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Unentschieden gegen Wolfsburg: Gladbach überholt Dortmund

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Mönchengladbach Starkes Spiel, wütender Trainer

Mönchengladbach und Wolfsburg lieferten sich ein packendes Spiel, beide Mannschaften hätten es gewinnen können. In der Tabelle überflügeln die Gladbacher sogar Dortmund - trotzdem ist Trainer Lucien Favre stinksauer. Er hat einen guten Grund.

Es war eine verwirrende Darbietung, mit der Lucien Favre sich am Sonntagnachmittag in die Winterpause verabschiedete. Der Trainer von Borussia Mönchengladbach hatte soeben ein wunderbares Fußballspiel gesehen, mit dem sein Team eine sensationell gute Hinserie beendete, und doch feuerte er nach dem Abpfiff erst mal eine Wasserflasche auf den Boden. "Merde", schimpfte er auf dem Weg in die Kabine, und selbst eine halbe Stunde später wirkte der Schweizer noch so, als befinde er sich am Rande des Kontrollverlustes.

Er sei "sehr enttäuscht", sagte Favre immer wieder, und als er nach den Gründen für seine innere Unruhe gefragt wurde, führte er das späte Wolfsburger Ausgleichstor zum 2:2-Endstand an. "Wenn man die Torchancen zum 3:1 nicht macht, muss man das 2:1 halten. Unbedingt!", zürnte er. Die Zuhörer waren sich später allerdings einig, dass Favre wohl noch einen anderen Grund hatte, enttäuscht zu sein.

Torhüter Marc-André ter Stegen - der gegen Wolfsburg einmal mehr exzellent hielt - hatte angekündigt, sich bis Weihnachten zu entscheiden, ob er seinen 2015 endenden Vertrag verlängern werde, oder ob er darauf drängt, den Club im Sommer zu verlassen. Angeblich liegt ein Angebot des FC Barcelona vor, und als Favre gefragt wurde, ob der Spieler ihn schon in seine Pläne eingeweiht habe, erwiderte er: "Es ist für mich extrem schwer, darüber zu sprechen."

Später schob er noch ein "Niemand weiß, alle hoffen" hinterher, aber das klang alles eher halbherzig. Ganz so, als habe ter Stegen intern bereits kundgetan, dass er zumindest dazu tendiert, eine neue Herausforderung zu suchen.

Mönchengladbachs "brutale Qualität"

Sollte es tatsächlich so kommen, dann verlässt er eine bestens funktionierende Mannschaft, die auf dem dritten Tabellenplatz überwintert und derzeit wie ein echtes Spitzenteam spielt. "Das war ein super Fußballspiel von zwei Mannschaften, die im Moment mit richtig viel Selbstvertrauen spielen", sagte Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking nach einer Partie, die hin- und herwogte, die von beiden hätte gewonnen werden können und die mit einem gerechten Unentschieden endete.

Nach einer niveauvollen, aber torlosen ersten Halbzeit war Wolfsburg durch Diego in Führung gegangen (53. Minute), was die Mönchengladbacher zu einem zwischenzeitlichen Offensivfeuerwerk anstachelte.

Als Reaktion auf diesen Rückstand sei die "brutale Qualität" der Borussia erkennbar geworden, meinte Hecking. Raffael krönte eine sehenswerte Einzelaktion mit einem satten Schuss zum 1:1 (59.), bevor Juan Arango einen Freistoß zum 2:1 in den Winkel des Wolfsburger Tores zwirbelte (64.).

Danach vergaben die Gladbacher gute Möglichkeiten zum 3:1, was dem eingewechselten Bas Dost den späten Ausgleich ermöglichte (85.) und den Frustrationsausbruch des Gladbacher Trainers initiierte. Die meisten anderen Gladbacher waren angesichts der erfreulichen Gesamtsituation weniger betrübt. "Manche Leute sind jetzt enttäuscht, dass wir 2:2 gespielt haben", sagte Sportdirektor Max Eberl, "aber wir müssen jetzt realistisch bleiben und dürfen nicht durchknallen."

Gegenläufige Entwicklung der beiden Borussias

Immerhin hat sein Team bis auf diese eine Partie alle Heimspiele der Saison gewonnen. Und die Perspektiven für die Rückrunde sind wunderbar, weil Favres Kollektiv großartig funktioniert und zuletzt eine ordentliche Serie hingelegt hat. "In den acht Spielen, die wir jetzt nicht verloren haben, wächst vieles zusammen, davon haben wir heute profitiert", sagte Eberl. Und die Rückrunde beginnt mit dem großen Spiel gegen den FC Bayern, auf das die Vorfreude schon jetzt spürbar war.

Die im Jahr 2013 in der Bundesliga unbesiegten Münchner reisen dann zu einem echten Spitzenspiel an, denn der eine Punkt reichte den Gladbachern zumindest, um die andere Borussia aus Dortmund in der Tabelle zu überflügeln. Der BVB hat in diesem Herbst nämlich exakt die gegenläufige Entwicklung zu Gladbach erlitten. Das Selbstvertrauen ist in den zurückliegenden Misserfolgswochen immer weiter geschrumpft, und es gab immer neue Verletzte. Favre konnte hingegen zum siebten Mal in Folge mit derselben Startelf beginnen.

Inzwischen stehen selbst die Wolfsburger nur noch zwei Punkte hinter Dortmund und dürfen sich über die beste Hinrunde ihrer Bundesliga-Geschichte freuen. "Wir haben uns wahnsinnig entwickelt", sagte Hecking, kündigte allerdings an, dass die Freude darüber in Wolfsburg "unterkühlt norddeutsch" ausgelebt werde. Das war natürlich ein Scherz, aber gelassener als Favre wirkte Hecking nach diesem großartigen Fußballnachmittag allemal.

Borussia Mönchengladbach - VfL Wolfsburg 2:2 (0:0)
0:1 Diego (53.)
1:1 Raffael (59.)
2:1 Arango (64.)
2:2 Dost (85.)
Mönchengladbach
: ter Stegen - Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann (87. Hrgota), Arango - Raffael (90.+3 de Jong), Kruse
Wolfsburg: Benaglio - Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez - Luiz Gustavo, Medojevic (71. Perisic) - Daniel Caligiuri (87. Koo), Arnold, Diego - Olic (79. Dost)
Schiedsrichter: Perl
Zuschauer: 53.301 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Wendt - Ochs (5), Diego (7), Daniel Caligiuri (2)