"Motzki" Sammer "Wer Anforderungen nicht gewachsen ist, fliegt"

Weil Borussia Dortmund seinen Meistertitel schon vier Spieltage vor Saisonende abgeben musste und auch die Qualifikation für die Champions League in Gefahr ist, hat BVB-Coach Matthias Sammer die Einstellung einiger seiner Spieler scharf kritisiert. Diesen droht er mit dem Rauswurf.

Dortmund - "Es reicht nicht aus, von 24 Stunden 90 Minuten auf dem Trainingsplatz zu stehen. Ich muss auch darauf achten, mich abends entsprechend auszuruhen, und mich schon montags auf das kommende Spiel konzentrieren, nicht erst am Samstagnachmittag", kritisierte Sammer vor dem Heimspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg. "Es geht um die Einstellung zum Fußball generell."

Angesichts des wachsenden Drucks im Kampf um die Champions-League-Plätze hinter dem neuen Meister Bayern München ist es dem 35-Jährigen ein Dorn im Auge, dass nicht alle Spieler die elementaren Grundsätze des Profi-Geschäfts achten. "Wenn ich abends um 18 Uhr bei Pommes Rot-Weiß und Cola auf dem Sofa liege, muss ich mich nicht wundern, wenn ich ab der 70. Minute körperlich nicht mehr zusetzen kann", schimpfte Sammer.

Denjenigen, die künftig die erforderliche Einstellung vermissen lassen und lustlose Vorstellungen auf dem Platz bieten, droht Sammer unverhohlen mit der Aussortierung. "Wer den Anforderungen nicht mehr gewachsen ist, muss seinen Beruf verlassen. Der wird dann zum Teil arbeitslos." Den Fleißigen stellte er dagegen Lob und Förderung in Aussicht. "Wer stattdessen mehr tut, der sollte belohnt werden. Das ist meine Einstellung." Gegen Wolfsburg erwartet Sammer eine Trotzreaktion: "Die Mannschaft muss eine Botschaft an das Publikum richten, die klar ausdrückt, dass wir uns aus dieser Situation befreien und unbedingt in die Champions League wollen."

"Titelverteidigung wäre Sensation gewesen"


Anders als Sammer hat Gerd Niebaum auf zusätzliche Schelte weitgehend verzichtet. "Auch ich verspüre Unzufriedenheit. Aber wir stehen im dritten Jahr in Folge auf den Rängen eins bis drei. Da ist es normal, dass die Mannschaft spielerisch mal aus der Spur gerät", fand der Präsident des entthronten Meisters moderate Worte. Um vom Club weiteren Schaden abzuwenden, warb der Jurist bei den Fans um Verständnis. "Die Titelverteidigung wäre mit einer solch jungen Mannschaft eine Sensation gewesen."

Nach missratener Rückrunde muss der Tabellendritte, der vor der Saison die Titelverteidigung als Ziel ausgegeben hatte, sogar um die Qualifikation für die Champions League bangen. Doch mit Unterstützung der Anhänger sollen in den ausstehenden drei Heimspielen gegen Wolfsburg, Nürnberg und Cottbus die nötigen Punkte gesammelt werden. "In einer solchen Situation ist es wichtig, dass alle hinter der Mannschaft stehen", sagte Niebaum.

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