Daniel Raecke

Mats Hummels zum FC Bayern Der Anfang vom Ende der Bundesliga

Der FC Bayern kauft wieder einmal seinem Konkurrenten einen Schlüsselspieler weg. Die Bundesliga ist kein echter Wettbewerb mehr. Das erkennen auch viele Fans. Aber sie ziehen völlig falsche Schlüsse daraus.
Mats Hummels

Mats Hummels

Foto: Mathis Wienand/ Getty Images

Man könnte es mit Galgenhumor nehmen: Jetzt ist der BVB den Bayern also wieder zu nahe gekommen. Auch wegen der Transfers von Mario Götze 2013 und Robert Lewandowski 2014 aus Dortmund nach München hatte die Borussia in der vorigen Saison am Ende 33 Punkte Rückstand auf den Rekordmeister. Dann kam Thomas Tuchel, und auf einmal sah es wieder so aus, als gebe es zwei Spitzenmannschaften in Deutschland, nicht nur eine.

Die Reaktion: Der FC Bayern kauft, wie es aussieht, Mats Hummels. Der BVB hat den höchsten Zuschauerschnitt Europas, er wird sicher in der Champions League spielen und bietet eine sehr gute sportliche Perspektive. Und doch kann er nicht einmal seinen Kapitän halten, wenn der FC Bayern es so will.

Dortmunder werden verzweifeln, Schalker werden hämisch lachen. Tatsächlich aber sollten bei allen deutschen Fußballfans die Alarmglocken schrillen. Denn die Bundesliga ist dabei, sich als sportlicher Wettbewerb abzuschaffen. Und das Schlimmste ist: Die meisten Menschen, denen das bewusst ist, ziehen völlig falsche Schlüsse daraus.

Die finanziellen Unterschiede zwischen dem FC Bayern und dem Rest der Bundesliga waren nicht schon immer so, sie bleiben in Zukunft auch nicht gleich. Sie werden immer größer. Denn je erfolgreicher jemand ist, je mehr Geld er ohnehin schon verdient, desto mehr Fernsehgelder werden ihm zugeteilt.

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Hummels will zum FC Bayern: Der Kapitän geht von Bord

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In Deutschland gibt es noch dazu die "50+1"-Regel, die es Investoren verbietet, die Mehrheit an Fußballklubs zu übernehmen. Die gilt vielen Fans als Wall gegen die Auswüchse des Kapitalismus. Dem FC Bayern gilt sie als Schutz vor echter Konkurrenz. Sie verhindert, dass ein Großinvestor einen Mitbewerber auf das finanzielle Niveau der Münchner heben kann.

Wer durch Ausnahmeregelungen von Mäzenen aus dem Amateurlager hochgefördert wird wie Hoffenheim oder Leipzig, wer Konzernen gehört wie Wolfsburg oder Leverkusen, der kann sich hochmoderne Jugendzentren leisten. Traditionsvereine aber können ihre Popularität nicht zu Geld machen. Investoren aus aller Welt würden natürlich lieber Eintracht Frankfurt oder Borussia Dortmund unterstützen als die TSG Hoffenheim. Profifußball ist Unterhaltungsindustrie, Attraktivität wäre die natürliche Grundlage für finanziellen Erfolg.

Die Zukunft der Bundesliga sieht aber so aus: Ein über allen thronender FC Bayern, der sicher die nationalen Titel holt und für den die Liga ein 34 Spieltage langes Trainingslager für die Champions League ist. Dazu Paarungen wie Hoffenheim gegen Ingolstadt, die praktisch keinen Menschen interessieren. Wenn irgendein Konkurrent den Münchnern doch zu nahe kommen sollte, kann der FC Bayern ja immer noch einfach deren beste Spieler wegkaufen, so wie im Fall Mats Hummels. Egal, ob sie in München überhaupt dringend benötigt werden.

Ein paar Jahre mag das noch gut gehen, solange sich irgendwie Geld damit verdienen lässt. Aber irgendwann will so einen Scheinwettbewerb niemand mehr sehen. Dann wird der FC Bayern aber nicht sagen: "Wir brauchen mehr Solidarität!" Er wird einfach die Pläne für eine europäische Super League aus der Schublade holen.