Transfer-Großmeister Monchi Der "Messi der Büros" ist zurück in Sevilla

Seine Transfers haben ihn zum legendärsten Sportdirektor Europas gemacht. Jetzt ist Ramón Rodríguez Verdejo, genannt Monchi, zum FC Sevilla zurückgekehrt. Kann er die Wunder der Vergangenheit wiederholen?

Ramon Rodriguez Verdejo alias Monchi bei der Pressekonferenz zu seiner Rückkehr nach Sevilla
Jose Manuel Vidal/EPA-EFE/REX

Ramon Rodriguez Verdejo alias Monchi bei der Pressekonferenz zu seiner Rückkehr nach Sevilla

Von Florian Haupt, Barcelona


Es ist ein Jahr des Abschieds und der Rückkehr beim Sevilla Fútbol Club; eines, in dem sich Vergangenheit und Zukunft besonders nahe sind. Im vergangenen Monat starb mit Roberto Alés jener Ex-Präsident, der im Jahr 2000 einen bankrotten Zweitligisten am Leben erhielt. Alés war es damals, der den Trainer Joaquín Caparrós einstellte sowie Ersatztorwart und Teambetreuer Ramón Rodríguez Verdejo, genannt Monchi, zum Sportdirektor beförderte.

Der Rest ist Geschichte. Mit Monchis Expertise stieg Sevilla zu einer führenden Adresse im europäischen Fußball auf. Innerhalb einer Dekade - 2006 und 2007 sowie von 2014 bis 2016 - gewann man die Rekordzahl von fünf Titeln in der Europa League, dem früheren Uefa-Pokal.

"Mehr Sevillista als Sportdirektor"

Monchi, der mittlerweile 50 ist, verfolgte die Finals von seinem liebsten Tribünenplatz: inmitten der Fans. "Letztlich bin ich wesentlich mehr Sevillista als Sportdirektor", hat er mal gesagt, doch vor zwei Jahren setzte er seinen alten Wunsch um, mal etwas anderes auszuprobieren. Der "Messi der Büros", wie er in Spanien auch genannt wird, ging nach Italien zur AS Rom.

In Sevilla konnte ihn sich niemand scheiternd vorstellen, doch in Rom bewerteten sie es so - trotz Erreichen des Champions-League-Halbfinals in seiner einzigen vollen Saison. Als vor drei Wochen gegen seinen Willen Trainer Eusebio Di Francesco gefeuert wurde, löste Monchi seinen Vertrag in Italien auf. Arsenal London wollte ihn. Aber am 1. April fängt er wieder in Sevilla an. "Das Herz vergisst nie, wo es am lautesten geschlagen hat", sagt Monchi.

Monchi holte Spieler wie Dani Alves und Ivan Rakitic

In der Fußballgeschichte gibt es mythische Präsidenten, Manager und Trainer. Aber Sportdirektoren? Dafür muss einer ganz schön lange ganz schön viele wirkungsvolle Transfers hinkriegen. Immer wieder entdecken, im richtigen Moment verkaufen und sogleich adäquat ersetzen. Monchi half dabei eine bewunderte Scouting-Abteilung und eine klare Definition davon, was Sevilla sein konnte und was nicht.

Ivan Rakitic nach dem Gewinn der Europa League 2014 mit dem FC Sevilla
AFP

Ivan Rakitic nach dem Gewinn der Europa League 2014 mit dem FC Sevilla

Von Dani Alves (gekauft 2003 für 550.000 Euro, verkauft 2008 für 35,5 Millionen Euro) bis Ivan Rakitic (gekauft 2011 für zwei Millionen Euro, verkauft 2014 für 20 Millionen Euro) - wenn ein Spieler den nächsten Schritt gehen wollte, begleitete ihn viel Dankbarkeit, aber keine Sentimentalitäten. Entscheidend war, was er in Sevilla geleistet hatte, und das war oft mehr als anderswo. Das familiäre Vereinsambiente gilt als zweite Säule der Monchi-Philosophie.

Vor wegweisenden Partien

Nun hat seine Rückkehr eine angespannte Stimmungslage beruhigt - ähnlich wie die Rückkehr Zinédine Zidanes zu Real Madrid. Trotz des größten Etats der Vereinsgeschichte - 190 Millionen Euro - spielt Sevilla die schwächste Saison seit Langem. Kürzlich verloren die Andalusier gegen Underdog Slavia Prag erstmals seit 2011 wieder eine K.-o.-Runde in der Europa League. Im Pokal setzte es ein 1:6 in Barcelona.

In der Meisterschaft liegt man hinter Außenseitern wie Getafe und Alavés nur auf Rang sechs. Unter anderem gegen diese beiden Teams geht es in den nächsten drei Wochen, außerdem kommt der Tabellenachte, Betis Sevilla, zum feurigsten Derby Spaniens und als Erstes an diesem Sonntag (16.15 Uhr) der Siebte Valencia zum wegweisenden Duell um die vielleicht letzte Chance auf jenen Platz vier, der für beide Klubs das natürliche Saisonziel ist.

Caparrós ist der Jupp Heynckes von Sevilla

Für die Enttäuschungen bezahlen musste nach dem Prag-Spiel schon Pablo Machín, der als dritter Trainer in eineinhalb Jahren gefeuert wurde. Wie zum Ende voriger Saison übernahm der 63-jährige Caparrós, zwischen 2000 und 2005 ein Grundlagenarbeiter für die späteren Erfolge. Er ist inzwischen eine Art Jupp Heynckes von Sevilla - stets bereit auszuhelfen - mit der ein oder anderen Eigenheit: In seiner Zeit bei Mallorca zeigte er zur Motivationshilfe mal einen Pornofilm.

Weil der erste Sportdirektor nach 17 Jahren Monchi, Óscar Arias, auch nur eine Saison schaffte, hatte Caparrós zuletzt diesen Posten inne. Jetzt sitzt er wieder am Spielfeldrand, "der Trainingsanzug steht mir besser", sagt er. Ob er über Saisonende hinaus bleibt, wird man sehen. Er würde gern, sagt Caparrós.

Aber entscheiden wird natürlich Monchi. "Viel mehr als ein Sportdirektor", nannte ihn Präsident Pepe Castro zur Rückkehr, derweil Monchi cool der Legende begegnete, es werde nie wieder so gut wie beim ersten Mal: "Der Pate 2 war besser als der Pate 1."

Éver Banega vor dem Europa-League-Spiel bei Slavia Prag
MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX

Éver Banega vor dem Europa-League-Spiel bei Slavia Prag

Er wird nun also wieder sein Netz auswerfen. Perlen suchen, wie in der aktuellen Mannschaft etwa den torgefährlichen Mittelfeldmann Pablo Sarabia, der 2016 eine Million Euro Ablöse kostete und inzwischen auf 40 Millionen Marktwert taxiert wird. Oder die speziellen Typen wie Regisseur Éver Banega, der schon zum zweiten Mal in Sevilla ist, weil es trotz allen Talents anderswo nie so recht geklappt hat.

Darüber hinaus soll es aber auch einen Schritt weiter gehen als früher. Der Verein ist wirtschaftlich potenter, aber sein Modell inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. "Damals erwischten wir die Konkurrenz auf dem falschen Fuß, doch seitdem haben viele Leute nachgezogen", sagt Monchi. Ich strebe den nächsten Entwicklungssprung an."

Sevillas Messi kommt zurück in sein Büro. Und das allein reicht, damit Mittelfeldspieler Maxime Gonalons sagt: "Jetzt wird bestimmt wieder alles gut."



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