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Titeljubel: Dortmund im Feierrausch

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Meisterfeier beim BVB Die gelbe Wand bebt

Tränen in den Augen, Bier im Gesicht: Fans und Spieler begießen in der Dortmunder Arena die Meisterschaft. Coach Klopp erinnerte an Kaiser Franz und Nationalspieler Kevin Großkreutz musste Haare lassen. Es ist das glänzende Comeback eines Clubs, der fast schon am Ende war.
Von Felix Meininghaus

Das Spiel war schon mehr als eine Stunde abgepfiffen, als 25.000 Fans auf der größten Stehplatztribüne der Welt noch immer ausrasteten. Die Gelbe Wand rockte, die Meute in schwarz-gelb gab noch einmal alles für ihren Verein. Auf der Torlatte stand Kevin Großkreutz, aus den Lautsprechern tönte der Ballermann-Klassiker "Du hast die Haare schön." Der Ur-Dortmunder Großkreutz, ein Junge aus dem Stadtteil Eving, hatte versprochen, erst wieder zum Friseur zu gehen, wenn der Club, dem seine ganze Liebe gehört, Deutscher Meister geworden ist.

In einer ersten Schnellrasur nach dem 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg mussten Großkreutz' Haupthaare dran glauben, die Meister-Matte im Nacken blieb stehen. Ein seltsamer Anblick. Aber der Mittelfeldspieler kann ja für nächste Woche einen Termin beim Friseur machen, doch erst muss Großkreutz wieder nüchtern werden. Und das kann dauern, so, wie sich die Feierlichkeiten bei der Borussia angelassen haben.

Das ganze Stadion schunkelt, vor der Haupttribüne gab Trainer Jürgen Klopp mit einer Flasche Bier in der Hand den Dirigenten. Und alle sangen mit zum Queen-Evergreen "We are the Champions". Klopp ist obenauf, zum ersten Mal darf sich der Trainer als Deutscher Meister feiern lassen. Für den Verein, dem er sich vor drei Jahren angeschlossen hat, ist es der siebte Titelgewinn der Geschichte.

Als das große Ziel des BVB erreicht war und der Traditionsclub aus dem Ruhrgebiet als jüngster Deutscher Meister in der Bundesligageschichte feststand, zog sich der Schwabe erst einmal für einige Momente zurück. Die Szene erinnerte ein wenig an Kaiser Franz Beckenbauer nach dem 1:0-Erfolg 1990 im WM-Finale gegen Argentinien. Dortmunds Präsident Reinhard beobachte das mit Wohlwollen: "Du musst bei aller Euphorie eine gewisse Zeit allein sein."

"Was hier passiert, ist in der Nähe eines Märchens"

Obwohl diese Meisterschaft auch sein persönlicher Triumph ist, tat sich der Trainer leicht, seinen Himmelsstürmern die Bühne zu überlassen. Zum einen, weil er noch Zeit genug hat, zum Dortmunder Feierbiest zu werden, zum anderen, weil er die Leistung seiner kickenden Rasselbande in den Mittelpunkt gestellt wissen will: "Dies ist ein wunderschönes Gefühl", sagte er eine halbe Stunde, nachdem das Spiel gegen Nürnberg abgepfiffen worden war, "aber das betrifft nicht in erster Linie mich persönlich. Diese Mannschaft hat 32 Spieltage lang Überragendes geleistet. Diese Jungs müssen im Mittelpunkt stehen, sie gilt es zu würdigen."

Die Leistung des BVB in dieser Saison ist nicht hoch genug einzuschätzen. "Diese Einheit passt einfach zusammen", sagte Rauball, der den großen Bogen spannte zu den Zeiten, als die Borussia der Insolvenz nur knapp entgangen war: "Was hier passiert, ist in der Nähe eines Märchens. Man darf nicht vergessen, dass wir hier nicht wussten, ob es überhaupt weiter geht."

Als Präsident und Repräsentant wahrte der 64-Jährige Jurist eine gewisse Distanz, während im größten Stadion der Republik längst alle Dämme brachen. Während in die Kabine kistenweise Bier geschleppt wurde, verlegte der Club die Mixed Zone kurzerhand auf den Rasen. Das war sinnvoll, denn keiner der gefeierten Spieler mochte den Ort verlassen, wo die finalen 90 Minuten stattgefunden hatten und sich die Fans in Rage sangen.

Es wird noch eine gewisse Zeit dauern, bis die Spieler einordnen können, was sie für sich und die Stadt ihres Verein geleistet haben: "Jeder Einzelne von uns hat diesen Titel verdient", sagt Marcel Schmelzer. Der Außenverteidiger gewährte Einblicke in die Gedankenwelt seines Teams: "Intern haben wir uns vor der Saison gesagt, dass es Zeit ist, irgendetwas zu holen." Dabei habe man allerdings eher an den DFB-Pokal gedacht.

Meisterfeier auf der Autobahn

Solch tiefgreifende Gedanken mochte sich Neven Subotic gar nicht erst machen. Wie seinen Kollegen war ihm nur nach Feiern zumute: "Meine Haare kleben vor Bier, meine Hose ist klitschnass", sagte der Manndecker, als er sich mit blankem Oberkörper den Journalisten präsentierte. Sein Trikot hatte er seinem besten Freund geschenkt, "als Dankeschön für all die Unterstützung".

Subotic schaute zur Südtribüne hinauf, wo sich auch eine geschlagene Stunde nach Abpfiff niemand der 25.000 Zuschauer verabschiedet hatte. Wie schon während der 90 Minuten, in denen Lucas Barrios und Robert Lewandowski mit ihren Treffern den finalen Schritt zum Titel vollendet hatten, veranstaltete die Kulisse ein Höllenspektakel. "Und das war noch gar nichts im Vergleich zu dem, was wir hier in den nächsten Wochen erleben. Ich kann es kaum erwarten, mit mehr als 100.000 Menschen auf der B1 zu feiern", sagte Subotic.

Das wird in zwei Wochen geschehen, wenn das letzte Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt gelaufen ist und die Party nach der Übergabe der Schale ihren Höhepunkt erreichen wird. Wenn die Inszenierung das hält, was die erste Probe verspricht, erwartet die Stadt Dortmund eine legendäre Party, die alles toppen wird, was die Reviermetropole jemals erlebt hat.

"Es ist eine super Saison, wir sind alle überglücklich", sagte der Südamerikaner Barrios in einem Mischmasch aus Deutsch, Spanisch und Englisch. Am liebsten, so Subotic, würde er schon an diesem Abend auf die Straße gehen, um mit den Fans zu feiern. Er wird sich diesen Wunsch verkniffen haben, um nicht von der Liebe der schwarz-gelben Gemeinde erdrückt zu werden.

Stattdessen hat sich die Mannschaft von Borussia Dortmund zurückgezogen, um gemeinsam bei ihrem Lieblingsitaliener zu feiern. Was er bis dato erlebt hatte, fand Mats Hummels "zum Ausrasten. Ich habe fünf Wochen jeden Tag geträumt, das zu schaffen, und bin immer wieder aufgewacht. Jetzt ist es passiert." Dann ging eine neue Bierdusche über dem Nationalspieler nieder: "Bah, ist das eklig", sagte Hummels lachend. Diese Spieler, das war klar, werden es in Dortmund richtig krachen lassen. "Wir feiern jetzt bis morgen früh", sagte Marcel Schmelzer, bevor er sich in die Kabine verabschiedete: "Und dann geht es weiter."

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