Millionendeal Kuranyi wechselt nach Schalke

Pünktlich zum Start des Konföderationen-Cups hat Kevin Kuranyi die Spekulationen um seine sportliche Zukunft beendet: Der Nationalstürmer wechselt vom VfB Stuttgart zum FC Schalke 04. Mit den Königsblauen hat der Angreifer große Pläne.


Nationalspieler Kuranyi: "Viele Titel gewinnen"
DDP

Nationalspieler Kuranyi: "Viele Titel gewinnen"

Hamburg - "Ich habe einen Fünf-Jahres-Vertrag bei Schalke unterschrieben und freue mich wahnsinnig auf den Club. Fünf Jahre sind Zeit genug, um alle Ziele zu erreichen. Ich will mit Schalke viele Titel gewinnen", sagte Kuranyi in einem Interview der "Bild am Sonntag".

"Kevin ist der Stürmer Nummer eins in Deutschland. Von seiner Art und Weise, wie er Fußball spielt, passt er 100-prozentig zu Schalke. Er ist einer, der sich auf dem Platz 90 Minuten lang auskotzt und für die Mannschaft arbeitet", lobt Schalkes Manager Andreas Müller.

Der Wechsel des 23-Jährigen zum Zweiten der abgelaufenen Bundesliga-Saison galt bereits länger als beschlossene Sache. Dass der Stürmer seinen Abschied aus Stuttgart nun bekannt gab, hängt wohl mit dem Start des Konföderationen-Cups (15. bis 29. Juni) zusammen. "Ich bin froh, dass es jetzt raus ist und ich mich auf den Confed-Cup konzentrieren kann. Mein Kopf ist endlich wieder frei", wird Kuranyi in der Zeitung zitiert.

Etwas verärgert äußerte sich Kuranyi über seinen Ex-Arbeitgeber, der ihm den Wechsel offenbar nicht schwer gemacht habe. "In den letzten Wochen kam nicht ein Anruf vom Präsidium. Keiner hat mir gezeigt, dass man mich halten will. Das hat mich sehr enttäuscht."

Seitenhieb auf die Stuttgarter Fans

Und auch über die eigenen Fans verlor der Stürmer keine netten Worte: "Bremen wurde nach dem Double-Gewinn nur Dritter, und trotzdem haben die Fans gejubelt. Aber in Stuttgart wirst du sogar als Dritter ausgepfiffen. Das ist mir unerklärlich. Das werde auf Schalke anders. "Meine Kumpels Marcelo Bordon und Gerald Asamoah haben mir schon vorgeschwärmt von den Fans. Bei Schalke sind alle wie eine Familie. Ich bin stolz, dass ich jetzt dazu gehöre."

In Stuttgart dürfe ihm niemand böse sein, sagt Kuranyi. Denn der Verein bekomme mehr Geld für den Transfer als er ihm in all den Jahren an Gehalt gezahlt habe. "Die machen den größten Transfer der Vereinsgeschichte. Ich hätte 2004 sogar ablösefrei gehen können. Aber ich wollte in Stuttgart bleiben, deshalb habe ich vor rund eineinhalb Jahren auch meinen Vertrag verlängert", erzählt der Stürmer.

Selbst das hatte die Schalker nicht abgehalten, weiter Kontakt zu Kuranyi zu halten. "Regelmäßig haben sich Rudi Assauer und Andi Müller bei mir gemeldet", sagt Kuranyi. "Das hat mir immer gezeigt: Die wollen mich wirklich und kämpfen um mich. Ich fand das sehr beeindruckend."

VfB-Präsident Erwin Staudt reagierte gereizt auf diesen Vorwurf. "Ich kann dieses Gerede nicht mehr hören. Wir haben immer gesagt, dass wir ihn behalten wollen. Kevin hatte einen sehr guten Vertrag, und wir haben die Mannschaft in diesem Jahr auch weiter verstärkt. Von daher waren aus meiner Sicht alle Voraussetzungen geschaffen, das Kevin in Stuttgart bleibt", so Staudt in einer ersten Erklärung. "Wer mit offenen Augen durch die Welt geht und in den letzten Monaten zwischen den Zeilen las, konnte sich ausrechnen, wohin die Reise geht", erklärte Staudt.

VfB sucht Ersatz

Die Ablösesumme für den Angreifer, der in für den VfB in 99 Bundesliga-Spielen 40 Tore erzielt hat, soll bei sieben Millionen Euro liegen. Kuranyis Vertrag mit dem VfB beinhaltete eine Ausstiegsklausel für den Fall, dass die Schwaben die Qualifikation für die Champions League verpassen sollten.

Neben einem neuen Stürmer - im Gespräch sind der Schweizer Nationalstürmer Alex Frei (Stade Rennes) und der Nürnberger Torschützenkönig Marek Mintal - muss der sich VfB, der in der kommenden Saison nur im Uefa-Cup spielen wird, auch nach einem Trainer umsehen. Mathias Sammer war vor acht Tagen entlassen worden. Als Top-Kandidat gilt der Österreicher Walter Schachner (Grazer AK).



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