abserviert, so wenig scheinen die Bayern derzeit selbst zu wissen, was sie wollen und wen sie noch wollen. Und vor allem, wen sie noch kriegen. Zwar tönte Hoeneß schon im Februar im "Doppelpass" bei Sport1: "Wenn Sie wüssten, was wir schon alles sicher haben für die kommende Saison." Genau das würde man jetzt allmählich gerne wissen. Worauf warten die Bayern denn noch mit der Verkündung der vermeintlich sicheren Neuzugänge? Oder hat das Hoeneß einfach nur so gesagt? Haben die Bayern überhaupt einen Plan, wen sie noch wollen?

Dazu wurde auch Hasan Salihamidzic befragt, vergangene Woche am Rande eines Golfturniers in Sardinien. Der Sportdirektor stand entspannt vor einer Kamera und sagte: "Wir wollen einiges tun auf dem Transfermarkt. Aber wir haben einige Monate Zeit, daran zu arbeiten. Wir müssen geduldig sein und abwarten. Wir werden sehen, was möglich ist." Geduldig sein? Abwarten? Sollte er das wirklich im Ernst gemeint haben, dann laufen die Bayern große Gefahr, aus Pomadigkeit wichtige Transferdeals zu verpassen.

Für Hummels ist der Weg zurück zum BVB genau der richtige Schritt. Selbst bei einem erwartbar wenig herzlichen Empfang der Fans: Hummels kennt Dortmund, das Umfeld, vor allem wird ihm dort Trainer Lucien Favre genau das Vertrauen geben, das ihm Kovac versagte: den nötigen Rückhalt für ein gestärktes Selbstwertgefühl und Spitzenleistung auf dem Platz.

In München wird Hummels fehlen. Der Mannschaft, den Fans - und auch einem Thomas Müller. Denn das Zeug zu einem Nachfolger von Hummels als neuer Co-Komiker hat bei Bayern München keiner. So muss #tho jetzt wohl allein weiterblödeln.

insgesamt 224 Beiträge
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kaiosid 20.06.2019
1. Hummels ist cool
Egal, was die Bayern-Bosse dem Mann erzählt haben - lächerlich... Zu Dortmund passt er ganz gut, auch wenn die Gegend da (ich habe da ewig gelebt) nicht so prall ist wie München. Hm... ich dachte der ist wegen seiner Freunde etc. nach München zurück. Egal - vielleicht kriegt er in Dortmund ja Netjet und kann zum Training fliegen.
patrickIc_scheffer 20.06.2019
2. Bei...
...der derzeitigen Transferpolitik und Kadergestaltung wird der FC Bayern, gerade auf internationalem Parkett, immer mehr zum Scheinriesen. Es scheint so, dass die Troika aus Hoeness, Rummenigge und Salihamidzic aus dem sang- und klanglosen ausscheiden gegen Liverpool rein gar nichts gelernt hat. In den letzten Jahren hat das Geschäft Profifussball so sehr Fahrt aufgenommen, dass wenn man wirklich in der Championsleague um den Titel spielen will, Transfers jenseits der 100 Millionen-Euro tätigen muss. Was nützt all das Geld auf dem schon mystisch verehrten Festgeldkonto der Bayern, wenn man es nicht investiert? Ein Transfer von Leroy Sane wäre auch ein Zeichen an die finanziell potente Konkurrenz aus Madrid, Barcelona, Manchester und Paris das es keines Oligarchen oder Scheichs bedarf um den Henkelpott mitzuspielen.
regor_regorefix 20.06.2019
3. Seriöse oder tendenziöse Berichterstattung
Sehr geehrte Herr Kinast, vorneweg stimme ich mit Ihnen überein, dass der Transfer von Mats Hummels für den FC Bayern München ein gewisses Risiko darstellt. So weit, so gut. Andererseits finde ich, dass Sie Ihre tendenziösen Bemerkungen unterlassen sollten. So behaupten Sie: "Und dem die Klub-Bosse nun, wie zu hören war, nach dem Pokalfinale in Berlin unverblümt mitgeteilt haben sollen, dass er in München keine Chance mehr habe gegen die in der Innenverteidigung gesetzten Süle und Hernández." Wer hat denn da wann was gesagt und wo ist die Quelle? Ihre Bemerkung lässt vermuten, dass Mats Hummels vermutlich erst zu diesem Zeitpunkt erfahren hat, das Bayern für insgesamt 115 Mio. € die Verteidiger des amtierenden Weltmeisters verpflichtet hat. Aber es kommt noch besser. Der Sportdirektor ist "pomadig", weil er der versammelten Presse nicht haarklein die derzeitige Transfersituation des FC Bayern München erklärt, sondern tut was ein guter Manager tut bevor nicht alles in trockenen Tüchern ist, nämlich schweigen!. Es wäre wirklich schön, wenn die SPON-Redaktion (gerade Sie und Herr Ahrens) gegenüber dem FC Bayern München zu einer sachlichen und objektiven Berichterstattung zurückfinden könnten.
mr-mucki 20.06.2019
4. Kader FCB 2019/20
Stand 20.06.19 hat der Kader des FCB noch 16 Feldspieler. Darunter Arp, Boateng und Sanches, die wahrscheinlich noch verkauft/ verliehen werden. Macht aktuell 13 Feldspieler. Eine europäische Spitzenmannschaft mit 3-fach Belastung hat normalerweise 23 Feldspieler. D.h. der FCB muss noch 10 Spieler für die neue Spielzeit verpflichten. Das ist doch eher unrealistisch, denn 10 Spieler auf CL- Niveau müssen erstmal gefunden und bezahlt werden. Vielleicht haben UH und HS alle Spieler in der Hinterhand und veröffentlichen noch nicht, aber das wäre doch sehr überraschend. Darum frage ich mich, was in München grade durch die Köpfe der Führungsebene geht? Wenn ich Kovac wäre würde ich langsam einen Protestbrief schreiben, denn er muss es wahrscheinlich ausbaden.
aprilhh 20.06.2019
5.
Komisch. Da wird monatelang rumgemosert, dass die Bayern den Umbruch verpennen, nicht genug auf die jungen Leute setzen und sich nicht rechtzeitig von verdienten Spielern getrennt haben. Nu wird das gemacht und es ist natürlich auch nicht recht. Und schuld ist laut Kinast natürlich Kovac. Wie immer. Hummels hat eine fürchterliche Hinrunde gespielt, gespickt mit komischen Interviews. Seine Erkältungstirade nach dem Spiel in Dortmund ging für 0 Cent. Beim Thema James kann man wirklich nur noch den Kopf schütteln. Er hat es in 2 Jahren leider nicht geschafft vollends zu überzeugen. Es wird auch immer schnell vergessen (eher absichtlich), dass Bayern München nicht der erste Spitzen Club ist, bei dem sich James nicht durch setzen konnte. Und Real will ihn ja auch nicht haben. Nur bei einer Sache gebe ich dem Artikel recht. Die Ankündigung von Hoeneß sollte langsam mal umgesetzt werden. Ansonsten das übliche hypocrit Gekritzel von Kinast. Bayern Hater halt. Aber es ist überall das Gleiche. Bayern, Real, City oder die Golden State Warriors, NE Patriots oder die Yankees. Über jedes erfolgreiche Team wird geheult und genörgelt.
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