Journalisten gaben sich als schwules Paar aus Mehrere WM-Hotels in Katar lehnen homosexuelle Gäste ab

Drei von 69 angefragten Hotels in Katar haben es einer TV-Recherche zufolge abgelehnt, homosexuelle Gäste aufzunehmen. Weitere wollen dies nur bei angepasstem Verhalten tun. Die Fifa will reagieren.
Bauarbeiter erneuern Wege in der Innenstadt von Doha: Zahlreiche Straßen werden derzeit im Vorlauf der Fußball-WM neu gestaltet (Bild vom März 2022)

Bauarbeiter erneuern Wege in der Innenstadt von Doha: Zahlreiche Straßen werden derzeit im Vorlauf der Fußball-WM neu gestaltet (Bild vom März 2022)

Foto:

Bernd von Jutrczenka / dpa

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar müssen Homosexuelle und andere Menschen der LGBTQI+-Gemeinschaft damit rechnen, in einigen Hotels keine Zimmer zu bekommen. Das ergab eine gemeinsame Recherche der drei skandinavischen TV-Sender NRK (Norwegen), DR (Dänemark) und SVT (Schweden). Journalisten hatten sich demnach als schwules Paar ausgegeben und bei insgesamt 69 offiziellen WM-Hotels des Fußball-Weltverbandes Fifa nach einem Zimmer gefragt. Das angeblich verheiratete Paar aus Schweden hatte ein Zimmer für seine »Flitterwochen« angefragt, unabhängig von der WM.

Drei davon lehnten die Anfrage direkt ab. Einmal hieß es, dass dies »gemäß unserer Hotelpolitik« nicht möglich sei, mal, dass man keine schwulen Paare akzeptiere. Ein Hotel antwortete, dass ein solcher Check-in nicht möglich sei. In der Vergangenheit habe es Vorfälle gegeben, bei denen die Polizei homosexuelle Katarer aus Hotels geholt habe, hieß es von einem Gasthaus.

Zudem würde man gegen die Landespolitik verstoßen, wenn man »sich schminkt und homosexuell kleidet«. »Anständig gekleidet« und ohne sexuelle Handlungen sei das Paar aber willkommen. 20 weitere Hotels wollten nicht, dass die Gäste offen ihr Schwulsein zeigen.

33 Hotels hatten keine Einwände, 13 antworteten nicht oder sind derzeit nur Corona-Quarantäne-Hotels.

»Anständig gekleidet« willkommen

»Die Fifa wird dafür sorgen, dass die genannten Hotels erneut auf unsere strengen Anforderungen in Bezug auf einen diskriminierungsfreien Empfang der Gäste hingewiesen werden. Hotels und anderen Dienstleistern, die mit der WM in Verbindung stehen, wird der Vertrag gekündigt, wenn sie die hohen Anforderungen der Organisatoren nicht erfüllen«, teilte die Fifa am Freitag auf Anfrage mit.

»Das ist selbstverständlich nicht akzeptabel und stimmt auch nicht mit dem überein, was das WM-OK versprochen hat«, sagte die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness. Der dänische Verband zeigte sich »enttäuscht« und formulierte die »klare Erwartung« einer Lösung.

Das WM-Turnier findet vom 21. November bis 18. Dezember in dem arabischen Emirat statt. Homosexualität ist in Katar gesetzlich verboten und wird mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft.

Homosexualität ist in Katar verboten

Die Abkürzung LGBTQI+ fasst Menschen unterschiedlicher Identitäten und sexueller Orientierungen zusammen, also Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell sind.

Katar steht für die Menschenrechtslage im Land seit Jahren in der Kritik. Amnesty International warnt vor Diskriminierung von Frauen sowie Angehörigen der LGBTQI+-Szene in Katar. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert zudem die Ausbeutung von Gastarbeitern und bemängelte auch die Meinungs- und Pressefreiheit.

In Bezug auf die Menschenrechte weist Katars Regierung die Vorwürfe zurück und führt dabei Reformen an. Auch die Uno-Arbeitsorganisation ILO bescheinigte Katar Fortschritte. Menschenrechtsaktivisten üben aber weiter Kritik.

ngo/dpa/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.