Münchner Last-Minute-Sieg Gomez macht Revanche gegen Inter perfekt

Der FC Bayern hat einen großen Schritt Richtung Champions-League-Viertelfinale gemacht. Bei Titelverteidiger Inter Mailand gelang den Münchnern ein später Sieg. Zuvor hatten sich beide Teams Chance um Chance erspielt - und stets vergeben. 

dapd

Von


Hamburg - 90 Minuten lang stand es 0:0 im Mailänder Giuseppe Meazza Stadion. Beide Teams hatten ein sehr gutes Fußballspiel gezeigt und zahlreiche Chancen vergeben. Doch die Spieler des FC Bayern wollten kein Unentschieden beim Titelverteidiger Inter. Sie wollten einen Sieg. Vielmehr: Sie wollten Revanche. Und tatsächlich "rächte" Münchens Angreifer Mario Gomez in der Schlussminute mit seinem Treffer zum 1:0 (0:0)-Sieg die Finalniederlage aus dem Vorjahr (0:2).

"Wir haben versucht, Inter kommen zu lassen", sagte der Siegtorschütze nach dem Spiel, der nach seinem umjubelten Treffer tiefstapelte: "Ich habe einfach versucht, umzusetzen, was Trainer vorgegeben hat."

Bayern-Trainer Louis van Gaal war zufrieden mit der Leistung seines Teams: "Ich denke, dass wir mehr als zehn Chancen hatte, bei Inter habe ich acht gezählt. Ich denke, es war ein sehr attraktives Spiel und wir haben verdient gewonnen."

Fotostrecke

15  Bilder
Inter vs. Bayern: ...und dann kam Gomez
Ehe Gomez den Sieg perfekt machte, schienen sich beide Mannschaften im Vergeben von guten Chancen übertrumpfen zu wollen. Zwar bestimmte der Bundesligist die Partie über weite Strecken. Doch die Heimelf lauerte auf ihre Chancen. Und bereits nach 20 Sekunden stand fest, auf wen die Bayern besonders aufpassen mussten: Samuel Eto'o, der bereits sieben Tore in dieser Champions League erzielte, dribbelte elegant durch fünf Mann, ehe Holger Badstuber den Kameruner per Foul stoppen konnte. Den anschließenden Freistoß von Wesley Sneijder schoss Inter-Verteidiger Andrea Ranocchia freistehend nur knapp am Tor vorbei.

Sneijder mit Kampfsporteinlage gegen Lahm, Kraft rettet gegen Eto'o

Der 23-jährige Italiener ersetzte den verletzten Walter Samuel in der Innenverteidigung und ließ in der Anfangsphase kaum etwas zu. Die meisten Angriffe der Bayern wurden schon früh unterbunden, wie zu erwarten wurden besonders Franck Ribéry auf links und Arjen Robben auf dem rechten Flügel gesucht - doch auch Inters Außenverteidiger Maicon und Cristian Chivu waren vorbereitet, "Rib-Rob" blieben vorerst harmlos.

Mailands Antreiber Sneijder hatte nach elf Minuten Glück, als er für eine Kung-Fu-Einlage gegen Philipp Lahm nicht von Schiedsrichter Viktor Kassai verwarnt wurde. Kassai dürfte besonders bei den deutschen Nationalspielern auf dem Platz keine guten Erinnerungen wachrufen: Der Ungar pfiff das Halbfinale gegen Spanien bei der WM in Südafrika.

Nach zehn dominanten Minuten der Gastgeber wurden die Bayern stärker, doch Flanken von Müller und Lahm fanden keine Abnehmer, ein Schuss von Ribéry wurde geblockt. Inter stand in dieser Phase sehr tief, verteidigte erst kurz vor dem eigenen Strafraum. Luiz Gustavo verfehlte mit Distanzschüssen (20., 22.) nur knapp das Ziel.

Auf der Gegenseite war es immer wieder Eto'o, der die FCB-Verteidigung unter Druck setzte. Einmal kam er gegen Anatoli Timoschtschuk zu Fall, kurz darauf spielte er Esteban Cambiasso frei, doch Thomas Kraft im Münchner Tor rettete.

