Özil-Rücktritt Einer, der sich beraten lässt

Mesut Özil und seine Berater - diese Beziehung wird seit der Rücktrittserklärung des Ex-Nationalspielers heftig diskutiert. Die Fäden laufen bei Erkut Sögüt zusammen.
Mesut Özil

Mesut Özil

Foto: Nigel French/ dpa

Bei all dem, was seit Sonntag über Mesut Özil, seinen Rücktritt aus der Fußballnationalmannschaft und sein bemerkenswertes Statement geschrieben wurde, war eines immer wieder zu lesen und schimmerte bei den Bewertungen regelmäßig durch: Özil habe seine ausführliche Erklärung, verbunden mit den Rassismusvorwürfen gegen den DFB-Boss Reinhard Grindel, sicherlich nicht selbsttätig veröffentlicht. Das sei vielmehr das Werk seiner Berater, so die wiederholt zu lesende, beinahe einhellige Meinung.

Özil, der Fremdbestimmte. So wirkt das. Dabei ist es vollkommen üblich, dass Agenturen, Berater oder PR-Fachleute die offiziellen Erklärungen eines Stars anfertigen, die Formulierungen glatt ziehen und im Namen ihrer Kunden an die Öffentlichkeit geben. Auch die Pressemitteilungen des Deutschen Fußball-Bundes werden schließlich nicht vom Präsidenten persönlich verfasst, sondern von der dafür zuständigen Medienabteilung. Entscheidend ist lediglich, dass diejenigen, in deren Namen gesprochen wird, selbst mit dem Duktus der Erklärung einverstanden sind. Davon ist auch im Fall Özil auszugehen.

Mesut Özil und seine Berater - das ist seit Jahren ein Dauerthema. Wobei man sagen muss, dass Beratern in Deutschland gern die Verantwortung zugeschoben wird. Als etwa Robert Lewandowski seinen Wechsel von Borussia Dortmund zu Bayern München durchsetzen wollte, waren es in der Öffentlichkeit zumeist die vermeintlich bösen Berater, die ihren Spieler dahin drängen wollten. Die Verantwortung der Spieler selbst wird dagegen gern kleiner gehalten.

Der Mann, dem Mesut Özil vertraut, heißt Erkut Sögüt, ein 38-jähriger Jurist mit Sitz in London, geboren in Hannover, studiert in Osnabrück, mit ähnlichen Erfahrungen wie Özil: Er ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, wie man das so gern nennt. Sögüt wird als treibende Kraft hinter der Özil-Erklärung beschrieben, als einer, der eher in internationalen Dimensionen denkt, dem der deutsche Markt nicht so wichtig erscheint. Dass Özils Erklärung in englischer Sprache abgefasst ist, obwohl es sich um eine deutsch-türkische Angelegenheit handelt, hat damit zu tun. Die Erfahrungen, die Özil in den vergangenen Wochen seit dem Erdogan-Foto gemacht hat, die Aufregung und Abneigung in Deutschland, dürften Sögüt in der Einschätzung bestärkt haben, Özils Vermarktung lieber global anzulegen.

Ihm wird auch zugeschrieben, Özil zu dem Foto mit dem türkischen Präsidenten zugeredet zu haben. Die Details, wie es zu dem Treffen mit Erdogan kam, sind allerdings völlig offen. Sögüt sagt nichts dazu. Ein Schweiger mehr in der ganzen Angelegenheit. Viele Fragen sind nach Monaten einfach nicht beantwortet.

Das führt so weit, dass Özil und seinem Berater bereits unterstellt wurde, das Statement sei eine fast perfide Form, die deutsche EM-Bewerbung für 2024 zu hintertreiben. Einziger Konkurrent des DFB ist bekanntlich die Türkei, die Entscheidung über den Zuschlag fällt im September, Rassismusvorwürfe gegen den deutschen Verband sind sicher nicht hilfreich, um sich vor der Uefa als herzlicher Gastgeber zu präsentieren. Dennoch dürften diese Interpretationen schon sehr in Richtung Verschwörungstheorie weisen und spiegeln erneut nur die Erzählung wider, hier würden Berater auf Özils Rücken ihr eigenes Ding machen. Özil redet bekanntlich nicht gern, Auftritte in der Öffentlichkeit sind nicht seine Sache, aber er ist dennoch ein 29-jähriger erwachsener Mensch, der wissen dürfte, was er will. Auch wenn er bei den Formulierungen Hilfe in Anspruch nimmt.

Spielerberater Roland Eitel

Spielerberater Roland Eitel

Foto: imago/Eibner

Schließlich hat Özil im Lauf seiner Karriere bereits unterschiedliche Beratungen kennengelernt, angesteuert und auch wieder beendet. Jahrelang hatte sein Vater die geschäftlichen Beziehungen des Fußballers gemanagt, er hat die Wechsel von Schalke 04 zu Werder Bremen und nach der WM 2010 zu Real Madrid eingefädelt. 2013 haben sich Vater und Sohn im Streit getrennt, Özil suchte danach den Rat des erfahrenen Roland Eitel, des Mannes, der sich auch schon um die Belange von Joachim Löw und Jürgen Klinsmann gekümmert hatte.

Im Vorjahr kam der Kontakt zu Sögüt zustande - der mittlerweile in allen drei Firmen drinsteckt, die sich um Özil kümmern. Die Firma Family & Football, die auch die Angelegenheiten von Ilkay Gündogan regelt, die Özil Marketing GmbH, die ihren Sitz in Ratingen hat, und die Hannoveraner Firma ARP Sportmarketing GmbH, die bei möglichen Transfers eingebunden ist. Dass Sögüt und Özil darüber auch mit ARP-Geschäftsführer Harun Arslan, dem langjährigen Berater von Bundestrainer Joachim Löw, verbandelt sind, verleiht der Angelegenheit eine gewisse Brisanz. Wobei der Kontakt zwischen Arslan und Özil lediglich über Sögüt laufe, heißt es.

Konstanten in dem Netzwerk sind lediglich Özils Bruder Mutlu, seit eh und je Geschäftsführer im Managementteam Özils, und Cousin Serdar, der ebenfalls in der Marketingfirma für den Fußballer arbeitet. "Wir haben diese Rücktrittsentscheidung gemeinsam getroffen. Mesut hat über das Thema viel nachgedacht", wird Bruder Mutlu in der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Das klingt nicht wirklich fremdbestimmt. Aber wem soll man glauben?

Mutlu hat auch gesagt: "Wir sind nicht gekränkt. Wir leben in Deutschland und sind Türken. Wir haben zwei Verbindungen." Es wäre schön, wenn es so einfach wäre.

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