Hummels-Rückkehr zum BVB Eine Investition in sportliche Klasse

Die vergangenen Tage haben gezeigt: Mit offenen Armen wird Dortmunds Fanszene Mats Hummels nicht aufnehmen. Dabei ist der Rückkehrer das Puzzleteil, das dem Klub gefehlt hat.

Alexander Hassenstein / Bongarts / Getty Images

Eine Analyse von


Für den Laien ist es schwierig zu verstehen, wann die an der Börse notierte Fußballfirma Borussia Dortmund eine "Ad-hoc-Mitteilung" veröffentlichen muss. Sie tat das etwa am 28. April 2016, als sie über "Wechselgerüchte um den BVB-Spieler Mats Julian Hummels" berichtete. Gut drei Jahre später verzichtete die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) auf den zweiten Vornamen und eine Mitteilung an die Börse. Sie teilte allerdings auf vielen anderen Kanälen mit, dass Mats Hummels den Weg vom FC Bayern zurückfinden werde, falls er den Medizincheck bestehe.

Thomas Treß, Geschäftsführer der KGaA, und Experte des Klubs in Finanz- und Börsenangelegenheiten, erklärte den Laien mal vereinfacht, dass eine Veröffentlichungspflicht auch mit dem Überraschungsfaktor einer Meldung zu tun habe. Insofern konnte getrost auf eine "Ad-hoc-Mitteilung" verzichtet werden, denn seit Tagen hieß es, dass Mats Hummels wieder für den Verein spielen werde, mit dem er zwischen 2008 und 2016 zwei Mal Deutscher Meister wurde und das Finale der Champions League erreichte.

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Mats Hummels: Der doppelte Rückkehrer

Die Analysen und Kommentare zu der doch recht spektakulären Rückholaktion waren längst veröffentlicht oder zumindest geschrieben. Das dürfte auch für den Kommentar beim bedeutenden Fanzine schwatzgelb.de gegolten haben, der so überschrieben ist: "Die Rückkehr von Mats Hummels ist einfach nur falsch."

In den sozialen Netzwerken war in den Tagen zuvor auch sehr viel Ablehnung zu lesen gewesen. Besonders hart wurde Hummels dafür angegangen,dass er Mario Götze dessen Wechsel zum FC Bayern 2013 übelnahm, dann aber - als Kapitän des BVB - den gleichen Weg ging.

Erster Auftritt beim Supercup

Nun werden die beiden bald wieder gemeinsam im schwarz-gelben Trikot auflaufen, pikanterweise steht das erste Pflichtspiel für den BVB am 3. August im eigenen Stadion an - gegen den FC Bayern München.

Der Supercup reduziert das bestimmende Duell der Neuzeit im deutschen Fußball auf ein Spiel mit vergleichsweise geringem Wert. Der BVB, das hat er offensiv als Ziel ausgegeben, will in der Meisterschaft vorne sein. Die Chance war in der abgelaufenen Saison da, die Analyse der Verantwortlichen ergab, dass auch eine mangelnde Erfahrung in psychisch sehr anspruchsvollen Partien zum Scheitern führte.

Eine Investition in Klasse und Erfahrung

Diese Erfahrung kaufte der BVB weder mit Nico Schulz (TSG Hoffenheim) noch mit Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) noch mit Julian Brandt ( Bayer Leverkusen) für zusammen etwa 75 Millionen Euro ein. Die gut 30 Millionen Euro, die es ohne mögliche Bonuszahlungen für Hummels sein sollen, sind eine Investition in erwiesene sportliche Klasse und eben diese Erfahrung. Hummels war in der Rückrunde der vergangenen Saison ein wesentlicher Faktor bei der Münchner Aufholjagd.

Dortmunds junge Innenverteidiger Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou und Abdou Diallo, der allerdings meistens am linken Ende der Viererkette eingesetzt wurde, schwächelten hingegen - teilweise bedenklich. Mats Hummels soll künftig derjenige sein, der weniger erfahrenen Spielern Halt gibt. Eine Rolle, die auch Axel Witsel trotz eines sehr vielversprechenden Starts in Dortmund nicht mehr zufriedenstellend ausfüllte.

