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02. November 2009, 18:05 Uhr

Münchner Stadion-Streit

"Das ist Geld, das sie uns klauen"

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Der Zoff zwischen Bayern und 1860 München um die Allianz-Arena spitzt sich zu. Dabei geht es nur vordergründig um das Stadion-Catering. Eigentlich wollen sich beide Seiten trennen.

Hamburg - Es gibt Neues zum ewigen Duell zwischen Vermieter und Mieter: Die Bundesregierung will angeblich einheitliche Kündigungsfristen für Mieter und Vermieter einführen, drei Monate - zum Entsetzen von Franz-Georg Rips. Rips, Präsident des Deutschen Mieterbundes, befürchtet, dass demnächst Mieter alle drei Monate ausgetauscht werden könnten wie eine kaputte Sicherung. "Die vorgesehenen Mietrechtsänderungen zum Nachteil der Mieter sind falsch, überflüssig und unakzeptabel", sagt Rips. Er gibt zu bedenken: Drei Monate reichten häufig "nicht aus, um ein neues Zuhause zu finden, gerade wenn die Mieter schon lange in ihrer Wohnung lebten".

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Fußball am Tag der Mieterbund-Attacke ein ganz besonderes Fallbeispiel aus der Realität liefert. Es ist noch nicht endgültig klar, ob der Vermieter den Mieter wirklich loswerden will. Aber es sieht ganz danach aus.

Das Objekt, um das es geht, ist die Allianz-Arena. Vermieter ist der FC Bayern München, und er wirft in persona Uli Hoeneß dem Mieter 1860 München vor, zu wenig Miete zu zahlen und sogar Geld zu stehlen. Der Mieter, der das Zuhause schon seit 2005 mitnutzt, findet das unglaublich und keilt zurück. Demnächst werden sich beide vor Gericht wiedersehen. "In den nächsten vier Wochen gibt es einen Prozess. Der TSV 1860 ist ein Mieter, mit dem eine seriöse Zusammenarbeit kaum möglich ist", sagt Bayern-Manager Hoeneß.

"Die Gespräche mit dem Vermieter blieben erfolglos"

Zweitligist 1860 hingegen sieht den Vertrag angeblich als sittenwidrig an und begründet sein Vorgehen damit, dass die Vereinbarungen nur für die Bundesliga gelten würden. Für Hoeneß ein "lächerliches" Verhalten, zumal 1860 bereits seit 2005 als Zweitligist in der Arena spielt und die Zahlungen erst zu Saisonbeginn gekürzt hat. Noch hofft Löwen-Geschäftsführer Manfred Stoffers auf eine "außergerichtliche Einigung" mit den Bayern. Doch gleichzeitig erklärte er, "dass die Gespräche mit dem Vermieter bisher erfolglos geblieben sind".

Das klingt alles sehr distanziert und so gar nicht nach einer gemeinsamen Zukunft.

Der öffentliche Streit entzündet sich an angeblich ausstehenden Zahlungen aus dem Stadion-Catering. Nach Aussage von Hoeneß bezahlen die "Löwen" seit dem ersten Spieltag dieser Saison nicht mehr das Catering für die 3000 Business-Sitze, "sondern nur für die, die bei ihren Spielen tatsächlich besetzt sind. Das ist Geld, das sie uns klauen". Rund 50.000 Euro pro Spieltag sollen den Bayern so verlorengehen. Aber geht es wirklich nur darum?

Vor drei Tagen hat Hoeneß sehr deutlich gesagt, dass er sich nichts Schöneres vorstellen könne als einen Auszug des Mieters 1860 aus der Arena. "Es ist für mich zwar utopisch, dass es so kommt. Aber wenn es doch so käme, würde ich sagen: traumhaft", sagte Hoeneß dem "Münchner Merkur". 1860 ist nach dem Verkauf seiner Stadion-Anteile an den FC Bayern per Vertrag noch bis ins Jahr 2025 als Mieter an die WM-Arena gebunden. 16 Jahre noch müssen sich die Clubs das Stadion teilen. 16 Jahre, in denen der Vermieter mit einem Mieter zurechtkommen muss, dem er "katastrophales Wirtschaften" (Hoeneß) für die Vergangenheit attestiert. Und sich auch noch lustig macht. "Die haben davon geredet, dass sie in ihrem Jubiläumsjahr in die Bundesliga wollen. Ich weiß gar nicht, welche Bundesliga die meinen. Die haben keine Perspektive", stichelt Hoeneß.

"Löwen-Anteile zum Schnäppchenpreis"

Seit 2006 sind die Löwen nur noch Mieter in der Allianz-Arena, müssen dafür rund fünf Millionen Euro pro Jahr aufbringen. Der FC Bayern übernahm damals die Anteile des TSV für elf Millionen Euro und rettete die Löwen so vor der Insolvenz. 1860-Geschäftsführer Stoffers kontert, es sei zwar richtig, dass der FC Bayern den Lizenzentzug abgewendet habe. Der FC Bayern habe sich damals aber "in erster Linie selbst geholfen" und sich "zum Schnäppchenpreis" die Anteile der Löwen gesichert. 1860 müsse "brav die hohen Mieten weiterzahlen, obwohl allen klar war, dass die Belastungen viel zu hoch sind. Der Gipfel liegt in der Catering-Pauschale".

Seit Jahren gibt es bei 1860 die Bestrebung, aus der Arena auszuziehen und wieder ins Grünwalder Stadion zurückzukehren. Die Stadt hält diese Pläne für nicht realistisch. "Unmöglich", sagt Bürgermeister Christian Ude (SPD).

Und das ist die andere Ironie der Geschichte: Da hat der Vermieter keine Lust mehr auf den Mieter, der Mieter würde auch gern ausziehen und hätte sogar ein neues (altes) Traumhaus. Kann es sich aber nicht leisten.

Mit Material vom sid

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