TV-Experte Ballack Annäherung über 5000 Kilometer

Michael Ballack ist wieder da! Als Vertretung von ZDF-Experte Oliver Kahn analysierte der ehemalige Nationalmannschaftskapitän den Auftritt des DFB-Teams in Kasachstan. Wie machte Ballack seinen Job? Und wie würde er mit dem Bundestrainer umgehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

ZDF-Experte Ballack: "Nicht verletzen, das ist das Wichtigste"
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ZDF-Experte Ballack: "Nicht verletzen, das ist das Wichtigste"

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Für einen Moment wirkte Joachim Löw verwirrt. Er drehte sich nach rechts, er schaute links, der Bundestrainer suchte Kathrin Müller-Hohenstein, aber er fand sie nicht. "Ja, Joachim Löw, da wollen wir uns doch mal kurz einmischen", rief die ZDF-Moderatorin, und während Löw das Studio in Astana, Kasachstan, nach Müller-Hohenstein absuchte, wurde klar, wen sie mit "wir" meinte: Im Studio in Mainz, Deutschland, stand neben Müller-Hohenstein: Michael Ballack.

Da war sie für einen Moment, diese Spannung: Was war wohl mit Einmischung gemeint? Kam sie jetzt, die große Abrechnung von Ballack? Okay, unrealistisch. Aber wenigstens etwas Kritisches? Warum denn auch nicht! Das da in Mainz war doch der nicht gerade freiwillig aus der Nationalmannschaft geschiedene Ex-Capitano und in Astana, 5000 Kilometer entfernt und doch so nah, stand der Mann, der diesen Abschied befördert hatte. Nun guck doch wenigstens nicht so freundlich, dachte man da. Aber Ballack sagte nichts. Er lächelte nur.

Michael Ballack im ZDF - der Auftritt des ehemaligen DFB-Kapitäns war das Interessanteste an diesem Länderspielabend, der für die Zuschauer ansonsten ein erwartet zähes Spiel mit einem erwartbaren Ergebnis gebracht hatte. Was aber bedeutet die Rückkehr Ballacks? Fragen und Antworten im Überblick.

Wie wurde Michael Ballack zum ZDF-Experten?

Stammspieler im Zweiten ist als Analytiker eigentlich Oliver Kahn. Doch der Torwart hatte einen wichtigen Termin in Südafrika für seine Stiftung - und so wurde Ballack angefragt und eingewechselt. Das ZDF betont: Ballacks Engagement war eine einmalige Sache. Ganz unerfahren ist der ehemalige Mittelfeldspieler auf dieser Position aber nicht. Für den US-Sender ESPN war Ballack während der EM 2012 als Experte im Einsatz.

Wie war der Auftritt so?

Souverän. Abgeklärt. Unauffällig. Und vor allem: ohne Fouls und fiese Grätschen. Ballack wirkte entspannt - und ließ sich nicht ein einziges Mal zu einer Spitze gegen Löw hinreißen. (Jedenfalls nicht während des Spiels, aber dazu weiter unten mehr.) Stand in der fachlichen Analyse nicht hinter Kahn zurück, äußerte seine Sympathie für einen klassischen Mittelstürmer.

Welche Aussagen bleiben?

  • "Ob das Modell ohne Stürmer eins für die Zukunft ist, wage ich zu bezweifeln." (Über das Spielsystem)
  • "Ich war jahrelang Spieler. Da kann man sich in die Lage hineinversetzen, wenn man nachts um 12 Uhr spielen muss." (Über die späte Anstoßzeit)
  • "Wir haben kein schlechtes Verhältnis." (Über Joachim Löw)

Und wie ging es mit Löw weiter?

Der Bundestrainer, das war der Nachrichtenwert der Sendung, gab vor laufenden Kameras bekannt, Ballacks Einladung zu dessen Abschiedsspiel Anfang Juni in Leipzig zu folgen. Auch hätten beide bereits telefoniert, so Löw - und würden das sicher auch noch einmal tun, so Ballack.

Noch mal, keine Spitzen?

Wer mochte, konnte einen einzigen Satz als kleine, gemeine Anspielung verstehen. Ballack sagte, als es um die Zeit bis zu seinem Abschiedsspiel ging: "Nicht verletzen. Nicht verletzen bis zum 5. (Juni; dem Datum des Spiels; die Red.). Ist wichtiger." Ballack weiß, wie wichtig es ist, sich nicht zu verletzen. Wer verletzt ist, verpasst manchmal eine Weltmeisterschaft wie der Capitano nach dem Boateng-Foul 2010.

Und kaum dass man sich versieht, hat die Verletzung auch die Karriere in der Nationalmannschaft beendet.

insgesamt 25 Beiträge
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arjenrobben 23.03.2013
1. Boaah eh, Mann ...
... war das zäh gestern. Wenn da nicht die schönen National-Farben der Kasachen, der grüne Rasen in HD und die netten Jura-Studenten gewesen wären, hätt' man glatt abklappen können. Gut, dass da noch Michael Ballack war, der hielt die Spannung hoch (ein bisschen) ob der Erwartung einer Verbal-Attacke gegen den Bundestrainer. Fehlanzeige und gut so! Parkettsicher, wortfest und ohne Florett bestand MB gegen Löw und KHM ;-).
Björn Borg 23.03.2013
2. Optional
Liebes ZDF, bitte kündigt Oliver Kahn schleunigst den Co-Moderatoren-Vertrag und macht mit Michael Ballack weiter. Ruhig, sachlich, kompetent und ohne jegliche Phrase äußerte er sich trotz der von allem Sachverstand verschonten Moderatorin zum Spiel. Peinlich war nur, liebes ZDF, die Live-Verbindung zwischen Ballack und Löw. So etwas macht in Zukunft doch lieber bei 'Leute heute' - und dort sollte auch diese Dame zukünftig bitte arbeiten. Danke.
vask 23.03.2013
3. Naja...
also mit dem Bonus für's erste Mal war es akzeptabel. Sowohl Kahn als auch Scholl wirken aber wesentlich souveräner. Bei denen hat man das Gefühl, sie wissen, was sie sagen wollen. Bei Ballack hatte ich nur das Gefühl, dass er krampfhaft versucht überhaupt was zu sagen, damit man ihn nicht gleich wieder rauswirft wegen Arbeitsverweigerung.
balestra 23.03.2013
4.
Zitat von Björn BorgLiebes ZDF, bitte kündigt Oliver Kahn schleunigst den Co-Moderatoren-Vertrag und macht mit Michael Ballack weiter. Ruhig, sachlich, kompetent und ohne jegliche Phrase äußerte er sich trotz der von allem Sachverstand verschonten Moderatorin zum Spiel. Peinlich war nur, liebes ZDF, die Live-Verbindung zwischen Ballack und Löw. So etwas macht in Zukunft doch lieber bei 'Leute heute' - und dort sollte auch diese Dame zukünftig bitte arbeiten. Danke.
als noch unter fünfzig jähriger und zwangsgebührenzahler *verlange* ich, dass der kahn irgendwo ruhig und leise schaukeln soll - michael ballak hat das allemal besser gemacht und wesentlich mehr "leben" in diese hohenstein-ermüdungs-sendung gebracht!
06paul 23.03.2013
5. Ballack war echt souverän
Respekt. Hätte ich nicht gedacht nach diesen Fouls, die von offizieller Seite gemacht wurden. Wäre gut , wenn man Ballack nicht weiter verstecken würde, nur weil er einigen Offiziellen auf die Füße getreten ist. Der jetzige Umgang miteinander tut allen gut.
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