Journalist machte Rassismus bei Länderspiel öffentlich Mutmaßliche Hetzer stellen sich der Polizei

Beim Länderspiel der DFB-Auswahl sollen sie Nationalspieler rassistisch beleidigt haben - nun haben sich die Männer der Polizei gestellt. Auslöser der Ermittlungen war ein emotionales Facebook-Video.

Leroy Sané
DPA

Leroy Sané


Nach den Berichten über rassistische Ausfälle gegen deutsche Fußball-Nationalspieler am Mittwoch während des Länderspiels in Wolfsburg gegen Serbien haben sich drei Männer der Polizei gestellt. "Sie haben sich am Donnerstag um 14.30 Uhr hier gemeldet", sagte Sprecher Thomas Figge von der Polizei Wolfsburg dem Sport-Informations-Dienst. Dabei hätten sie eingeräumt, dass es sich bei den drei mutmaßlichen Hetzern um sie handele.

Die Männer sind laut Polizei zwischen 30 und 40 Jahre alt und stammen aus dem Bereich der Polizeidirektion Braunschweig, der auch Wolfsburg umfasst. Sie sollen die Nationalspieler Leroy Sané und Ilkay Gündogan rund um das Spiel gegen Serbien (1:1) rassistisch beleidigt haben.

"Die Polizei wird weitere Ermittlungen wegen Volksverhetzung durchführen und den Vorgang Anfang nächster Woche an die Staatsanwaltschaft Braunschweig abgeben", sagte Wolfsburgs Polizeichef Olaf Gösmann der "Braunschweiger Zeitung" und den "Wolfsburger Nachrichten".

Der Journalist André Voigt hatte in den sozialen Netzwerken ein Video veröffentlicht, in dem er von rassistischen Rufen einiger Zuschauer während der Partie berichtet hatte. Er sprach von "rassistischen Beleidigungen gegen Sané und Gündogan", die er als Zuschauer direkt miterlebt habe. Sein Video war offenbar Auslöser der Ermittlungen.

Video: Zuschauer postet emotionalen Appell wegen rassistischer Beleidigungen

facebook.com/DreVoigt/

Wegen des Vorfalls hat die Polizei auch den Journalisten Voigt vorgeladen. "Er ist als Zeuge geführt und soll entsprechend aussagen", sagte Figge. Sehen Sie hier ein SPIEGEL ONLINE-Interview mit Voigt.

"Solche Leute in die Schranken weisen"

Leon Goretzka verurteilte die Attacken auf seine Mitspieler. "Ich habe mir das Video auch angeschaut, es hat mich sehr bewegt, und die Szenen, die er [André Voigt, die Redaktion] beschrieben hat, haben mich entsetzt. Ich kann nur alle aufrufen, mit viel Mut dagegen vorzugehen und solche Leute in die Schranken zu weisen", sagte der Mittelfeldspieler des deutschen Rekordmeisters Bayern München und ergänzte: "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Da antwortet man auf die Frage nach der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum."

Unterstützung erhielt der Ex-Schalker vom Dortmunder Marco Reus. "Das ist eine Sache, die absolut nicht geht, wofür wir absolut nicht stehen. Wir stehen für Vielfalt, die Hautfarbe ist egal", sagte Reus vor dem Start in die EM-Qualifikation am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in den Niederlanden.

tbe/jan/sid



insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
hcmc01 22.03.2019
1. Leider
ist die Krankheit Faschismus/Rassismus schon wieder in den Köpfen der meisten angekommen. Das werden keine schönen Zeiten. Schön, dass es noch ein paar Anständige gibt, aber bald werden auch diese aus Angs schweigen. wie damals
der_dr_Nickel 22.03.2019
2. Tja, Vorteil von...
...personalisierten Sitzplatz- zu anonymisierten Stehplatzkarten. Gut das diese Spackos, die ein Fußballspiel scheinbar nur zum eigenen Frustabbau besuchen, so leicht ausfindig gemacht werden können (ja, ja, die haben sich selber gestellt aber wohl nur auf Grund der obigen Tatsache). Sollte auch auf Stehplätzen angewandt werden, einfach die Reihen mit durchnummerierten Klappsitzen versehen und die Tickets entsprechend ausgeben. Wenn dann der Bengaloschmeisser auf Platz 25 sein Ticket mit Nr. 55 getauscht hatte wird das letzterer schon kundtun. Auch dieses umziehen unter irgendwelchen Bannern wäre dann obsolet, die kompletten Reihen werden für die nächsten Spiele ausgeschlossen. Und nein, die Tickets für diesen Bereich müssten dadurch nicht teurer werden.
mumuwilli1975 22.03.2019
3. hcmc01
Nein. Ich bin auch ein Anständiger und werde nie darüber schweigen. Angst wovor? Vor Brauner Gewalt? Niemals.
charlybird 22.03.2019
4. Ich glaube zunächst einmal,
dass es nicht einfach ist, einer angesoffenen Gruppe von Rechtspöblern, die sicherlich in diesem Stadium auch ihr politisches Inneres nach außen kehren, alleine entgegenzutreten. Da gehört Mut zu. Und wenn man dann noch alleine gelassen wird, weil es im Umfeld zustimmende Claqueure gibt, muss man sich wirklich ganz schön einsam fühlen. Diese Verzweiflung ist Voigt anzumerken und das erschüttert. Die Tatsache, dass das zunimmt, es werden sogar ganze Abschiedszeremonien von altgedienten Kameraden in Fußballstadien exerziert, und dass es mittlerweile Bedrohungen linker, grüner und sozialdemokratischer Politiker und Einrichtungen gibt, die massiver und häufiger vorkommen, ist einem Überbau zu verdanken, der demokratisch legitimiert agieren darf. Dieser Überbau heißt AfD.
Lisa_can_do 22.03.2019
5. tagtäglich
erlebe ich als schwarzer Deutscher solche Bemerkungen. Alle nicht so gemeint. Oft auch 'och, jetzt bleib mal locker, war doch nur ein Witz. Nein, ich finde Negerwitze einfach inakzeptabel. Oder, im eigenen Freundes- und Familien-, Kollegenkreis die-öko-wir-sind-so-tolerant-Version: was, das kann ich kaum glauben, dass es immer noch 'solche' Menschen gibt, echt jetzt. Nur bei Sané oder Becker-Sohnemann wird dies medial bekannt. Das grundsätzliche Problem besonders in der deutschen Gesellschaft wird medial kaum erfasst. So ein Thema fasst mal lieber nicht an, medial und gesellschaftlich.
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