Brasiliens Halbfinal-Demontage Dani Alves wütet gegen Kritiker

"Schwachköpfe": Nach der historischen Pleite gegen Deutschland geht Dani Alves hart mit Kritikern ins Gericht, Mitspieler Hulk ruft nach himmlischem Beistand. Und Lukas Podolski sendet eine Liebeserklärung an Brasilien.

Dani Alves (während des Halbfinales): "Schwachköpfe werden Witze machen"
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Dani Alves (während des Halbfinales): "Schwachköpfe werden Witze machen"


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Hamburg - Es war die wohl größte Schmach, die eine brasilianische Fußball-Nationalmannschaft jemals erleiden musste - und qualvolle 60 Minuten lang erhielten die Spieler der Seleção beim 1:7 gegen Deutschland bereits auf dem Spielfeld einen Vorgeschmack auf die Trauer, Wut und Häme, die ihnen entgegenschlagen würde. Sie wurden von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen und -gebuht, einzelne Spieler mit Schmähgesängen erniedrigt, während jeder Pass der Deutschen mit "Ole!" gefeiert wurde.

Umso höher ist der Mut zu würdigen, den Torwart Julio Cesar und Ersatzkapitän David Luiz bewiesen: Sie stellten sich noch auf dem Spielfeld den Fernsehkameras und entschuldigten sich bei allen Brasilianern. Später gaben noch Dante und der gesperrte Kapitän Thiago Silva Interviews, doch die meisten ihrer Mitspieler waren viel zu schockiert, um sich öffentlich zu äußern.

Einen Einblick in das Innenleben der brasilianischen Spieler gibt allerdings ein Eintrag, den Dani Alves drei Stunden nach dem Spiel auf seinem Instagram-Account veröffentlichte und der sich an die eigene Mannschaft richtet. Zu Porträts aller 23 Spieler des Kaders plus Trainer Felipe Scolari schreibt Alves von einem "harten, schwierigen, komplizierten Moment für uns" - und geht quasi präventiv hart mit den Kritikern ins Gericht: "Ich weiß, dass viele Schwachköpfe Witze über uns machen werden, ich weiß, dass viele Verlierer im wichtigsten Spiel der Welt, nämlich dem Leben, sich sogar darüber freuen werden."

Für ihn sei es "ein Privileg, Teil dieser Mannschaft zu sein", schreibt Alves weiter. "Ihr seid die Besten, ihr seid Champions, was diese anderen Schwachköpfe nie sein werden. Ihr habt euch selbst übertroffen und im Leben etwas erreicht. Euch respektiert man, vielleicht nicht hier, aber im Rest der Welt ganz sicher." Sein Eintrag endet mit den Worten: "Schlechte Tage gibt es in unseren Leben, damit wir lernen, die guten Tage zu schätzen."

Podolski: "Brasilien ist und bleibt das Land des Fußballs"

Außer Alves äußerte sich nur Hulk in den Stunden nach dem Spiel über die sozialen Netzwerke - und versuchte, Mitspieler und Fans aufzurichten. Ebenfalls auf Instagram veröffentlichte er ein Bibelzitat: "Auch wenn ich Leib und Leben verliere, ist Gott allezeit meine Stärke." Passend dazu schreibt er: "Auch in weniger guten Zeiten müssen wir GOTT danken" - und dankt Gott dann dafür, Teil dieser Mannschaft zu sein. "Viele werden uns kritisieren. Wenige werden unsere Anstrengungen würdigen." Und weiter: "Das Leben lehrt nur jenen, der lernen will."

Aufmunterung für die gedemütigten Brasilianer versuchten auch die Sieger zu spenden. So twitterte der Deutsche Fußball-Bund (DFB): "Seit 2006 wissen wir, wie es ist, ein Halbfinale im eigenen Land zu verlieren. Kopf hoch! Alles Gute für die Zukunft!" Auf Mesut Özils Account erschien eine Aufmunterung auf Englisch: "Ihr habt ein wunderschönes Land, ein wunderbares Volk und fantastische Fußballer - dieses Spiel darf euren Stolz nicht zerstören!"

Besondere Beachtung in den brasilianischen Medien fand Lukas Podolski, der sich über Instagram auf Portugiesisch an die Brasilianer wandte. Der Zeitung "O Globo" war das einen Aufmacher auf ihrer Online-Seite wert. Kein Wunder: "Respekt dem Amarelinha (Bezeichnung für das brasilianische Trikot - Anm. d. Red.) mit seiner Geschichte und Tradition", beginnt Podolskis Botschaft. "Brasilien ist und bleibt das Land des Fußballs", fährt er fort, um später an die Brasilianer zu appellieren: "Streit auf den Straßen, Durcheinander, Proteste werden nichts lösen oder verändern. Wenn die WM vorbei ist und wir weg sind, wird alles wieder normal werden, und wir wünschen diesem bescheidenen, kämpferischen und ehrlichen Volk viel Frieden und Ruhe. Diesem Land, das ich gelernt habe zu lieben."

fdi

insgesamt 33 Beiträge
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klakutsch 09.07.2014
1. Poldi
Der ist schwer in Ordnung, der Poldi. Auch seine Engagements neben seinem Beruf schmücken ihn. Ich mag den Kerl.
spon-facebook-10000361426 09.07.2014
2. Schöner Zug von unseren....
....Jungs und insgesamt auch verständlich wie die brasilianische Mannschaft reagiert. Fussball ist ein Spiel, zum Spiel gehört Glück und Tagesform. Das sollte man nie vergessen, Brasilien hat es weit geschafft. Weiter als der normale Fan es jemals schaffen wird auf dem Platz, man sollte sich mit seiner Kritik zurück halten solange man nicht weiß wie es ist auf dem Rasen zu sein.....
sappelkopp 09.07.2014
3. Recht hat Dani Alves...
Zitat von sysopDPA"Schwachköpfe": Nach der historischen Pleite gegen Deutschland geht Dani Alves hart mit Kritikern ins Gericht, Mitspieler Hulk ruft nach himmlischem Beistand. Und Lukas Podolski sendet eine Liebeserklärung an Brasilien. http://www.spiegel.de/sport/fussball/nach-brasilien-vs-deutschland-dani-alves-wuetet-gegen-kritiker-a-980209.html
...ist ja in Deutschland auch so, dass sich immer jene über Niederlagen der Großen freuen, die selbst nichts auf die Reihe kriegen im Leben.
schmusel 09.07.2014
4. Nunja
In den Kommentaren auf der Globo Seite wird aber, soweit ich das verstanden habe, nicht bloss Richtung Poldi und Deutschland gejubelt. Einer schimpft ihn bzw. die Deutschen Nazis und ein anderer lässt sich über seine polnische Herkunft aus. Und nich viele andere kleine Schmähungen. Schade sowas.
slade 09.07.2014
5. Ehrlich...
Mag Poldi nicht zu den ersten 11 gehören, wäre es eine verdiente Maßnahme, egal wie der Spielstand, ihn gegen Ende zu bringen. Menschlich eine Größe.
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