Fahnenverbote in der Türkei Gladbachs Sportdirektor Eberl spricht von "Polizeidiktatur"

Beim Europa-League-Spiel von Borussia Mönchengladbach bei Basaksehir Istanbul mussten Gästefans ihre Fahnen abgeben. Grund: im Stadtwappen enthaltene christliche Symbole. Das will sich Sportdirektor Eberl nicht gefallen lassen.

Max Eberl ist seit knapp elf Jahren Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach
Thilo Schmuelgen/REUTERS

Max Eberl ist seit knapp elf Jahren Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach


Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl hat die Polizei in Istanbul wegen abgenommener Fan-Fahnen am Rande des Europa-League-Spiels scharf kritisiert. Am Rande des 1:1 (0:0) bei Basaksehir Istanbul nahmen Polizisten den Borussen-Fans Fahnen ab, weil diese christliche Symbole gezeigt hätten. Dabei handelte sich um das Stadtwappen Mönchengladbachs, in dem unter anderem ein Kreuz abgebildet ist. Dies brachte Eberl in Rage. Der 46-Jährige sprach von "Polizeidiktatur" und kündigte an, sich bei der Uefa beschweren zu wollen.

"Das macht mich extrem traurig, dass wir 2019 in Europa solche Zustände haben, dass die Polizei diktieren kann, welche Fahnen mit ins Stadion kommen. Diese Regel gibt es nicht", sagte Eberl.

Nach Klubangaben war es vor dem Spiel zu Rangeleien gekommen. Zwei Borussen-Fans waren vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, weil sie angeblich Polizisten geschlagen haben sollen. Videoaufnahmen sollen allerdings das Gegenteil beweisen. Für Unmut sorgte auch der Zwang für die rund 1400 Gladbacher Fans, in Bussen anzureisen.

"Unsere Fans bereichern diesen Totentanz hier, dass hier zumindest etwas Stimmung aufkommt und werden dann von Anfang drangsaliert", sagte Eberl in Anspielung auf die Atmosphäre beim erst 2014 gegründeten Klub vor den Toren Istanbuls. "Das sind für mich bizarre und groteske Bilder und Szenen, die man heutzutage in Europa nicht mehr erwartet. Das hat nichts mit Europapokal zu tun. Das ist Polizeidiktatur."

mfu/dpa



insgesamt 112 Beiträge
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matti99 04.10.2019
1. ist ja so überrasschend neu
dies ist ja alles so überraschend neu, aber man kann für das Rückspiel natürlich auch Fahnen mit dem roten Halbmond ausserhalb des Stadions lassen....
echobravo 04.10.2019
2. Flaggen
Kein Wunder, dass die Türkei das nicht witzig findet, wenn in Scharen Ausländer mit dem Zeichen einer fremden Religion auftauchen und damit rumwedeln! Man fühlt sich ja an die Zeit der Kreuzzüge zurückerinnert! Anstatt mit kulturellem Fingerspitzengefühl auf die Belange und Ansprüche andersgläubiger einzugehen, reißen wir alte Wunden wieder auf. Ich schäme mich, ich dachte wir wüssten es inzwischen besser!!!
poitierstours 04.10.2019
3. Was hat das mit Fußball zu tun?
Der Club soll eng mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seiner Partei AKP verbunden sein. In vielen agitatorischen Reden forderte Erdogan auf bundesdeutschem Boden Toleranz und Respekt für und vor muslimische Religionsausübung. Zeigt die Anti-Fan-Fahnen-Aktion der Polizei ein Toleranzverständnis, dass nicht dem einer pluralen Gesellschaft entspricht, sondern in der Sache eigentlich nur einen Alleinstellungsanspruch signalisiert? Sind muslimische Symbole, wozu im allgemeinen Verständnis, gerade auch dem Erdogans, das Kopftuch-Tragen gehören dürfte, ebenfalls im Stadion verboten und werden von der Polizei in Istanbul unterbunden? Religiöse Toleranz als Einbahnstraße?
der Bulle 04.10.2019
4. Den Kommentar
von Echobravo kann ich nur unterstützen. Es ist sowas von unsensibel ein christliches Symbol vor den Augen der Muslime zu wedeln und damit schlimme Assoziationen zu wecken. Das ist anmaßend und nicht zu tolerieren ( das wedeln). Der Türke in Berlin fährt ja auch keine Autokorso durch die Stadt mit seiner Türkei Flagge. Er hält sich ja auch zurück.
akase93 04.10.2019
5. Nachricht aus Absurdistan
Die offensichtlich im vorauseilenden Gehorsam agierenden Polizisten scheinen sich in ihrer Regimetreue gegenseitig überbieten zu wollen, um nicht in den Ruch der Gülen-Anhängerschaft oder sonstiger Abtrünnigkeiten zu geraten. Dass solche Aktionen an Blödheit kaum mehr zu überbieten sind, ist scheinbar keinem der Verantwortlichen aufgefallen. Es kann ja kaum Sinn des Einsatzes gewesen sein, die Türkei erneut der Lächerlichkeit preiszugeben. Was ja im Umkehrschluß schon fast oppositionelle Tendenzen der Verantwortlichen vermuten lassen könnte - wenn man es optimistisch sehen würde.
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