Krise bei Hoffenheim Die Angst vor dem Rückflug

Wenn es nach Hoffenheims Manager Andreas Müller geht, wird Markus Babbel auch im nächsten Spiel auf der Trainerbank sitzen. Doch nach der Niederlage gegen Nürnberg scheint Babbels Zeit abgelaufen. Eine Entscheidung ohne Dietmar Hopp ist allerdings nicht möglich - und der ist im Urlaub.

Hoffenheim-Trainer Babbel: Schlechtester Saisonstart
Getty Images

Hoffenheim-Trainer Babbel: Schlechtester Saisonstart


Vier Punkte, nicht mehr und nicht weniger. So groß - oder klein - ist der Abstand von 1899 Hoffenheim auf einen Abstiegsplatz in der Fußball-Bundesliga. Auf Fürth und Augsburg, die abgeschlagen im Keller festhängen. Die mit ihren Niederlagen am Dienstag und Mittwoch dafür sorgten, dass Hoffenheim nach seiner erneuten Pleite gegen Nürnberg (4:2) mindestens einen weiteren Spieltag auf dem Relegationsplatz verharren kann. Glück für die TSG. Sogar dort, weit unten, muss der Club noch auf Schützenhilfe hoffen. Aus eigener Kraft gelingt in dieser Saison fast nichts.

So ist es irgendwie nur symptomatisch, dass man auch mit der längst überfälligen Trainerentscheidung erst einmal warten will - nämlich angeblich so lange, bis Mäzen Dietmar Hopp aus seinem Florida-Urlaub zurück ist. "Solange Hopp dort ist, wird nichts entschieden", mutmaßte jüngst Franz Beckenbauer. Glück für Markus Babbel. Denn danach, so Beckenbauer, könnte es für ihn gefährlich werden.

Die Gefahr geht vor allem von nackten Zahlen aus. Große Ziele hatte Babbel bei seinem Antritt in Hoffenheim vorgegeben, mindestens die Europa League sollte drin sein. Der Richtige für die Umsetzung dieser Pläne sollte Torhüter Tim Wiese sein. Er wurde zwar ablösefrei, dafür umso feierlicher von Bremen in den Kraichgau geholt. Doch es kam anders. Erst verlor Hoffenheim im DFB-Pokal 0:4 gegen den Viertligisten Berliner AK. Dann 1:2 in Mönchengladbach, 0:4 gegen Frankfurt, 3:5 in Freiburg. Kurz durfte man danach aufatmen, doch seit dem 3:3 gegen Aufsteiger Fürth am achten Spieltag ging es wieder stetig bergab.

Sieben Plätze in sieben Spielen verloren

Während der vergangenen sieben Spieltage ist Hoffenheim sieben Tabellenplätze abgestürzt, nach dem 1:2 gegen Leverkusen am Wochenende fand sich das Babbel-Team auf dem Relegationsplatz wieder. Es ist die bislang schlechteste Saison in der noch jungen Bundesliga-Geschichte der Hoffenheimer. Die Fakten sprechen gegen den Trainer, vor allem der horrende Wert von 32 Gegentreffern. Dabei hatte man mit Wiese als Schlussmann doch auf eine stabile Defensive gehofft.

Babbel, der ganz genau weiß, wie brenzlig die Situation für ihn ist, hatte versucht, einen Sündenbock für die desolate Abwehr zu liefern: den Torhüter. Er habe vor dem Leverkusen-Spiel über einen Torwart-Wechsel nachgedacht, sagte Babbel freimütig. Doch dann sei Tim Wiese ohnehin mit einem Bänderanriss im Knie verletzt ausgefallen. Sonst hätte er sich "höchstwahrscheinlich für Koen Casteels entschieden", sagte Babbel. Dass nun eben jener Casteels gegen Nürnberg vier Gegentreffer fing, macht die Lage des Trainers nicht besser.

"Das langweilt mich langsam"

Im Gegenteil: Sie zeigt, dass die Probleme die gesamte Mannschaft betreffen. Das Team, dem Babbel offenbar in Teilen nicht vertraut, tritt nicht als Team auf. Nicht nur das Vertrauen zum Trainer ist gestört, auch das in die eigenen Fähigkeiten. "Wir haben durchaus Qualität in der Mannschaft", sagte 1899-Manager Andreas Müller nach der Partie in Nürnberg. "Aber die können wir einfach nicht abrufen. Ich weiß nicht, woran es liegt." Gleichzeitig nahm er Babbel in Schutz: "Wir haben die Dinge mit Markus oft durchgesprochen, und trotzdem machen die Spieler immer die gleichen Fehler. Da hat der beste Trainer keine Chance."

