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18. September 2018, 14:14 Uhr

Özil-Berater Sögüt

"Löw verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde"

Auf die Rassismuskritik von Mesut Özil wurde falsch reagiert, sagt der Berater des Ex-Nationalspielers. In der "11Freunde" bezeichnete er zudem Manuel Neuer und Toni Kroos als "enttäuschend".

Mesut Özils Berater Erkut Sögüt hat mehrere deutsche Fußballnationalspieler kritisiert und Özils Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verteidigt. "Außerhalb des Platzes hat er keinen Fehler gemacht. Dabei bleibt es", sagte Sögüt dem Magazin "11Freunde" rund zwei Monate nach Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Anschließende Aussagen zu Özils Rückzug von seinen ehemaligen Mitspielern Manuel Neuer, Thomas Müller und Toni Kroos bezeichnete Sögüt als "enttäuschend und deplatziert". Kroos hatte unter anderem von einem "hohen Anteil an Quatsch" in der Rücktrittserklärung des Mittelfeldspielers vom FC Arsenal gesprochen. "Kroos sollte als gestandener Nationalspieler erklären, was er mit dem Vorwurf "Quatsch" meint", sagte Sögüt.

"Löw verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde"

Neuer, Müller und auch Bundestrainer Joachim Löw hatten wiederum Vorwürfe zurückgewiesen, wonach es im DFB-Team zu rassistischen Vorfällen gekommen sei. "Löw verteidigt sich gegen einen Vorwurf, der nie erhoben wurde", sagte Sögüt. "Mesut wurde nicht im Team, sondern von der Mitte der Gesellschaft rassistisch angefeindet - da hätte ihn der DFB schützen müssen."

Der 29 Jahre alte Özil hatte sich zwei Monate nach seinem Treffen mit Erdogan erstmals zu der Kritik an seiner Person geäußert. In einer dreiteiligen Erklärung in den sozialen Medien hatte er schwere Vorwürfe gegen den DFB und dessen Präsidenten Reinhard Grindel erhoben und auch seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt - von rassistischen Angriffen innerhalb der Mannschaft schrieb Özil hingegen nicht. Er beklagte stattdessen fehlenden Rückhalt innerhalb des Verbands gegen Attacken von außen.

Kritik äußerte Sögüt auch an Präsident Uli Hoeneß und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern München. Hoeneß etwa hatte nach Özils Rücktritt gesagt, dass dieser ohnehin "seit Jahren einen Dreck gespielt" habe. "Wenn hier jemand ablenken will, dann sind es diese beiden. Und zwar von der Leistung ihrer eigenen Spieler, von ihrer Steuerhinterziehung, ihren unverzollten Rolex-Uhren und von der Vetternwirtschaft in ihrem Verein", sagte Sögüt.

Im Video: Deutsch-Türken über die Özil-Debatte

jan/dpa/sid

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