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Misserfolgsserie Hertha trennt sich von Trainer Favre

Sechs Niederlagen in Folge, dazu das Aus im Pokal: Hertha BSC Berlin ist katastrophal in die Saison gestartet - das hat Trainer Lucien Favre jetzt seinen Job gekostet. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Hamburg - Hertha BSC Berlin hatte am Sonntag beim 1:5 bei 1899 Hoffenheim in der Bundesliga zum sechsten Mal in Folge verloren und steht derzeit auf dem letzten Tabellenplatz. Zudem schieden die Berliner am vergangenen Mittwoch bereits in der zweiten Runde des DFB-Pokals beim Zweitligisten 1860 München aus. Montagmittag hatte der Verein eine Krisensitzung abgehalten, dort wurde die Trennung von Lucien Favre und Harald Gämperle beschlossen.

Die Verantwortlichen des Hauptstadtclubs teilten am Montag mit, dass das Trainerteam "mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden" wurde. "Vor allem die letzten beiden Niederlagen in der Bundesliga mit neun Gegentoren haben mich zu der Überzeugung gebracht, dass dieser Schritt notwendig ist", sagte Herthas Manager Michael Preetz: "Es hat sich alles verkehrt, was in der letzten Saison geklappt hat."

Das Training der Mannschaft wird interimsmäßig von U23-Coach Karsten Heine geleitet. Heine wird die Mannschaft wohl auch in den wichtigen Spielen am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon (21.05 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE ) sowie am Sonntag im Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (17.30 Uhr) betreuen.

Neben der sportlichen Krise soll auch das gestörte Verhältnis von Favre zur Mannschaft ein Grund für die Trennung gewesen sein. Spielern wie Arne Friedrich wurde zuletzt vorgeworfen, sie würden gegen den Trainer spielen. Gämperle hatte noch am Montag, wenige Stunden vor der Entlassung, moniert: "Es kann nicht sein, dass einige Spieler hinter dem Rücken Politik machen. Wenn einige Akteure zwei-, dreimal hintereinander so schlecht spielen, dann muss man sich schon fragen, welche Interessen die Spieler haben."

Ein weiterer Grund für die sportliche Talfahrt ist die Personalpolitik des Vereins. Mit Marko Pantelic und Andrej Woronin wurden die Leistungsträger in der Offensive sowie der Abwehrchef Josip Simunic abgegeben. Hinzu kommt, dass der Coach bei Neueinkäufen kein glückliches Händchen bewies. Zudem erwies sich Favre als schlechter Krisenmanager. Nach dem Abpfiff in Hoffenheim versammelte er seine Spieler 40 Minuten in der Kabine. Dabei soll jedoch kaum gesprochen worden sein. Als die Spieler anschließend die Kabine verlassen durften, verweigerten sie jegliche Aussage. Ein offensives Krisenmanagement wäre in dieser Situation angebrachter gewesen.

Im Juni 2007 war Favre, der einen Vertrag bis 2011 besaß, als Wunschtrainer des damaligen Hertha-Managers Dieter Hoeneß aus der Schweiz nach Berlin gekommen. Mit dem FC Zürich war der 51-Jährige zuvor zweimal Meister geworden. In seinem ersten Jahr belegte der Ex-Profi mit Hertha den zehnten Platz. Im zweiten Jahr spielte sein Team lange um den Titel, ehe man als Vierter Meisterschaft und Champions League verpasste. Als mögliche Nachfolgekandidaten werden derzeit die üblichen Verdächtigen gehandelt: Die ehemaligen BSC-Trainer Jürgen Röber und Hans Meyer. "Wir sind dabei, ein Anforderungsprofil zu erstellen und lassen uns dabei die gebotene Zeit", so Preetz.

mig/sid