Abrechnung in drei Teilen Özil attackiert Medien, Sponsoren und DFB

Fußballer Mesut Özil verteidigt seine Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan und stellt die Offenheit der Gesellschaft infrage: Werden Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland akzeptiert?
Mesut Özil (links) mit Recep Tayyip Erdogan

Mesut Özil (links) mit Recep Tayyip Erdogan

Foto: DPA

Mesut Özil hat via Twitter, Facebook und Instagram einen weiteren öffentlichen Brief veröffentlicht. Darin rechnet er mit den Medien, dem DFB und seinen Sponsoren ab.

Unter anderem schreibt er: "Viele Leute sprechen über meine Leistungen - es gibt viel Applaus und viel Kritik. Wenn eine Zeitung oder ein Experte Fehler in meinem Spiel findet, dann kann ich das akzeptieren - ich bin kein perfekter Fußballer, und das motiviert mich oft, noch härter zu arbeiten und zu trainieren. Was ich aber nicht verstehen kann, ist, dass deutsche Medien meine doppelte Herkunft und ein einfaches Foto für die schlechte Weltmeisterschaft einer ganzen Mannschaft verantwortlich machen."

Außerdem zeigt sich Özil enttäuscht, dass namentlich nicht genannte Sponsoren in "schlechten Zeiten" nicht zu ihm gestanden hätten. Stattdessen hätten manche ihre Zusammenarbeit sogar beendet. Auch ein Projekt an seiner ehemaligen Schule habe der Arsenal-Spieler nicht mehr fortsetzen können, weil Sponsoren sich von ihm abgewendet hätten.

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Zudem habe der DFB nichts dagegen unternommen, dass einer seiner Sponsoren (Mercedes-Benz) ihn im Zuge der Erdogan-Affäre aus seiner WM-Kampagne genommen habe. Während DFB-Präsident Reinhard Grindel, den Özil namentlich nicht nannte, von ihm eine öffentliche Erklärung für das Foto gefordert habe, habe sich der Sponsor für Verfehlungen in der Abgasaffäre nicht entschuldigen müssen."Warum?", fragte Özil, "was hat der DFB zu alldem zu sagen?"

Außerdem kritisierte er den Verband dafür, auf öffentliche Kritik an Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verzichtet zu haben, als dieser sich am Rande der WM mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin habe fotografieren lassen. Außerdem habe er das Gefühl, allein aufgrund seiner Herkunft kritisiert zu werden.

In einem ersten Statement hatte Özil am Mittag sein Treffen mit Recep Tayyip Erdogan verteidigt. Die Stellungnahme war mit der Kennzeichnung "I/III" versehen, der zweite Teil, der zwei Stunden später veröffentlicht wurde, war dann "II/III" gekennzeichnet. Der so indirekt angekündigte dritte Teil ließ jedoch zunächst auf sich warten. Viele Beobachter erwarteten in diesem abschließenden Statement eine Aussage zu Özils Zukunft in der Nationalmannschaft. Lesen Sie hier mehr zu Özils erstem Statement.

Und hier sind Özils Aussagen im Wortlaut.

Vielleicht auch aufgrund des zunächst ausstehenden dritten Teils blieben prominente Reaktionen vorerst rar. Grünen-Politiker Cem Özdemir äußerte jedoch Kritik: "Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen, hier wie dort", schrieb er in einer Medienmitteilung.

Özdemir, der bereits nach der ersten Veröffentlichung der Fotos Kritik geäußert hatte, schrieb weiter: "Mit dem Alleinherrscher Erdogan zu posieren empfinde ich als respektlos denen gegenüber, die in der Türkei gegängelt werden oder willkürlich im Gefängnis sitzen. Respekt zolle ich nur Demokraten." Er sei froh, dass hier in Deutschland viele Deutsch-Türken leben, die sich gerade wegen ihrer Wurzeln für eine demokratische Türkei aussprächen. "Denen ist Mesut Özil in seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden."

bam/dpa/sid
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