Nach Spielabbruch DFB erklärt Hertha zum Sieger

Die zweite Runde im DFB-Pokal ist komplett - das Skandalspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC wurde am Grünen Tisch entschieden. Die Partie war kurz vor dem Ende abgebrochen worden, weil der Linienrichter nach einem Becherwurf zu Boden ging.


Frankfurt/Main - Das DFB-Sportgericht hat heute im Einzelrichter- Verfahren entschieden, dass die Partie mit 2:0 Toren für Hertha BSC gewertet wird. Die Stuttgarter Kickers haben bereits Rechtsmittelverzicht erklärt, so dass das Urteil rechtskräftig ist und Hertha BSC im Achtelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs steht. Die Auslosung für die nächste Runde erfolgt am kommenden Sonntag.

Kurioserweise hatte es nach Treffern von Okoronkwo und Bastürk ohnehin 2:0 für die Berliner gestanden, als
Schiedsrichter Michael Weiner das Spiel nach 86 Minuten vorzeitig beendete. Grund für den Abbruch: Linienrichter Kai Voss war von einem gefüllten Bierbecher am Kopf getroffen worden. Als Täter wurde ein 38-jähriger Stuttgarter vorläufig festgenommen. Er ist bereits als Hooligan bekannt, der wegen Gewalttätigkeiten bei Spielen des Lokalrivalen VfB mehrfach in Erscheinung getreten war. Der Mann sei aber "seit gut zehn Jahren nicht mehr aufgefallen und galt als Alt-Hooligan" sagte ein Polizeisprecher SPIEGEL ONLINE. Ein Stadionverbot gegen ihn bestand nicht.

Laut Polizei wird gegen den 38-jährigen Tatverdächtigen weiter ermittelt und Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung erhoben. Ihm droht eine Geld- oder Haftstrafe. Zudem muss der Täter damit rechnen, dass ihn die Kickers für die zu erwartende Geldstrafe von Seiten des DFB haftbar machen wollen. Diesen Schritt kündigten die Club-Verantwortlichen nach der Partie an. "Unsere friedlichen Fans haben bei der Ermittlung des Täters geholfen", sagt Kickers-Pressesprecher Martin Kurzka auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Wir werden in Absprache mit der Polizei ein mehrjähriges Stadionverbot gegen den Mann beantragen und zivilrechtliche Schritte prüfen", so Kurzka weiter.

Auch dem Club droht eine Strafe: Laut DFB-Mitteilung haben die Stuttgarter Kickers Gelegenheit erhalten, bis Anfang der kommenden Woche zum Sonderbericht des Schiedsrichters Stellung zu nehmen. Anschließend wird der DFB-Kontrollausschuss über eine etwaige Anklage-Erhebung beim DFB-Sportgericht entscheiden.

Dann müssten die Kickers eine Geldstrafe oder eine Platzsperre fürchten, zumal der Regionalligist aus Stuttgart bereits vorbelastet ist: Das Punktspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am 16. September hatte zwei Mal unterbrochen werden müssen, da Fans des Gegners Feuerwerkskörper gezündet und andere Zuschauer bedroht hatten. Die Kickers, denen auch mangelnder Schutz des Schiedsrichtergespanns angelastet wurde, mussten 3000 Euro Strafe zahlen.

all/sid/dpa



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