Nach Äußerungen zu Uiguren Özil aus chinesischer Version von "Pro Evolution Soccer" entfernt

Er kritisierte das Vorgehen gegen die mehrheitlich muslimischen Uiguren. Eine Konsequenz gibt es nun für chinesische Gamer. In der mobilen Version von "Pro Evolution Soccer 2020" wird es Özil nicht geben.
Wer in China PES spielen möchte, muss auf Mesut Özil verzichten

Wer in China PES spielen möchte, muss auf Mesut Özil verzichten

Foto: Nick Potts/DPA

Mesut Özil ist nach seinen Äußerungen zu den in China verfolgten, mehrheitlich muslimischen Uiguren aus der chinesischen Version des bekannten Fußballvideospiels "Pro Evolution Soccer" (PES) entfernt worden. Das gab der chinesische Vertreiber des Spiels, NetEase, auf dem sozialen Netzwerk Weibo bekannt.

Demnach werde Özil aus allen drei von NetEase vertriebenen Spielen entfernt, einschließlich der mobilen Version von PES. "Der deutsche Spieler Özil hat in den sozialen Netzwerken ein extremes Statement über China gepostet", heißt es in der Mitteilung. Özils Beitrag habe die Gefühle chinesischer Fans und die Werte des Sports verletzt. "Weder verstehen, noch akzeptieren oder vergeben wir dies", heißt es.

Özil hatte zudem öffentlich das Schweigen mehrheitlich muslimischer Staaten über die Uiguren-Verfolgung angeprangert. Daraufhin hatte sich der FC Arsenal umgehend von seinem Spieler distanziert. Der Premier-League-Klub betreibt in China unter anderem ein Restaurant, der chinesische Markt ist für die englische Liga sehr lukrativ.

Die Äußerungen Özils haben für einen Aufschrei in China gesorgt. Problematisch für Peking war dabei wohl vor allem, dass er dabei den in China tabuisierten Begriff Ostturkestan für die Provinz Xinjiang verwendet hat, in der rund elf Millionen Uiguren beheimatet sind.

Der Staatssender CCTV strich die Partie des FC Arsenal gegen Manchester City der regierungstreuen Zeitung "Global Times" zufolge kurzfristig aus dem Programm. Der chinesische Sprecher des Außenministeriums Geng Shuang bezeichnete Özils Äußerungen als "getäuscht von Fake News". Sein Urteilsvermögen sei beeinflusst von "unwahren Bemerkungen" und Özil könne sich gerne ein eigenes Bild machen.

Unterstützt wurde Özil zuletzt auch von Arsène Wenger. "Mesut Özil hat das Recht auf freie Meinungsäußerung wie jeder andere auch", sagte der frühere Arsenal-Trainer der BBC am Rande der Club-WM in Doha: "Er nutzt seine Bekanntheit, um seine Sichtweise auszudrücken, die nicht unbedingt von allen geteilt wird."

  • Lesen Sie hier, warum es Zeit ist, Özil als prägenden Athleten wahrzunehmen.
  • Menschenrechtsverletzung an Uiguren

    Experten werfen China massive Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren in der Provinz Xinjiang vor. Mehr als eine Million Muslime befinden sich Menschenrechtlern zufolge in Umerziehungslagern der chinesischen Behörden. Nachdem die Regierung in Peking die Existenz der Lager zunächst bestritten hatte, spricht sie heute von "Berufsbildungszentren" zur Deradikalisierung.

    Wegen der Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren brachte das US-Repräsentantenhaus kürzlich einen Gesetzentwurf auf den Weg, der Sanktionen gegen ranghohe chinesische Regierungsvertreter ermöglichen soll. Auch die EU und die Türkei hatten den Umgang mit den Uiguren in China zuletzt heftig kritisiert.

    hba/sak/Reuters/AFP