Nach dem Aus Maradona schlägt zurück

Sein Vertrag als Argentiniens Nationalcoach wurde nicht verlängert - jetzt hat Diego Maradona zurückgeschlagen. Vom Verbandspräsidenten Grondona fühle er sich belogen, von seinem Co-Trainer Bilardo betrogen. Maradona las seine Kritik vom Blatt ab, Fragen ließ er nicht zu.


Hamburg - Einen Tag nachdem er als argentinischer Nationaltrainer geschasst wurde, hat Diego Maradona sein Schweigen gebrochen und zurückgeschlagen. Er griff den mächtigen Präsidenten des nationalen Verbandes AFA, Julio Grondona, sowie seinen Co-Trainer Carlos Bilardo scharf an. "Grondona hat mich belogen und Bilardo hat mich betrogen", sagte er am Mittwoch in einer kurzen Erklärung, die er vor Journalisten in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires verlas.

Äußerlich gefasst bekannte er, dass ihn die 0:4-Niederlage gegen Deutschland bei der WM in Südafrika "immer noch in der Seele schmerzt". Fragen ließ die "Hand Gottes" nicht zu und drückte sich für seine Verhältnisse in der Form und der Sprache äußert zurückhaltend aus. Argentinische Journalisten äußerten im Fernsehen die Vermutung, Berater könnten Maradona die Erklärung aufgeschrieben und zugleich geraten haben, nur keine Fragen zu beantworten, weil er dann vielleicht einen Schwall an Beleidigungen abgelassen hätte.

Immer vom Blatt ablesend, warf Maradona dem AFA-Chef Grondona vor, der habe ihn bei der WM belogen. Nach der Niederlage gegen Deutschland habe Grondona in der Kabine in Südafrika vor Zeugen gesagt, er, Maradona, solle Trainer bleiben. Das habe er auch nach der Rückkehr in die Heimat wiederholt, jedoch dann verlangt, es müssten sieben seiner Mitarbeiter ausgetauscht werden.

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"Das war so, als ob er mir gesagt hätte, ich solle gehen", sagte Maradona. "Wer so etwas vorschlägt, muss gedacht haben, ich würde meine Mitarbeiter verraten. Und warum haben sie das gedacht? Weil sie es selbst getan hätten. Aber nicht mit mir", fügte Maradona hinzu. Die AFA hatte den Vertrag Maradonas am Vortag nicht verlängert, weil er eben diese Änderungen in seinem Mitarbeiterstab abgelehnt hatte.

Und auch gegen Bilardo feuerte Maradona eine Breitseite ab. "Während wir trauerten (über das Ausscheiden bei der WM, Anmerkung die Red.), hat Bilardo im Schatten dafür gesorgt, dass ich rausfliege", sagte das Fußballidol. Zum Schluss warnte er: "Vergesst nicht, dass im Umfeld der Nationalelf der Verrat immer hinter der nächsten Ecke lauert. Und dass es da viele Menschen gibt, denen der Fußball egal ist, sondern die nur an ihr Bankkonto denken."

Im argentinischen Fußball sieht Maradona grundlegende Fehlentwicklungen. "Seit 1990 ist die Nationalelf bei Weltmeisterschaften nicht mehr über das Viertelfinale hinausgekommen. Das ist kein Zufall. Irgendetwas läuft falsch. Es kann ja wohl nicht sein, dass unsere Spieler bei Clubs in aller Welt Triumphe feiern, nur in der Nationalelf nicht". Das sei Folge falscher Entscheidungen von oben, sprich von Grondona.

luk/dpa

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