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18. August 2015, 16:23 Uhr

Lazio-Stürmer Klose

Einmal noch König

In seiner womöglich letzten Profisaison kann Miroslav Klose noch einmal Champions League spielen. Dazu muss der 37-Jährige mit Lazio Rom in den Playoffs Bayer Leverkusen schlagen. Zuzutrauen ist es ihm.

Der bisher letzte Champions-League-Einsatz von Miroslav Klose liegt fast fünf Jahre zurück. Am 28. September 2010 gewann der FC Bayern München sein Gruppenspiel beim FC Basel in der Schweiz 2:1. Der Trainer in München hieß Louis van Gaal, und Klose, damals hinter Mario Gomez eher Stürmer Nummer zwei, spielte unauffällige 77 Minuten, ehe er für den Ukrainer Anatolij Tymoschtschuk ausgewechselt wurde. Das bittere 2:3 am 15. März 2011, das Achtelfinal-Aus gegen Inter Mailand in München, verfolgte Klose von der Ersatzbank.

Es war ein wenig glamouröses Ende für Klose in der Königsklasse, aber immerhin nur ein vorläufiges, wie sich nun herausstellt. Der Angreifer hat seine Karriere einfach so lange fortgesetzt, bis sich eine neue Chance bot. Am Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE, TV: Sky und ZDF) empfängt der ehemalige Nationalspieler, der wohl auf ewig von den Nachrichtenagenturen diese Landes mit dem "Weltmeister"-Zusatz versehen wird, mit Lazio Rom Bayer Leverkusen. Der ewige Klose kann noch einmal richtig Champions League spielen.

Mit 37 Jahren.

"Lazio ist eine Mannschaft mit viel individueller Qualität, die aber vor allem als Team sehr gut funktioniert. Sie können sehr gut umschalten und haben drei schnelle Spitzen", sagt Leverkusens Roger Schmidt, und es ist keineswegs böse, wer ihm bei diesem Satz unterstellt, nicht zuerst an Klose zu denken. Schnelligkeit, das ist inzwischen eher die Sache von Antonio Candreva und Felipe Anderson. Klose, der seine womöglich letzte Saison bei Lazio absolviert, schießt Tore. Immer noch.

An die Quoten seiner großen Bremer Zeiten (89 Ligaspiele, 53 Tore, 39 Assists) kommt er natürlich nicht mehr heran. Doch in der Serie A, wo mit Luca Toni ein weiterer Ex-Bayer immer noch Angst und Schrecken verbreitet, reicht es mit schöner Regelmäßigkeit zu einer zweistelligen Torausbeute. Die Fitness, das Arbeitsethos, der Spaß - das alles ist bei ihm immer noch groß. So groß, dass er im vergangenen Sommer zwar aus der Nationalelf zurückgetreten ist, bei Lazio seinen Vertrag aber verlängerte. Der neue läuft bis 2016.

"Ein unfassbar guter Stürmer" sei Klose, sagte Bayers Hakan Calhanoglu der "Welt". Leverkusens Rückkehrer Christoph Kramer, der vor seinem ersten Champions-League-Einsatz steht und 2014 in Brasilien gemeinsam mit Klose den Titel geholt hatte, nennt ihn einen tollen Stürmer. Beim Bundesligisten weiß man, dass ihnen der alte Mann der Italiener den Traum von der Gruppenphase zerstören kann.

Das erst in der zweiten Hälfte souveräne 2:1 am ersten Bundesligaspieltag gegen 1899 Hoffenheim soll eigentlich Selbstvertrauen geben für die harte Aufgabe in den Playoffs. Der Tabellendritte der Serie A hat sich in den vergangenen Jahren hinter Serienmeister Juventus und Stadtrivale AS Rom zur dritten Kraft in Italien entwickelt.

"Lazio spielt nicht typisch italienisch", sagt Schmidt. "Außerdem haben sie ein Heimspiel und wollen sich eine gute Basis für das Rückspiel legen. Ich glaube, dass es ein sehr gutes Spiel werden kann." Der Coach erwartet einen eher offensiv ausgerichteten Gegner. Fest eingeplant auch unter Trainer Stefano Pioli: Klose.

Den italienischen Ligapokal hatte Lazio in Shanghai mit Klose als zentraler Spitze im 4-3-3-System trotzdem gegen Juventus 0:2 verloren. Für den Angriff auf den Meister wäre die Champions-League-Teilnahme, die erste seit 2007, und die damit garantierten Millionen wichtig. Der ehemalige Bundesligaspieler und heutige Lazio-Sportchef Igli Tare muss dafür Stars wie Kapitän Lucas Biglia, die längst das Interesse anderer Vereine geweckt haben, halten.

Da ist einer wie DFB-Rekordtorjäger Klose ein Segen. Ein abermaliger Vereinswechsel am Ende der Saison ist wohl ausgeschlossen. Selbst bei einem wie ihm.

Lazio Rom - Bayer Leverkusen
(Anstoß 20.45 Uhr in Rom)
Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:
Lazio: Berisha (Marchetti) - Basta, de Vrij, Gentiletti, Radu - Cataldi, Biglia, Parolo - Candreva, Klose, Felipe Anderson
Leverkusen: Leno - Hilbert, Tah, Papadopoulos, Wendell - Kramer, Bender (Aránguiz) - Bellarabi, Calhanoglu, Son - Kießling
Schiedsrichter: Jonas Eriksson (Schweden)

chp/dpa

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