Robben bereitete dann die bis dahin größte Chance der Partie vor: Seine Flanke köpfte Ribéry an die Latte (25.). Auch Mario Gomez hatte kurz darauf die Führung auf dem Fuß. Der Nationalstürmer schoss aus sechs Metern mindestens ebenso hoch über das Tor von Julio Cesar, Lahm hatte vorbereitet.

Maicon gegen Ribéry - Dauerbrenner auf der linken Bayern-Seite

Besser machte es für Inter - natürlich - Eto'o. Chivu fabrizierte nach einem Eckball für Inter eine Kerze, Sneijder konnte unbedrängt von Lahm den Kameruner im Strafraum anspielen. Dieser, obwohl von drei Bayern-Verteidigern umringt, zog ab, Kraft rettete mit einer starken Parade. Auch wenn bis zur Pause kaum noch Chancen zustande kamen, jeder Zweikampf war von enormer Intensität geprägt, besonders Maicon und Ribéry gaben in ihren Duellen alles. Zumindest meistens. Denn kurz vor der Pause ließ der Franzose den Brasilianer auf der linken Seite entwischen. Aus kurzem Winkel schoss der 29-Jährige aber am FCB-Tor vorbei. So hitzig sich die beiden zuvor auch bekämpft hatten - bereits zur Halbzeitpause wechselten sie freundschaftlich die Trikots.

Thomas Müller, in Hälfte eins extrem unauffällig, hätte knapp eine Minute nach Wiederanpfiff die Münchner in Führung bringen können. Robbens Flanke senkte sich punktgenau zwischen Lucio und Ranocchia auf Müller, dessen Kopfball ging am langen Pfosten vorbei.

In der 54. Minute jagte Chivu Robben vergebens durch den Inter-Strafraum. Doch der Schusswinkel wurde für den spurtenden Niederländer immer spitzer, sein Versuch mit rechts landete am Außenpfosten. Wie schon in Halbzeit eins ließ der Titelverteidiger dem Deutschen Rekordmeister nun sehr viel Platz, bis zur Mittellinie griff kein Italiener an.

Dass Cambiasso nach knapp einer Stunde die Mailänder dennoch hätte in Führung bringen müssen, lag vor allem an Bastian Schweinsteiger. Dessen Fehlpass landete bei Maicon, der Eto'o einsetzte. Gegen den Angreifer rettete Kraft, Cambiasso setzte den Nachschuss unbedrängt über das leere Tor.

Gomez macht den Sieg perfekt

Auf der Gegenseite konnte Robben endlich mal mit seinem starken linken Fuß abschließen. Doch sein Versuch von der Strafraumgrenze ging ebenfalls über die Latte. Mit Schweinsteigers Distanzschuss (63.) hatte Keeper Cesar keine Probleme. Gegen Gomez riskierte der Brasilianer alles (65.) und hatte Glück, dass der Stürmer den Ball nicht mehr am Torwart vorbeispitzeln konnte.

Danach verflachte das Spiel erstmals, Bayern dominierte weiter, doch gute Chancen blieben aus. Dann begann die Schlussoffensive der Italiener: Kraft musste erst gegen Houssine Kharja retten (79.). Keine Chance hatte der 22-Jährige in der 85. Minute bei einem abgefälschten Sneijder-Freistoß. Doch der Ball landete nur auf dem Tornetz. Nach der anschließenden Ecke kam Thiago Motta völlig frei zum Kopfball, Krafts Reflex verhinderte das Gegentor.

Mit Mühe überstanden die Münchner die Mailänder Druckphase. Und wurden belohnt, als sie selbst noch in der Schlussminute einen Gegenangriff starteten. Robbens Distanzschuss ließ Cesar nach vorne abprallen, Gomez schob zum umjubelten Siegtreffer ein.

Inter Mailand - Bayern München 0:1 (0:0)
0:1 Gomez (90.)
Inter: Julio Cesar - Maicon, Ranocchia (73. Kharja), Lucio, Chivu - Cambiasso - Zanetti, Motta - Sneijder, Stankovic - Eto'o
München: Kraft - Lahm, Timoschtschuk, Badstuber, Pranjic (38. Breno) - Schweinsteiger, Luiz Gustavo - Robben, Müller, Ribery - Gomez
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 80.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Zanetti, Sneijder, Motta - Ribery, Luiz Gustavo

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.