Dass ihn der BVB trotz der bekannten Vorbehalte vieler Fans verpflichtete, zeugt von einem Vertrauen, das dem ehemaligen Nationalspieler in München gefehlt haben soll. Hummels galt als jemand, der Trainer Niko Kovac skeptisch beäugte - und umgekehrt. Was Lucien Favre von seinem neuen Abwehrchef hält, ist öffentlich noch nicht bekannt. Weder der Trainer noch Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke noch Sportdirektor Michael Zorc werden in der Mitteilung des BVB zitiert.

An der Strategie, wie sie die kritischen bis wütenden Geister unter den Fans des BVB auf ihre Seite ziehen können, dürfte aber schon längst gefeilt werden.



insgesamt 45 Beiträge
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borrussiad. 19.06.2019
1. richtig
Der BVB hat alles richtig gemacht, die Ablösesumme ist vlt ein bisschen hoch, aber bei dem Milliardengeschäft kommt es auf die paar Millionen ja jetzt auch nicht wirklich an. Hummels lohnt sich einfach auch da durch, dass er den jungen IV von BVB helfen kann besser zu werden, indem er als Vorbild Auftritt. Genau das wird nun in Dortmund erwartet und da lohnt sich ein Hummels nunmal in zweierlei Hinsicht...
Freidenker10 19.06.2019
2.
30-40 Millionen für einen stetig sinkenden Stern das kann nur der BVB stemmen! Bayern kauft die BVB Spieler auf ihrem Zenit und der BVB kauft sie dann zurück wenns nicht mehr für Bayern reicht. Die Bayern werden aus dem lachen gar nicht mehr rauskommen! Götze, Rode und nun Hummels, das dürften um die 100 Millionen sein und für was? In München wird man sicherlich ein Fläschen öffnen...
phrasenmaeher 19.06.2019
3. Ja ja, die Fans...
Auf der einen Seite möchten Sie gerne Meisterschaft und sonstige Titel feiern, auf der anderen Seite jedoch kommt diese kleinkndbockige "Verräter" - Haltung hoch. Eine zündende Idee, wie man für einen nach heutigen Verhältnissen eher niedrigen Preis auch nur ansatzweise gleiche Qualität und Erfahrung g ins Boot holen will, fehlt dabei selbstverständlich auch. Also vielleicht einfach Klappe halten und keinen Unfug erzählen, sondern das Ganze als exakt das Geschäft sehen, das der Profifußball heutzutage nun einmal ist. Oder alternativ dem SV Bövinghausen beim Bolzen auf dem Ascheplatz zusehen. Da können sie dann die Vereinstreue mit den Spielern gemeinsam bei Bockwurst und Hansa-Pils diskutieren.
markx01 19.06.2019
4. Mats hätte sich den Kurzurlaub in München aber auch sparen können.
Dann wäre der BVB in der abgelaufenen Saison wahrscheinlich Meister geworden und Mats immer noch gefeierter Held beim BVB. Mensch Mats, 8 1/2 wirft man doch nicht so leichtfertig weg. ;) Aber es gibt wenig, was man mit entsprechender Leistung nicht wieder reparieren könnte. Und ich glaube nicht, dass Mats aus lauter Langeweile nach Dortmund zurückkehrt. Für den BVB könnte er der vielleicht noch fehlende Baustein in der Defensive werden. Die Ablöse mit Boni ist dann wohl eher ein Nullsummenspiel. Meisterschaft 2020? Das wird auch davon abhängen, was München noch macht. Konkurrenzfähig ist der BVB kadertechnisch beim aktuellen Stand durchaus. Gruß
anchises 19.06.2019
5. Gnadenhof BVB
oder was wird das? Für den FC Hoeneß/Beckenbauer nicht mehr gut genug dann kann er wieder dahin zurück woher er kam. Ich lachte mich scheckig wenn es denn nicht so traurig wäre. Der ewige Zweite nimmt die jetzt Zweitklassigen in seine Dienste. So wird es auf jeden Fall etwas mit der nächsten Meisterschaft.
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