Millionen-Defizit Rummenigge kritisiert BVB-Finanzpolitik

Für Karl-Heinz Rummenigge kommen die Dortmunder Finanzprobleme nicht unerwartet. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München stellt beim BVB ein zu laxes Geschäftsgebaren fest. Grundsätzlich sei der Revierclub jedoch in der Lage, die Krise zu meistern.


Bayern-Boss Rummenigge: "Nicht gut, was da in Dortmund passiert"
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Bayern-Boss Rummenigge: "Nicht gut, was da in Dortmund passiert"

München - "Man kann eben nicht mit Einnahmen kalkulieren, die womöglich nicht eintreffen", sagte Rummenigge der Münchner Tageszeitung "Merkur". Erstaunt sei er über die finanzielle Schieflage beim BVB nicht, so der Bayern-Boss: "Der BVB hat immer in Größenordnungen wie der FC Bayern agiert. Es ist in unserem Geschäft nun mal so: Sportlicher Erfolg gleich finanzieller Erfolg. Und wenn der sportliche mal nicht da ist, wie bei Dortmund im Moment, wirkt sich das auf die Kassenlage aus."

Aufgrund entgangener Einnahmen aus dem Europapokal muss Dortmund diese Saison mit einem Minus von rund 36 Millionen Euro rechnen. Die Verantwortlichen hatten bereits angekündigt, dass der Club Spieler verkaufen müsse, sollte die Qualifikation für die Champions League erneut verpasst werden. Derzeit trennen die Borussia zehn Punkte von einem CL-Platz. Spielmacher Tomas Rosicky ist beim FC Chelsea im Gespräch, sein Transfer soll rund 25 Millionen Euro bringen.

Rummenigge empfindet jedoch kein Freude daran, dass ein direkter Konkurrent seines Clubs in großen Schwierigkeiten steckt. "Natürlich ist es für die Liga nicht gut, was da in Dortmund passiert, weil die Borussia nach dem FC Bayern die erfolgreichste Mannschaft national und international ist. Wir sind daran interessiert, dass wir starke Konkurrenz haben und der Wettbewerb funktioniert", sagte Rummenigge und betonte: "Wir haben keine Probleme, und das wird sich nicht ändern, weil wir immer eine konservative Ausgabenplanung machen."

"Dortmund wird Probleme lösen"

Rummenigge schloss auch mit Blick auf die Borussia einen baldigen Börsengang der Münchner aus. "Die Philosophien sind schwer in Einklang zu bringen. Wir haben uns auch deshalb für unseren Weg entschlossen, weil wir hier nicht jeden Tag mit Analysten zu tun haben wollen, denen wir eine Story verkaufen müssen. Wir wollen uns auf das Kerngeschäft Fußball konzentrieren und nicht schauen, wie unsere Aktien gehandelt werden", so Rummenigge.

Insgesamt glaubt Rummenigge jedoch, dass Dortmund sich aus der Notlage befreien werde. "Die Probleme, die die Borussia hat, werden die Herren Niebaum und Meier (Präsident und Manager; Anm. d. Red.) lösen, und entsprechend sind das im gesamteuropäischen Vergleich kleine Probleme. Die Bundesliga steht von den großen Ligen in Europa mit Abstand am besten da. Sie hat kleine Probleme gegenüber Italien, Spanien, England, Frankreich und wird einer der Gewinner im momentanen Bereinigungsprozess sein."



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