Nach dem DFB-Rekordsieg "Die Anderen werden wieder großen Respekt vor uns haben"

Mit dem höchsten WM-Erfolg einer deutschen Mannschaft ist die Elf von Rudi Völler in die WM 2002 gestartet. Während die meisten DFB-Kicker den Sieg gegen die enttäuschenden Saudi-Arabier nicht überbewerten wollen, übt sich der Kapitän der DFB-Auswahl in Optimismus.

Von Till Schwertfeger, Sapporo


Mann des Tages in Sapporo: Miroslav Klose bejubelt den Führungstreffer zum 1:0
AP

Mann des Tages in Sapporo: Miroslav Klose bejubelt den Führungstreffer zum 1:0

Sapporo - Bernd Schneider passierte als einer der Letzten auf dem Weg von der Kabine zum Mannschaftsbus die Reporter, die nach der ultimativen Erklärung für den 8:0 (4:0)-Auftaktsieg der deutschen Fußball-Nationalelf gegen Saudi-Arabien fahndeten. Dass der Gegner sehr schwach, die DFB-Auswahl dagegen konzentriert, engagiert und aggressiv gewesen sei, hatte ihnen fast jeder von Schneiders Spielkameraden bereits in die Blöcke diktiert. Der Leverkusener Filigrantechniker dachte noch einmal kurz nach und gab dann mit verschmitztem Grinsen zu Protokoll: "Bei dem neuen WM-Ball ist es wichtig, dass er gut aufgepumpt ist. Heute war er das wohl."

Drei Kopfballtore von Klose


Mit der "Fevernova" gelang Schneider besonders in den zweiten 45 Minuten fast alles, als er an allen vier Treffern unmittelbar beteiligt war. Zunächst bereiteten seine Flanken die Kopfballtore von Miroslav Klose (70.) und Thomas Linke (72.) vor, dann legte er für den eingewechselten Oliver Bierhoff (84.) auf, ehe er sich in der Nachspielzeit persönlich mit einem direkten Freistoß aus 20 Meter Entfernung in die lange Torschützenliste eintrug.

Tore schaffen Harmonie: Bernd Schneider gratuliert Miroslav Klose zu seinem Hattrick
DPA

Tore schaffen Harmonie: Bernd Schneider gratuliert Miroslav Klose zu seinem Hattrick

Matchwinner für die Mannschaft von Rudi Völler aber war der Lauterer Klose, der mit seinen beiden Kopfballtreffern (20. und 25.) und der Vorlage per Hacke für Carsten Janckers Treffer (40.) die in allen Belangen haushoch überlegene DFB-Elf auf die Siegerstraße gebracht hatte. Michael Ballack erhöhte in der Nachspielzeit der ersten Hälfte gegen die früh resignierenden Saudi-Arabier, die in der Vorbereitung immerhin Frankreich-Bezwinger Senegal geschlagen hatten, auf 4:0.

Gegen Irland weht ein anderer Wind


Als wenn es ihm im Nachhinein peinlich wäre, einen seiner drei Treffer per Salto gefeiert zu haben, rief sich Klose, der in 13 Länderspielen die sensationelle Torausbeute von elf aufweisen kann, nach dem Spiel selbst zur Ordnung: "Ich muss auf dem Boden bleiben. Wir wissen, was auf uns zukommt." Irland und Kamerun nämlich, die sich im ersten Spiel der Gruppe E mit 1:1 trennten. Gegen diese beiden äußerst robusten Teams dürfte sich ein Spaziergang wie gegen die Zweikämpfe meidende Mannschaft aus dem Orient nicht wiederholen. "Da wird ein anderer Wind wehen", prognostizierte Bierhoff - nicht nur, weil dann nicht mehr wie in Sapporo in der Halle, sondern im Freien gekickt wird.

Selbst der blonde Hüne traf: Carsten Jancker fiel nach seinem Treffer zum 4:0 bestimmt ein Stein vom Herzen
DPA

Selbst der blonde Hüne traf: Carsten Jancker fiel nach seinem Treffer zum 4:0 bestimmt ein Stein vom Herzen

"Das Resultat ist sensationell. Aber wir dürfen das nicht überbewerten, sondern müssen uns noch steigern", warnte auch Abwehrchef Carsten Ramelow, der wegen Oberschenkelproblemen zur Pause vorsichtshalber aus der Partie gegangen war, vor allzu großer Euphorie. "Die Iren haben eine ganz starke zweite Halbzeit gespielt." Mit einem Sieg am Mittwoch gegen das Team von der Grünen Insel würde die DFB-Elf vorzeitig das Achtelfinale erreichen. Keeper Oliver Kahn, der in den 90 Minuten von Sapporo nur einen Ball halten musste, sieht seine Mannschaft nach dem "Traumstart" (Völler) psychologisch im Vorteil.

"So ein 8:0 bleibt im Kopf"


"Wir dürfen nicht den Fehler machen, den Sieg zu hoch zu hängen. Aber so ein 8:0 bleibt im Kopf. Die anderen Mannschaften werden wieder großen Respekt vor Deutschland haben. Und wir glauben jetzt noch mehr an uns", predigte der Kapitän. "Aufgrund meiner großen Erfahrung spüre ich, was eine Mannschaft leisten kann. Ich glaube, wir können einen großartigen Lauf bekommen."

Deutschland - Saudi-Arabien 8:0
1:0 Klose (20.)
2:0 Klose (25.)
3:0 Ballack (40.)
4:0 Jancker (45.)
5:0 Klose (70.)
6:0 Linke (72.)
7:0 Bierhoff (84.)
8:0 Schneider (90.)
Deutschland: Kahn - Linke, Ramelow (46. Jeremies), Metzelder - Frings, Schneider, Ballack, Hamann, Ziege - Klose (77. Neuville), Jancker (66. Bierhoff)
Saudi-Arabien: Al-Daeyea - Ahmed Al-Dossary, Zubromawi, Tukar, Sulimani - Noor, Khamis Al-Dosari (46. Ibrahim Al-Sharani), Al-Temyat (46. Al-Khathran), Abdullah Al-Sharani - Al-Jaber, Al-Yami (76. l-Dosary)
Schiedsrichter: Ubaldo Aquino (Paraguay)
Zuschauer: 42.000
Gelbe Karten: Ziege, Hamann - Noor

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