Muskelfaserriss Koller droht WM-Aus

Jan Koller bleibt ein Pechvogel. Gerade hatte er einen Kreuzbandriss auskuriert, da verletzte sich der Angreifer im Auftaktmatch seiner Tschechen gegen die USA erneut. Ob er wieder ins WM-Geschehen eingreifen kann, ist unklar.


Gelsenkirchen - "Jan hat einen Muskelfaserriss. Er braucht mindestens zehn Tage Pause. Schlimmstenfalls kann es auch sechs Wochen dauern", bestätigte der zweite Teamarzt Jiri Fousek dem kicker.

Verletzter Koller: "Freude wiegt mehr als der Schmerz"
DPA

Verletzter Koller: "Freude wiegt mehr als der Schmerz"

Damit haben sich die im Anschluss an die Partie geschürten Hoffnungen auf ein baldiges Comeback des Torjägers zerschlagen. Die Verletzung Kollers, der erst kürzlich von einem Kreuzbandriss genesen war, bestürzte sogar Franz Beckenbauer. Der WM-Organisationschef schickte dem 2,02 Meter großen Angreifer Blumen und beste Genesungswünsche.

Für Koller kam das medizinische Bulletin überraschend. Noch zwei Stunden nach dem Spiel in Gelsenkirchen und einer ersten Untersuchung hatte er auf eine kurze Zwangspause gehofft und verkündet: "Die Freude über den Sieg und das Tor wiegen mehr als der Schmerz. Ich glaube, die WM ist für mich noch nicht zu Ende." Doch nun muss er sich mit einem Gedanken anfreunden, der ihn schon unmittelbar nach dem unheilvollen Zweikampf mit dem Amerikaner Oguchi Onyewu (43.) geplagt hatte: "All die Mühe nach dem Kreuzbandriss, all die Hoffnungen und Überlegungen waren umsonst", sagte Koller über seine ersten Gedanken.

Der erste Mannschaftsarzt Petr Krejci, der gestern eine Zerrung diagnostiziert hatte, gab sich dennoch weiterhin optimistisch: "Jan hat mir gesagt, er habe sich exakt dasselbe schon einmal beim BVB zugezogen und trotzdem eine Woche später wieder auf dem Platz gestanden", so Krejci. Noch weiß Trainer Karel Brückner nicht, ob sein Torjäger wieder in das Turnier zurückkehrt. In den beiden Gruppenspielen gegen Ghana und Italien muss er definitiv ohne Koller planen. "Er hat so gekämpft, um es bis zur WM noch zu schaffen. Und nun passiert das, obwohl er wieder in Topform war", sagte Brückner.

Auch in Tschechien bereitet die Pechsträhne in der Offensiv-Abteilung der Nationalelf Kopfzerbrechen. "Kollers Verletzung schmerzt die ganze Nation", titelte die Zeitung Lidove noviny. Alternativen sind rar: Vladimir Smicer reiste erst gar nicht zur WM an, Milan Baros (Fersenverletzung) kann noch immer nicht schmerzfrei trainieren. Rosicky wird die Sache langsam unheimlich: "Smicer fällt vor der WM aus, Baros vor dem ersten Spiel, Koller vor der Halbzeit. Ich hoffe, die Verletzungsserie ist bald mal zu Ende."

fpf/dpa



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