Bergkarabach-Konflikt Özil ergreift Partei für Aserbaidschan

Es ist nicht das erste Mal, dass Mesut Özil sich politisch äußert. Im Südkaukasus-Konflikt stellt er sich nun auf die Seite des von der Türkei unterstützten Aserbaidschans - und wirbt zugleich für Frieden. Kritik kommt von den Grünen.
Arsenals Mesut Özil

Arsenals Mesut Özil

Foto: Maria Jose Segovia / imago images/ZUMA Press

Der ehemalige deutsche Fußballnationalspieler Mesut Özil hat im Konflikt um Bergkarabach Partei für Aserbaidschan ergriffen und zugleich zu Frieden aufgerufen. "Aserbaidschans Leid ist unser Leid, seine Freude ist unsere Freude", schrieb Özil am Dienstagabend auf Twitter  und zitierte damit eigenen Angaben zufolge den türkischen Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk.

Darunter schrieb Özil "Eine Nation, zwei Staaten" und versah den Tweet mit einer türkischen und aserbaidschanischen Flagge. Das Motto verwendet unter anderem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan immer wieder, um die Verbundenheit der Türkei mit Aserbaidschan hervorzuheben. Die Türkei unterstützt Baku in dem Konflikt mit Armenien massiv.

Özil erklärte in seinem Tweet weiter auf Englisch, Bergkarabach sei als Teil Aserbaidschans anerkannt, aber zurzeit "illegal besetzt". Er rief zudem zu Frieden auf und schrieb: "Jeder Tote auf beiden Seiten ist ein Verlust für alle." Özil verweist auf eine Erklärung der Uno aus dem Jahr 2008, in der Armenien aufgefordert worden sei, seine Truppen aus der Region abzuziehen.

Özils Verweis auf die "Besatzung" greife "zu kurz", sagte Omid Nouripour dem Sport-Informations-Dienst (SID). Wenn Özil Atatürk zitiere, solle er auch erwähnen, dass dieser einmal sagte: "Frieden in der Heimat, Frieden in der Welt." Momentan sei Erdogans Politik jedoch "weder im Inneren noch nach außen friedlich", sagte der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Özil sollte deshalb "auch die aggressive Außenpolitik der Türkei kritisieren". Nouripours Parteikollege Cem Özdemir hatte Erdogan "unerträgliches Zündeln" in dem Konflikt vorgeworfen. SPIEGEL-Recherchen hatten nahegelegt, dass die Türkei gezielt syrische Söldner in die Region geschickt hat.

Der neue Konflikt im Südkaukasus hatte am 27. September begonnen. Die Region wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Baku hatte in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren.

Armenien ist mit Russland verbündet und wird von Frankreich unterstützt. Zusammen mit den USA bilden Russland und Frankreich die Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die 1992 gegründete Gruppe soll helfen, den Bergkarabach-Konflikt beizulegen. Seit 1994 gilt in der Region eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf. Dabei starben mehr als 120 Menschen.

Özil hatte sich in der Vergangenheit bereits mehrmals politisch geäußert. Ein gemeinsames Foto von ihm, Ilkay Gündogan und Cenk Tosun mit dem türkischen Präsidenten Erdogan vor der WM 2018 führte letztlich zu seinem Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Das Foto hatte ein breites Echo und viel Kritik hervorgerufen - auch seitens des damaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. Diesem hatte Özil daraufhin Rassismus vorgeworfen und war auch einige Mitspieler angegangen.

Ende vergangenen Jahres hatte er mit einem Instagram-Post zur Lage der Uiguren polarisiert. Brisant war vor allem die Tatsache, dass er dabei einen in China tabuisierten Begriff ("Ostturkestan") verwendete. Sein Arbeitgeber, der FC Arsenal, hatte sich auf einer chinesischen Plattform von den Äußerungen seines Spielers distanzierte.

ngo/dpa/sid
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