Nach dem EM-Aus Bondscoach Rijkaard tritt zurück


Amsterdam - Unmittelbar nach der 1:3-Halbfinal-Niederlage nach Elfmeterschießen gegen Italien bei der Fußball-Euro 2000 ist Bondscoach Frank Rijkaard von seinem Amt zurückgetreten. "Ich trete zurück, weil wir es nicht geschafft haben. Ich habe die Messlatte sehr hoch gelegt, deshalb muss ich nun die Konsequenzen tragen", sagte der ungeliebte Nationaltrainer nach dem Ausscheiden aus dem Turnier am Donnerstag abend. "Ich hätte es den Jungs gegönnt, bei diesem Turnier ins Finale zu kommen." Ersten Spekulationen zufolge geht Rijkaard zum italienischen Fußball-Erstligisten AC Mailand.

Die Fußball-Prominenz und die Medien hatten nie mit Kritik am ungeliebten Nationaltrainer gespart. Der frühere Europameister saß schon zwischenzeitig zwischen allen Stühlen. "Ich habe oft kein Konzept gesehen", monierte der ehemalige Bremer Bundesliga-Trainer Aad de Mos.

Immer hing Rijkaard die schwache Bilanz seiner Amtszeit vor Beginn der Euro nach. Mit giftigen Kommentaren reagierten die Zeitungen, erst das 6:1 gegen Jugoslawien im Viertelfinale sorgte für positive Stimmung. Nach dem schwachen Auftakt hatte eine Umfrage unter dem Gros der Erstliga-Trainer noch ein einheitliches Fazit gegeben: Rijkaard muss die Taktik oder die Mannschaft ändern.

Rijkaard soll seine Stars zu lang mit Kritik verschont haben. "Das Team ist ein Freundeskreis, weil Rijkaard den Softkurs fährt. Kritik könnte die Mannschaft auseinander treiben", vermuteten die Blätter. Zurückhaltend hatte sich stets Fußball-Idol Johan Cruyff über seinen ehemaligen Zögling bei Ajax Amsterdam geäußert. Dessen Karriere sei die beste Trainer-Ausbildung gewesen. In Holland galt Cruyff stets als heimlicher Berater des einstigen Mittelfeld-Asses, seinen Rücktritt verhinderte aber auch er nicht.



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