Nach Pokal-Pleiten Turbulenzen bei den Überfliegern

Der FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund haben sich blamiert und aus dem DFB-Pokal verabschiedet. Nun treffen Tabellenführer und Verfolger in der Bundesliga aufeinander. Doch vor dem Spitzenspiel liegen die Nerven bei beiden Clubs blank.

Mainz-Trainer Tuchel: Nach Pokal-Aus gefrustet
dapd

Mainz-Trainer Tuchel: Nach Pokal-Aus gefrustet


Ausgerechnet vor dem Schlagerspiel der Bundesliga am Sonntag (15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat bei den Überfliegern FSV Mainz 05 und Borussia Dortmund das Nervenflattern begonnen. Nahezu im Gleichschritt hatten sich die beiden Clubs an die Spitze der Bundesliga geschossen, gemeinsam blamierten sie sich nun in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Während Tabellenführer Mainz 1:2 bei Alemannia Aachen verlor, schieden die Dortmunder nach Elfmeterschießen bei Kickers Offenbach aus.

Die uninspirierte Leistung seines Teams hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp sogar die Vorfreude auf das Topspiel verdorben. "Im Moment brauche ich nicht über ein weiteres Highlight wie das Spiel gegen Mainz nachzudenken, denn ich habe nicht das Gefühl, dass das Pokalspiel ein Highlight für uns war", sagte Klopp, es war vielmehr "eine bittere Erfahrung". Der 43-Jährige, eigentlich ein unerschütterlicher Optimist, glaubt vor dem Duell bei seinem Ex-Club plötzlich nicht mehr kompromisslos an die mentale Stärke seines Teams. "Wir werden am Sonntag sehen, wie wir das verarbeiten", sagte der Coach. "Zudem haben wir das ein oder andere Verletzungsproblem, deshalb müssen wir sehen, welche Spuren das bis Sonntag hinterlassen hat."

Der Tabellenzweite Dortmund schaffte in 120 Minuten beim Drittliga-Spitzenreiter Kickers Offenbach kein Tor und dann scheiterten Lucas Barrios und Robert Lewandowski im Elfmeterschießen am überragenden Offenbacher Keeper Robert Wulnikowski. Für die BVB-Spieler war das Pokal-Aus eher ein Betriebsunfall. "Es hat daran gehapert, den Ball in dieses viereckige Ding zu kriegen", sagte Mats Hummels und sah die Chancenverwertung als einzigen Grund. Für Nuri Sahin war es nur "vom Ergebnis her ein Rückschlag".

Ein Rückschlag war das Pokalaus auch für Mainz. Trainer Thomas Tuchel beschwerte sich vor allem über den Unparteiischen. Der Coach wurde in der 90. Minute von Schiedsrichter Peter Gagelmann auf die Tribüne geschickt, weil er eine Wasserflasche auf den Boden warf. "Nicht mit voller Wucht, ich habe sie eher hingeschnippt", sagte Tuchel später. Das Nervenkostüm des Tabellenführers schien ausgesprochen dünn. Wie groß der Druck plötzlich ist, und sei es nur der selbstauferlegte, zeigte auch Lewis Holtby.

Der künftige Nationalspieler, sonst frei von jeglichen mentalen Blockaden, hatte bei "meiner Liebe" Aachen unbedingt spielen wollen, zeigte dann aber sein schlechtestes Saisonspiel und wurde zur Pause ausgewechselt. "Wir haben vorher schon überlegt, ob wir ihn der Situation überhaupt aussetzen wollen", sagte Tuchel: "Eigentlich hat er die Füße immer am Boden, aber heute hat es so ausgesehen, als habe ihn die eigene Erwartungshaltung beeinträchtigt."

Ausgesprochen dünnhäutig reagierte 05-Keeper Christian Wetklo. Erst legte sich der 30-Jährige in bester Jens-Lehmann-Manier mit einem Balljungen an, dann raunzte er beim ersten Nachhaken die Journalisten mit den Worten "Was soll die blöde Frage" an und verschwand. Kurios übrigens auch: Während Manager Christian Heidel erklärte, man sei "mit den eigenen Waffen" geschlagen worden, maßregelte Tuchel einen Journalisten bei ebendieser Frage: "Da haben sie in den letzten Wochen nicht aufgepasst." Im Stadion am Bruchweg wird sich am Sonntag zeigen, welche Mannschaft die Nerven besser unter Kontrolle bringen kann.

mxr/sid

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