Babbel stellt sich mittlerweile selbst in Frage: "Natürlich machst du dir Gedanken: Bist du ein guter Trainer, bist du ein schlechter Trainer? Im Moment bin ich ein schlechter Trainer, weil die Resultate nicht stimmen", sagte er am Wochenende. Die Ursachen für die schlechte Leistung konnte er bislang aber nicht ausmachen. Stattdessen wirkte er nach dem Nürnberg-Spiel, als resigniere er allmählich: "Enttäuschend, nicht nur das Resultat. Das waren fahrlässige Fehler, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen. Das langweilt mich langsam", sagte er. Schlechte Vorrausetzungen für einen anstrengenden Job.

Trotzdem werde Babbel im Spiel am Sonntag gegen Bremen (15.30 Uhr Liveticker, SPIEGEL ONLINE) "definitiv auf der Bank sitzen", betonte Müller. Das hatte er nach dem Leverkusen-Spiel auch schon gesagt. Müller wird ziemlich genau wissen, wann Hopp seinen Rückflug gebucht hat.

1. FC Nürnberg - 1899 Hoffenheim 4:2 (2:1)
1:0 Kiyotake (7.)
1:1 Schipplock (33.)
2:1 Nilsson (44.)
3:1 Polter (69.)
3:2 Salihovic (81., Handelfmeter)
4:2 Kiyotake (86.)
Nürnberg: Schäfer - Chandler (58. Cohen), Nilsson, Klose, Pinola - Simons - Balitsch, Frantz - Kiyotake (87. Mak), Gebhart - Polter (73. Pekhart)
Hoffenheim: Casteels - Beck, Delpierre (46. Usami), Compper, Johnson - Williams, Rudy - Firmino (68. Derdiyok), Volland - Schipplock (57. Joselu), Salihovic
Schiedsrichter: Drees
Zuschauer: 30.397
Gelbe Karten: Klose (2) - Firmino (3), Delpierre (3), Rudy (5), Beck (3)



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
labbimen 29.11.2012
1. optional
Babbel hat offensichtlich keine Fäden mehr in der Hand. Alleine das billige, populistische und vor allem absolut unnötige Nachtreten gegen Wiese zeigt, dass der Trainer nichts mehr zuzusetzen hat.
knurps04 29.11.2012
2. Es wäre ein Segen,
verschwände dieser mit Hopp-Millionen aufgepumpte Retortenclub endlich wieder in der Versenkung. Was dort veranstaltet wird, ist Wettbewerbsverzerrung, nur Wolfsburg und vielleicht Leverkusen können ansonsten immer wieder nicht selbst verdiente Millionen nachschießen, wenn es nicht wie gewünscht läuft. Und das Geschwätz über die besondere Jugenarbeit ist blanker Hohn: Wo wurden denn die Bundesligaspieler der Hoffenheimer ausgebildet? Wo sind denn eventuell in anderen Vereinen die Früchte der Hoffenheimer Jugendarbeit zu sehen?
merlinberlin 29.11.2012
3. Tja Herr Babel
In Berlin ist ja nur das mit Frau Preetz herausgekommen, um welche Spielerfrauen kümmern sie sich denn jetzt?
o.b.server 29.11.2012
4. Wo ist der Titel?
"Natürlich machst du dir Gedanken: Bist du ein guter Trainer, bist du ein schlechter Trainer? Im Moment bin ich ein schlechter Trainer, weil die Resultate nicht stimmen", sagte er am Wochenende." ---------------------------------------------- Hier irrt Herr Babbel. Er ist überhaupt kein Trainer und sollte seine Berufswahl überdenken.
Mo2 29.11.2012
5. Hoffen
Ich hoffe, dass Hoffenheim wieder in der Versenkung verschwindet. Ein großer Klub wird das eh nie werden, denn welche wirklich guten Spieler wollen (trotz fett Kohle) auf Dauer in der Provinz spielen? Da wird jeder Trainer ein Motivationsproblem haben, siehe Wolfsburg - wobei die natürlich noch ganz anders mit Geld um sich werfen können. Für Finacial Fairplay!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.